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Scheune ist jetzt ein Theater

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Von: Inge Schneider

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Tagsüber sind die Rollos zwar geschlossen, aber abends öffnen sie sich und damit auch der Vorhang auf der Bühne des Fortuna-Theaters in Reichelsheim-Heuchelheim. Aus der ehemaligen Scheune hat die Friedberger Musicaldarstellerin Alena Neubert (Bild u. r.) ein Theater auf dem Land gemacht. © Rebecca Fulle

Ihre Familie hat Wurzeln in Heuchelheim: Über Alena Neuberts Großmutter gelangte die Hofreite an der Hauptstraße samt Scheune zurück ins Erbe: Da fasste die 26-jährige Musicaldarstellerin aus Friedberg sich ein Herz, übernahm das Anwesen und eröffnete ohne öffentliche Förderung ihr eigenes kleines Theater. Das »Theater Fortuna« mitten in der Wetterau - und erfüllte sich damit einen Traum.

Alena Neubert ist eine vielseitige Künstlerin. Und nun ist ihr lang gehegter Traum von einem eigenen Theater in Heuchelheim wahr geworden. Sie hat das »Fortuna Theater« eröffnet und stand als Hauptdarstellerin in ihrem eigenen märchenhaften Stück »Prinzessin auf Abwegen« jetzt mehrfach auf der Bühne. Neuberts eigene Geschichte ist auch geradezu märchenhaft.

Geboren am 25. Dezember 1995 in Gießen, lebt die vielseitige Künstlerin heute in Friedberg-Dorheim. Nach dem Abitur am Burggymnasium wurde sie an der »Schule für Musik, Gesang und Darstellende Künste Dominik Heinz« ausgebildet, schloss den Studiengang mit Auszeichnung ab und fügte noch einen Bachelor der Bircham International University im Fachbereich »Performing Arts/Musical Theatre« hinzu.

Hautnah durch

begrenzten Platz

Drei Solo-Alben bereichern den bisherigen Weg der jungen, sympathischen Künstlerin, hinzukommen Auszeichnungen des Deutschen Rock- und Pop-Musikerverbandes und die Gründung der eigenen Produktionsfirma The Brentwood Theatrical Productions, die 2019 das Musical »Amazing Grace« in die Stadthalle Friedberg brachte.

Übernahm Alena Neubert bereits hier die weibliche Hauptrolle, so verkörpert sie auch in ihrem Märchenspiel »Prinzessin auf Abwegen« im eigenen Theater die Protagonistin Ella, Tochter der Märchenprinzessin Cinderella und unglücklich in der ewig harmonischen, sterbenslangweiligen Märchenwelt.

Michael Wolfrum spielt die männliche Hauptrolle: Adam, den von einem Zauberer verwünschten ewigen Wächter an der Grenze zwischen Märchenland und Menschenwelt. Der aus Halle an der Saale stammende Sänger erhielt seine künstlerische Ausbildung unter anderem im Opernstudio Oberfranken in Bayreuth und wirkte bereits oft bei Opernproduktionen des Theaters Altes Hallenbad in Friedberg mit.

In »Prinzessin auf Abwegen« übernimmt er die Rolle des bürgerlichen Handwerkssohns, der an der Grenze zwischen Alltagsrealität und seinen Träumen von Ruhm und Heldentum strandet. Dass nur er selbst und ein geliebtes Gegenüber diesen Bann aufheben können, erfährt Adam behutsam durch seine Begegnung mit Ella. Ebenso wie Adam fehlt ihrer Sehnsucht nach einem aufregenden Dasein jenseits der Grenze sowohl Tiefgang als auch Realitätsbezug und Menschlichkeit. Die persönliche Weiterentwicklung und die Schritte des Paares aufeinander zu, schildert Neubert in ihrem Zweiakter berührend, glaubwürdig, mit viel Raum zur schauspielerischen Entfaltung.

Ebenso überzeugend setzt das Paar den Stoff um, aufgrund des begrenzten Platzangebotes fast hautnah bei seinem Publikum. Klein und Groß hängen den Darstellern an den Lippen, berichtet der Regisseur und musikalische Gesamtleiter des Stücks, Neuberts Lehrer Dominik Heinz.

Aus dem Off bedient er nicht nur Beleuchtung, Technik und die Beamer-Sequenzen für die Kulissen, sondern leiht auch dem dämonischen Zauberer seine Stimme und summt den Part eines störenden Käfers. Das Theaterprojekt ist auch sein Herzensanliegen, das er mit all seinem Wissen begleitet. Neue Projekte sieht er bereits am Start.

Das Engagement des Trios zahlt sich aus: Einzelpersonen jeden Alters, Gruppen und Vereine buchen sich seit der Premiere im Juni ein, die Jüngsten sind verzaubert, die Älteren spüren das tiefe Anliegen des Spiels. Als besonders beeindruckend werden die Gesangseinlagen wahrgenommen: Volkslieder und Traditionals, die Neubert zum Teil mit neuen Texten unterlegt, erklingen kraftvoll, emotional und berührend.

»Wundervoll, dass es jetzt so etwas Schönes in Heuchelheim gibt«, so der einstimmige Tenor der Besucher nach der Aufführung mit Sektpause und Autogrammstunde.

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