dab_kruzifix1_050722
+
Erst durch die Buchstabentafel »INRI« erhält das Kruzifix die Kreuzform.

3,40 Meter hoch

Rosbach: Ein fast einzigartiges Kruzifix in der Stadtkirche

Wer die Rosbacher Stadtkirche betritt, dem fällt sofort das Kruzifix hinter dem Altar auf. Was die wenigsten wissen: Es ist ein Kruzifix, das es in ganz Deutschland nur noch ein weiteres Mal gibt.

Wie in vielen anderen Gotteshäusern auch, hängt das Kruzifix in der Rosbacher Stadtkirche hinter dem Altar. Was aber anders ist als an anderen Orten: Der überlebensgroße, sehr realistisch geschnitzte Jesus hängt eigentlich an einem hölzernen »T«. Erst durch die Buchstabentafel »INRI« erhält das Kruzifix die Kreuzform. »Das ist auffällig und sehr selten«, erklärt Rainer Lehr vom Kirchenvorstand. »In dieser Machart soll es in Deutschland nur noch ein weiteres Kreuz geben.«

Das Rosbacher Kruzifix stammt wohl aus dem 15. Jahrhundert. »Wir wissen, dass es in der Vorvorgängerkirche schon stand. Wer es erschaffen hat, ist allerdings unbekannt«, sagt Lehr. Auch die Blutspuren am Körper des überlebensgroß dargestellten Jesus seien eher ungewöhnlich.

Rosbach: 3,40 Meter hohes Kruzifix im Kohlekeller vergessen

Das rund 3,40 Meter hohe Kreuz steht zentral im Kirchenschiff der evangelischen Stadtkirche, heute hinter dem Altar. Früher hat es etwas weiter vorne gestanden. Das Kreuz, so erzählt Lehr, der auch im Heimat- und Geschichtsverein aktiv ist, wurde während des Nazi-Regimes abgebaut. »Pfarrer Schäfer versteckte es im Kohlekeller.« Dort ging es vergessen und man dachte, es sei verschüttet, bis Pfarrer Dondorf es in den 1950er Jahren wiederentdeckte und für damals 5000 DM restaurieren ließ.

Hinter dem Kreuz geht es in den historischen Turm der Kirche. Der untere Teil des Kirchturms stammt aus der Frühgotik im 12. Jahrhundert. Bei einer Renovierung Anfang der Siebzigerjahre wurden die ursprüngliche Bemalung und Farbgebung der Halle freigelegt. Neben Heiligenfiguren im Südfenster ist auf der Ostseite ein Marienbild zu sehen, denn die Kirche war bis 1533 katholisch. »Die freigelegten Fragmente wurden allerdings nicht vervollständigt. Damit sind auch jetzt nur Teile der damaligen Turmgestaltung zu sehen«, erklärt Lehr.

Rosbach: Auferstehungsfenster erst 15 Jahre alt

In einer Vitrine befindet sich das alte Abendmahlsgeschirr der Stadtkirchengemeinde. »Das älteste Teil ist ein vergoldeter Abendmahlskelch aus dem Jahr 1591, sechs große Zinnkannen aus dem Jahr 1741 sowie einige Kleinteile, ebenfalls aus dieser Zeit«, weiß Kirchenvorstand Lehr zu berichten.

Die neueste Änderung im Turm der Stadtkirche ist erst rund 15 Jahre alt. Das neu gestaltete Auferstehungsfenster auf der Ostseite schafft vom Kirchenschiff aus betrachtet eine direkte Verbindung zum Kruzifix, da es genau dahinter liegt. »So soll in der Kirche der Weg Jesu vom Tod am Kreuz bis zur Auferstehung und Heimkehr in das Reich Gottes gezeigt werden«, erläutert Lehr.

Rosbach: Die Helligkeit im Himmelreich

Die Rosbacher Künstlerin Hannelore Clemenz-Rau hat das Auferstehungsfenster entworfen. Im unteren Teil des Fensters ist die Erde in Blau-, Grün- und Brauntönen dargestellt, im mittleren Teil der Himmel mit zwei kleinen roten Scheiben, die das Blut und Leid Jesu symbolisieren und der obere Teil die Helligkeit und die Ewigkeit in Gottes Himmelreich.

Das Kreuz in der Rosbacher Stadtkirche offenbart erst von hinten seine Besonderheit: Jesus hängt eigentlich an einem hölzernen »T«.
Dieser Artikel stammt aus der Wetterauer Zeitung.

Mehr zum Thema

Kommentare