1. Startseite
  2. Region
  3. Wetteraukreis

Schatten, Hühnerbrühe und ein aufmerksames Auge

Erstellt:

Kommentare

oli_Hunde_190722_4c
Schön im Schatten bleiben beim Gassi gehen - und möglichst früh am Tag oder spätabends unterwegs sein. © Red

Gießen (pi). Über dem Asphalt flirrt die Luft. Glutheiß ist es jetzt dort unten, wo sich Hunde normalerweise neben den Füßen von Frauchen und Herrchen durch die Stadt bewegen. In diesen Tagen im wahrsten Sinne des Wortes ein absolutes »No-go«, sagen die Gießener Tierärztin Christel Hahn und Astrid Paparone, Vorsitzende des Gießener Tierschutzvereins.

»Auch Hundeschuhe schützen nicht genug, und Pfotenschutzcremes erzeugen quasi einen Bratpfanneneffekt«, warnt Hahn. Tiere können wie Menschen in gefährlichen Hitzestress geraten. »Sonne meiden, leichte Spaziergänge im Schatten möglichst früh morgens oder spät abends unternehmen - am besten auf Gras oder im Wald«, empfiehlt Paparone. So halten es auch die Hundebegleiter im Tierheim Gießen. Ein Ventilator könne helfen, eine Kühlgelmatte zum Draufliegen oder das zwischenzeitliche Auflegen eines feuchten Handtuchs sei eine Idee, wenn der Hund das gut finde, sagen beide Expertinnen. Ganz beliebt sei auch mal ein Leckerchen aus Futter in geeister Gemüse- oder Hühnerbrühe. Im Tierheim gibt es Planschbecken in den Außengehegen.

Hunde können ihre Temperatur nur über das Hecheln regulieren, über die Pfoten und die Nase transpirieren. »Je kürzer die Schnauze je nach Rasse oder gar bei Qualzuchten ist, desto mehr leiden die Tiere bei Hitze und brauchen Schutz«, betont Paparone. Unbedingt müssten Hundesbesitzer darauf achten, wo die Hunde sich zu Hause aufhalten - »auch in einem Hof oder Balkon wandert die Sonne, und der Schattenplatz ist plötzlich keiner mehr«. Und immer wieder müsse man es sagen: Niemals dürfe man ein Tier im Auto zurücklassen, auch nicht nur kurz. Das bekräftigt Tierärztin Hahn: »Die Temperatur im Innenraum steigt bei dieser Hitze so schnell, dass es in drei bis vier Minuten zu einem Zustand kommen kann, der zum Hitzetod des Tieres führt.« Schonung von Kreislauf und Blutdruck sei wichtig, vor allem bei älteren oder ganz jungen Tieren, sagt Hahn, die deshalb alle OPs in ihrer Praxis verschoben hat. Genug frisches Wasser ist das A und O, natürlich auch für Katzen - »aber bitte nicht aus einem Zimmerbrunnen mit zirkulierendem Wasser, da potenzieren sich die Keime, die das Tier dann wieder aufnimmt«, warnt Hahn. Frisch und kühl muss das Wasser sein, auch für Nager oder Vögel - »also nicht die Flasche bei 30 Grad in der Sonne an den Stall klemmen«. Vogelkäfige in der Wohnung dürften nicht in der Sonne am Fenster stehen. Ein Wäscheständer daneben mit einem großen nassen Handtuch bringe Verdunstungskühle. Kaninchen, Meerschweinchen und anderen Kleinnagern reicht nach den Worten Paparones ein Häuschen als Schattenspender im Freigehege keinesfalls aus: »Am besten ist Baumschatten und unabdingbar ein aufmerksames Auge, ob die Tiere sich wohlfühlen.« Genau hinschauen muss man nach Hahns Rat auch, ob sich bei Nagern im Freien Schmeißfliegenmaden am Köper befinden: »Die entwickeln sich schon in sechs Stunden und befallen die Muskulatur.« Überhaupt sollte man sein Tier beobachten: Hechle es übermäßig oder wirke es abgeschlagen oder apathisch, müsse es brechen, habe es Durchfall oder blieben die Schleimhäute im Mund bei Druck weiß, sollte man umgehend den Tierarzt aufsuchen.

Auch interessant

Kommentare