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Schmerzgrenze in Rainrod erreicht

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In der Rathausstraße in Rainrod sind die Glasfaser-Gräben zwar grob asphaltiert, aber es fehlt noch die zweite Deckschicht, um die Vertiefungen auszugleichen. FOTO: WEIL © Stefan Weil

Glasfaserausbau: Eine Tiefbaufirma darf auf Geheiß der Stadt Schotten in Rainrod nicht weiterarbeiten. Vertreter des Kommunikationsunternehmens müssen harsche Kritik einstecken.

Rainrod (sw). Einmal mehr harsche Kritik einstecken mussten Vertreter der Firma Goetel. Zu einem informativen Treffen über den Fortgang der Arbeiten in der Schottener Großgemeinde hatten sich die Ortsvorsteher beziehungsweise Vertreter aller 15 Stadtteile im Rainröder Bürgerhaus eingefunden. Das Kommunikationsunternehmen Goetel aus Göttingen baut derzeit in der Schottener Großgemeinde und in weiteren Kommunen im Vogelsbergkreis das Glasfasernetz für eine zukunftsweisende Datenübertragungstechnik aus. Im größten Stadtteil in Rainrod sind die Arbeitskolonnen seit über eineinhalb Jahren tätig, um die einzelnen Haushalte und Häuser an das schnelle Netz anzuschließen.

»Wir haben extrem große Schwierigkeiten. Wir haben uns in Rainrod nicht mit Ruhm bekleckert«, räumte Gerhard Peylo ein, der als Gesamtprojektleiter für den Bereich Schotten zuständig ist. Es gebe große Probleme mit dem Generalunternehmer aus Kassel, der die Arbeiten ausführe. Geschäftsführer Daniel Kleinbauer, der nach eigenen Angaben seit 1. April im Unternehmen tätig ist, bestätigte die Einlassungen seines Projektleiters. »Ich war geschockt. Die Baukolonnen arbeiteten schlecht.« Das sei im Landkreis Kassel anders gewesen. Dort habe das Bauunternehmen »exzellente Bewertungen« erhalten. »In Rainrod sind aber neue Kolonnen eingesetzt worden, die diese Qualitätsstandards nicht erfüllen.«

Sehr deutlich wurde Elke Högy, die Leiterin der Bauabteilung. »Die Firma arbeitet stümperhaft, die Schmerzgrenze ist erreicht. Ein ›Weiter so‹ kann es nicht geben.« Das Unternehmen aus Nordhessen habe weder die notwendigen Gerätschaften noch verfügten die Mitarbeiter über das erforderliche Know-how.

Die Stadt Schotten hat daraus in dieser Woche die Konsequenzen gezogen und dem Unternehmen die Genehmigung zum Weiterbau entzogen. Goetel will nun eine neue Baufirma einsetzen. Wann es konkret weitergehen wird, war bei der Stadt Schotten noch nicht bekannt.

Das Göttinger Unternehmen will die zahlreichen Baustellen in Rainrod nun bis Ende Juli fertigstellen, wie die Unternehmensvertreter ankündigten. Bei einem Ortstermin Mitte April war noch - bis auf einige Restarbeiten - Ende Mai als Fixpunkt angegeben worden. Im Juli vergangenen Jahres hatten Goetel-Mitarbeiter in der Stadtverordnetenversammlung das vierte Quartal 2021 anvisiert.

Noch immer sind in Rainrod zahlreiche Gräben für die Verlegung des Glasfasers nur provisorisch mit Schotter verfüllt. Das führt zu Belästigungen für die Autofahrer und auch für die Fußgänger auf den Bürgersteigen. Zudem sind andere Gräben zwar mit einer Tragschicht grob asphaltiert, weisen dadurch aber zur übrigen Straßenoberfläche Vertiefungen von zwei bis drei Zentimetern mit entsprechenden Absätzen auf.

Das Einhalten von Versprechungen

Sven Winkler kritisierte die »mangelhafte Kommunikation« seitens des Göttinger Unternehmens. »Versprechungen und Termine werden nicht eingehalten«, so der Ortsvorsteher von Burkhards. Außerdem seien am Feuerwehrgerätehaus durch schwere Baufahrzeuge Schäden an einer von Burkhardser Vereinen erstellten Asphaltfläche entstanden. Rudingshains Ortsvorsteher Timo Neumann bezeichnete die Arbeiten zur Verlegung einer sogenannten Backbone-Leitung von Feldkrücken nach Rudingshain als »sehr, sehr schlampig«. Bürgermeisterin Susanne Schaab fasste die Meinung der Vertreter aus den Stadtteilen zusammen. »Wir sind nicht verärgert, wenn bestimmte Arbeiten etwas länger dauern. Wir sind aber verärgert, wenn Versprechen nicht eingehalten werden.«

Ines Ladner (Eschenrod) plädierte daher dafür, Termine nicht zu eng anzusetzen, sondern lieber etwas zu strecken. »Statt immer wieder Zusagen nicht einhalten zu können, wäre eine realistische Planung besser. Dann wäre auch der Frust bei den Menschen nicht so groß.« Anstatt an zwei Orten zeitlich parallel, wie zunächst von Projektleiter Peylo angekündigt, soll jetzt jeweils nur ein Stadtteil abgearbeitet werden, bevor die Arbeiten im nächsten Dorf begonnen werden. Darauf hatten Schab und Högy gedrängt wie auch die Vertreter der Ortsbeiräte. Ein Stadtteil, in dem die Arbeiten endgültig abgeschlossen seien, könnte auch als gutes Vorzeigeobjekt dienen, um weitere Neukunden zu gewinnen.

Die ist besonders nötig für die Kernstadt. Wie Geschäftsführer Neubauer erneut betonte, fehlen hier noch rund 170 Vereinbarungen, um grünes Licht für den Bau des Glasfasernetzes geben zu können. Vertriebsleiter Ingo Sauer kündigte eine weitere Vermarktungsphase für Juni bis August an. Die Vorgehensweise werde noch einmal überarbeitet.

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