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Ein Zufallsfund in der Jauchegrube

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Der HGV-Vorsitzender Michel Limlei an einem Förderkorb. © Edelgard Halaczinsky

Rosbach (sky). Begonnen hat alles der Erzählung nach Mitte des 19. Jahrhunderts mit einem Zufallsfund des Bauern Krämer in der Kirchgasse. Er fand beim Ausheben einer Jauchegrube seltsame Klumpen im Boden. Sie erwiesen sich nach näherer Untersuchung als Manganknollen, und läuteten den Beginn des Rosbacher Bergbaus ein.

Lieferungen bis nach England

Der Rosbacher Lokalhistoriker Friedrich Aumüller hat den Rosbacher Geschichtsblättern die Historie des Manganabbaus beschrieben. Er berichtet von den wenig professionellen Anfängen im »Nordlager«, wo an über 80 verschiedenen Stellen eifrig geschürft wurde. Der zunächst tiefste Schacht auf dem rund 1,5 Quadratmeter großen Areal soll 33 Meter tief gewesen sein. Erst um die Jahrhundertwende begannen die systematischen Bohrungen, mit denen der unterirdische Verlauf der Erzlager relativ genau festgestellt werden konnte. Der Bergbau verlagerte sich ins »Südlager«, dessen Zentrum westlich vom heutigen Tennispark/Sportplatz lag.

Das Rosbacher Manganerz war wegen seiner Hochwertigkeit weithin begehrt. Einzelne Partien hätten einen Anteil von bis zu 92 Prozent Mangansuperoxid gehabt. Man lieferte es bis nach England, wo es zur Chlor-Gewinnung zum Bleichen von Baumwolle Verwendung fand. Auch in der Stahlveredlung war es gefragt, was zu Kriegszeiten besonders der Rüstungsindustrie zugutekam. Schwierigkeiten machte allerdings der hohe Phosphorgehalt des Rosbacher Erzes.

In der Nähe des Ober-Rosbacher Teiches gab es eine kleine Erzwäscherei, wo das gewonnene Erz aufbereitet wurde, um es danach per Pferdefuhrwerk nach Friedberg zu transportieren. Erst um 1900 gab es eine Bahnverbindung nach Friedberg, von wo aus das Erz weiterverarbeitet wurde. Allerdings vernachlässigte man vor Ort die Modernisierung des Maschinenparks.

Rund 40 Jahre nach Entdeckung des Manganvorkommens musste der Betrieb im Nordlager eingestellt werden. Bis dahin waren über 220 000 Tonnen Eisenerz mit einem Anteil von knapp 1300 Tonnen hochwertigem Mangan gefördert worden. Ein Bergingenieur verfasste ein Gutachten, wonach im Nordlager noch 2,81 Millionen Tonnen Erz abbaubar sein müssten. Das entsprach einem Wert von rund 36,5 Millionen Reichsmark. Aufgrund dieser Zahlen nahm man für drei Jahre den Betrieb wieder auf. Allerdings machten Wassereinbrüche den Betreibern zu schaffen.

Großer Widerstand aus Bad Nauheim

Heftiger Widerstand gegen die Rosbacher Erzförderung kam zudem aus dem acht Kilometer entfernten Bad Nauheim, denn die Grube lag im Schutzbereich der Thermalquellen. Trotz eindeutiger Gutachten, nach denen der Quellenzufluss durch den Bergbau nicht geschädigt werden könne, musste 1907 ein großer Schacht bei einer Tiefe von 80 Metern eingestellt werden. Für einen weiteren Schacht an der »Gölling« wurde das nötige Auspumpen von Wasser verboten, weshalb der Betrieb auch dort zum Erliegen kam. Auch die beabsichtigte Vertiefung des Hauptförderschachtes auf 150 Meter wurde wegen des Quellenschutzes untersagt.

Ein schweres Grubenunglück im Sommer 1913, dem vier Menschen zum Opfer fielen, führte zudem zu einer vorübergehenden Stilllegung der Grube. Hiervon sollte sich der Erzabbau nicht mehr erholen. Trotz eines steigenden Bedarfs sank die Förderung, was wohl auch der fortschreitenden Überalterung der technischen Einrichtungen geschuldet war.

1920 übernahmen die Buderus’schen Eisenwerke Wetzlar die Grube und investierten erhebliche Summen in deren Ausbau. Der Bergdruck des Taunus und ständig eindringender Treibsand verursachten jedoch hohe Förderkosten, und das ungünstige Verhältnis von Mangan zu Phosphor erschwerte den Verkauf. Als die Sophienhütte in Wetzlar als Hauptabnehmer wegbrach, ging der Ober-Rosbacher Bergbau seinem Ende entgegen. Die endgültige Stilllegung erfolgte 1925.

Ein Förderkorb und zwei Grubenlampen sind heute im Besitz des Heimatgeschichtsvereins. Neben drei Bauten (siehe Info-Kasten) gibt es sonst keine bekannten Spuren des Rosbacher Bergbaus. Die wenigen Abraumhügel, sind nun größtenteils Neubaugebiete. Einige Straßennamen wie Steigerweg oder Göllingsweg erinnern noch an die Geschichte Rosbachs als Bergwerkstadt, in der zeitweilig bis zu 170 Grubenarbeiter in Lohn und Brot standen.

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Die »Kantine« am Hainerweg, heute Ponyhof Waechter. © Edelgard Halaczinsky
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Eine Grubenlampe, die an den Rosbacher Bergbau erinnert. © Edelgard Halaczinsky
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Eine Gruppe von Bergleuten vor einem Schacht in Rosbach. © Edelgard Halaczinsky
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Eine Mangan-Knolle im Größenvergleich zu Eisenerz. © Edelgard Halaczinsky

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