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Wegen giftigem Weichmacher: Rodheimer Freibad bleibt zu

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Von: red Redaktion

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Weil in den unteren Farbschichten unter anderem des großen Beckens der giftige Weichmacher PCB gefunden worden ist, wird das Rodheimer Freibad diese Saison nicht geöffnet. © pv

Die Sanierung des Rodheimer Freibads beginnt früher als gedacht: Weil in den unteren Farbschichten des Beckens ein giftiger Weichmacher PCB gefunden worden ist, wird das Bad diese Saison nicht geöffnet.

Die Sanierung des Rodheimer Freibades wird vorgezogen. »Das Bad bleibt diese Saison daher leider geschlossen«, teilt Bürgermeister Steffen Maar mit. Der Grund für den neuen Zeitplan: In den unteren Farbschichten des großen Beckens, des direkt angrenzenden alten Planschbeckens der ehemaligen Sprungturmanlage sowie der Startblöcke wurde PCB nachgewiesen. Das ist ein giftiger Weichmacher, der früher in Lacken und Farben verwendet wurde.

Wohl keine Gefahr

Um die Sanierung vorzubereiten, die eigentlich erst nach der Saison hätte beginnen sollen, hat die Stadt Betonuntersuchungen vorgenommen. »Diese sind notwendig, um den späteren Entsorgungsweg zu bestimmen«, erklärt Maar. Die Analyse habe ergeben: In den unteren Farbschichten werden die PCB-Grenzwerte deutlich überschritten.

Maar sei davon ebenso überrascht gewesen wie die übrigen Mitglieder des Magistrats. Eine weitere Untersuchung habe ergeben, dass im Wasser kein PCB nachweisbar gewesen sei. Man könne daher davon ausgehen, dass für die Badegäste in den vergangenen Jahren keine Gefahr ausgegangen sei. Dies liege vor allem daran, dass PCB nicht wasserlöslich sei und seine giftige Wirkung vor allem in der Raumluft entfalte, so der mit der Sanierung beauftragte Fachplaner Oliver Martin.

Vor einer Öffnung des Freibades in der Saison 2022 hätte eine PCB-Sanierung durchgeführt werden müssen, erläutert Maar. Nach der Ausschreibung hätte das Bad »mit Glück Mitte Juli« eröffnen können. Es hätte aber nur wenige Wochen später wieder geschlossen werden müssen, um dann die geplante Sanierung durchzuführen. Auch wegen der hohen Unwirtschaftlichkeit habe der Magistrat daher entschieden, das Bad in diesem Jahr gar nicht erst zu öffnen.

Der Bürgermeister betont, dass die Gesundheit erste Priorität habe und die Stadt jegliche Risiken vermeiden wolle. »Eine Öffnung des Bades ohne PCB-Sanierung kommt für den Magistrat nicht in Frage.« Durch den Wegfall der Saison könne nun früher mit den Arbeiten begonnen werden. Ziel sei es, das frisch sanierte Freibad rechtzeitig zur Badesaison 2023 wieder zu eröffnen.

Kosten steigen

Maar geht davon aus, dass das entdeckte PCB die Sanierungskosten von ursprünglich 2 Millionen Euro um gute 200 000 Euro nach oben treiben wird. »Es ist ein zusätzlicher Arbeitsschritt, quasi ein eigenes Gewerk«, erklärt er. Statt den Boden im Ganzen abzufräsen, müssten zunächt die belasteten Farbschichten abgetragen und entsorgt werden.

INFO: PCB

PCB ist die Abkürzung für Polychlorierte Biphenyle. Das sind giftige organische Chlorverbindungen, die unter anderem als Weichmacher in Lacken und Dichtungsmassen verwendet wurden. In Deutschland dürfen sie seit Ende der 80er Jahre nicht mehr verwendet werden.

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