1. Startseite
  2. Region
  3. Wetteraukreis

Schlechte Aussichten für Maria Soell

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Myriam Lenz

Kommentare

EICHELSDORF - Heute wird für das Tochterunternehmen von Maria Soell, die Folienproduktion High Technology Films GmbH (HTF), die Insolvenz angemeldet, und Mitte des Monats voraussichtlich für die zur Firma gehörende GmbH. Alles deutet darauf hin, dass beide Betriebe bald nicht mehr bestehen werden.

Für Dienstagmorgen hatte der Insolvenzverwalter zur Betriebsversammlung nach Eichelsdorf geladen und über den aktuellen Stand informiert. Etwa 30 Wettbewerbern wurde demnach die Übernahme der HTF angeboten. Zwar sind noch drei Kaufinteressenten im Gespräch, die Hoffnungen sind allerdings allgemein gering, dass die Produktion in Eichelsdorf wieder aufgenommen wird.

Ein Kaufangebot für die komplette Firma lag weit unter dem Wert der neuen, zu Jahresbeginn in Betrieb genommenen Blasfolienanlage Triple Bubble. Der Leasinggeber, der ein Rückkaufrecht hat, legte sein Veto ein. Die Maschine wird voraussichtlich Mitte September abgebaut werden.

"Ein Eigenkapital der Firmen ist kaum vorhanden. Es ist zum Sterben zu viel, zum Leben zu wenig", lautet das Resümee von Alexander Wiesbach von der Gewerkschaft Bergbau, Chemie, Energie, der die Interessen der Arbeitnehmer vertritt. Zu verteilen gebe es nicht viel, die Leute, die zum Teil über 30 Jahre und länger in dem Betrieb seien, würden leer ausgehen. Entsprechend sei die Stimmung während der Versammlung gewesen. Wiesbach redet von deutlichen Unmutsäußerungen gegen den Geschäftsführer Stefan Steinmeier. Wiesbach: "Was er da hinterlassen hat, ist ein Scherbenhaufen. Die Firmen sind heruntergewirtschaftet worden."

Da es noch drei Kaufinteressenten für die HTF gibt, kann der Prozess für diesen Betriebszweig noch nicht abgeschlossen werden, die Mitarbeiter sind nur widerruflich freigestellt. Solange keine endgültige, also unwiderrufliche Kündigung ausgesprochen ist, haben sie keinen Anspruch auf Arbeitslosengeld. Geht der Beschluss über die Eröffnung für das Insolvenzverfahren ein, kann für die Mitarbeiter Insolvenzgeld für die Monate Juni bis August beantragt werden. Für beide Betriebszweige werden nun Interessensausgleiche und Sozialpläne vorbereitet.

"Die Leute, denen noch nicht gekündigt wurde, sind sauer, dass sie noch kein Arbeitslosengeld bekommen können. Sie haben einen Monat verloren", bringt es der Betriebsratsvorsitzende der HTF, Maximilian Fröhlich, zum Ausdruck. Aus Sicht einiger Mitarbeiter sei die Kommunikation durch den Insolvenzverwalter zu spät und zögerlich erfolgt.

Auch der Insolvenzverwalter scheint offenbar nicht an eine Weiterführung des Betriebs zu glauben. Während der Sitzung habe er, das berichtet Wiesbach, den Mitarbeitern empfohlen, in Aussicht stehende Jobs anzunehmen. Zum 1. September werden zwischen zehn bis 15 der insgesamt zirka 60 Mitarbeiter der HTF gehen. Einige bleiben in der Sparte, andere orientieren sich komplett neu, informiert Maximilian Fröhlich.

Thema während der Besprechung war auch eine angeblich unvollständige Baugenehmigung für den neuen Anbau für die zweite Blasfolienanlage. Diese müsse rückwirkend erteilt werden. "Für einen Investor ist das ein großes Risiko, ob die Genehmigung überhaupt erteilt wird", gibt Alexander Wiesbach zu bedenken.

Aus der übrig gebliebenen Insolvenzmasse werden zunächst die Kosten für das Amtsgericht und den Insolvenzverwalter gedeckt. Sollte noch etwas übrig bleiben, kämen die Forderungen der Arbeitgeber und auch Abfindungen an die Reihe.Für Maximilian Fröhlich und viele Mitarbeiter ist es unverständlich, wie es trotz der relativ vollen Auftragsbücher so weit kommen konnte. Die Erwartungen an den heutigen Tag waren gedämpft. "Dem größten Teil der Belegschaft war klar, dass es nichts mehr zu holen gibt und es nicht mehr weitergeht. Wir haben es in den letzten Monaten gesehen, wie es sich mit der Rohstoffbeschaffung verhielt. Die Löhne kamen teilweise nicht rechtzeitig, Sonderzahlungen mussten erst eingeklagt werden."

Auch für die etwa noch 20 Mitarbeiter der Maria Soell GmbH sieht es düster aus. Für diese sei laut Franz Schindler, Betriebsratsvorsitzender der GmbH, gar kein Kaufinteressent da. Für die GmbH wird voraussichtlich Mitte September das Insolvenzverfahren eröffnet. Schindler: "Die Leute sind stinkig. Mehr als warten können wir nicht. Es ist fraglich, wie es hier im September weitergeht."

Auch interessant

Kommentare