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Bürgermeister Thomas Alber.

Wahl

Thomas Alber: Umstrittener Bürgermeister tritt noch einmal an

Ob er ein Masochist sei, wird Thomas Alber gefragt. Der Rosbacher Bürgermeister, der in den vergangenen Jahren so viel Kritik der Kommunalpolitik abbekam wie kein zweiter Rathauschef in der Wetterau, lacht nur. Gerade hat er dieser Zeitung verkündet: „Ich trete bei der Bürgermeisterwahl am 28. Oktober an.“

Paukenschlag in Rosbach: Amtsinhaber Thomas Alber stellt sich zur Wiederwahl. Die Bewerbungsfrist für die Bürgermeisterwahl endete am Montag, 18 Uhr. „Ich habe um 17.50 Uhr meinen unterschriebenen Wahlvorschlag eingereicht“, verrät Alber. Ein Schnellschuss sei das aber nicht gewesen. „Ich habe mir in den letzten Wochen viele Gedanken gemacht.“ Nicht wenige Bürger hätten ihn in den vergangenen Monaten angesprochen und zum Weitermachen ermutigt – dabei hatte Alber vor einem Jahr noch deutlich gemacht, er werde nicht für eine zweite Amtszeit kandidieren. Seine Worte damals: „Die Zeit ist reif für eine Veränderung.“ Seine Entscheidung sei endgültig.

Nun heißt es: „Ich gucke nach vorne.“ Ausschlaggebend für Albers Kehrtwende sind seiner Aussage nach auch die anderen Bewerber: „Da ist aus meiner Sicht keiner dabei, der deutlich genug sagt, dass Rosbach den Weg der vergangenen sechs Jahre weitergehen soll.“ Alber sieht sein politisches Erbe in Gefahr, scheint es. Er habe noch zu Jahresbeginn auf einen Konsenskandidaten gehofft, der mit breiter Unterstützung die „geleistete Aufbauarbeit der vergangenen Jahre“ fortführt.

Stattdessen warfen vier Kandidaten ihren Hut in den Ring: Für die beiden unabhängigen Vertreter Christoph Käding und Christian Thiel hat sich bisher keine Partei ausgesprochen; die FDP schickt Hans-Otto Jacobi ins Rennen, die CDU wirbt für Steffen Maar, die SPD hält sich heraus und verzichtet auf eine Empfehlung.

Das Bündnis aus SPD, FWG und „Stimme“, mit dem der parteilose Alber in die aktuelle Wahlperiode gegangen war, gibt es nicht mehr. Entscheidungen fällt jede Fraktion für sich alleine. Eine Richtung ist nicht zu erkennen. Es brauche aber eine breite Mehrheit, um die Stadtentwicklung voranzutreiben, sagt Alber. Er traut sich offenbar zu, diese Mehrheit hinter sich zu bringen – gerne auch mit wechselnden Partnern. „Mir geht es um Sachpolitik.“

Der 48-Jährige verspricht sich Impulse von personellen Veränderungen bei der bisherigen „Alber-Opposition“ um CDU, FDP und Grüne, nennt explizit den neuen FDP-Vorsitzenden Jörg Werner oder CDU-Magistratsmitglied Stephan Schmidthals als „Hoffnungsträger, mit denen man Dinge bewegen kann“. Klar sei aber auch: „Ich werde immer meine Meinung äußern.“

Gegenwind wird Alber so oder so bekommen: Nicht wenige in Rosbach halten die Geschwindigkeit, mit der die Stadt derzeit expandiert, für zu hoch. „Ich kann nachvollziehen, dass man das Wachstum als rasant empfindet. Aber vor sechs Jahren gab es überhaupt keine laufende Entwicklung“, erinnert Alber. „Wir müssen akzeptieren, dass wir uns im Ballungsraum Frankfurt-Rhein-Main befinden. Davon profitieren wir. Aber wir müssen mitwachsen, damit wir nicht die negativen Effekte dieser Entwicklung spüren, beispielsweise hohe Mieten“, verteidigt der Bürgermeister die Ausweisung neuer Wohn- und Gewerbegebiete. Und betont: „Wer keine Entwicklung Rosbachs mehr möchte, sollte mich besser nicht wählen.“

Doch auch Alber scheint die kritischen Stimmen aus der Bevölkerung vernommen zu haben. Eines seiner Ziele für eine mögliche zweite Amtszeit sei die Schaffung „wohnortnaher Naturräume“. „Dieser Baustein fehlt uns noch in der Stadt.“ Zudem gelte es, das Gewerbegebiet in den nächsten Jahren umzustrukturieren, den ÖPNV zu fördern und neue Radwege anzulegen. Er stehe für eine zukunftsorientierte Politik. „Ich mache den Bürgern das Angebot, den eingeschlagenen Weg mit mir weiterzugehen.“ Er habe in den sechs Jahren genug angestoßen, um bei der Mehrheit der Bürger positiv anzukommen, ist er überzeugt. Die erste Amtszeit von Thomas Alber endet am 16. März 2019.

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