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Schmieden wie vor 2500 Jahren in der Keltenwelt am Glauberg

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An der Schmiede, die künftig bei ausgewählten Veranstaltungen wieder »in Betrieb« gehen soll (v. l.): Museumspädagoge Thomas Lessig-Weller, Hessens Ministerin für Wissenschaft und Kunst, Angela Dorn, Keltenwelt-Direktorin Dr. Vera Rupp, Pierre Stoll und Benedict Knapp vom Team »Trommer-Archaeotechnik« und Landesarchäologe Professor Dr. Udo Recker. © Corinna Willführ

Die Berarbeitung von Eisen vor rund 2500 Jahren bildet einen Meilenstein der menschlichen Entwicklung. Doch wie sah diese Arbeit aus? Erleben kann man dies jetzt in der Keltenwelt am Glauberg.

E in möglicher Dialog vor etwa 2500 Jahren: »Die Qualität der Barren ist ausgezeichnet. Daraus entsteht das neue Schwert.« Aber: »Den ganzen Tag nur den Blasebalg bedienen! Wann darf ich endlich mal den Hammer schwingen?« So könnten damals Vater und Sohn Schmied in der Eisenzeit miteinander gesprochen haben. Wenn es denn schriftliche Überlieferungen aus dem 8. bis 4. Jahrhundert vor Christus von den Kelten gäbe. »Die haben wir leider nicht«, sagt Thomas Lessig-Weller, Museumspädagoge der Keltenwelt am Glauberg. Eine komplette Schmiede haben Archäologen bislang ebenfalls nicht entdeckt. Doch deuten Funde - gerade auch in Hessen im Lahn-Dill-Kreis - darauf hin, dass die Kelten vor rund 2500 Jahren die ersten Volksstämme waren, die sich darauf verstanden, auch hier in der Region Eisen zu schmieden. »Und damit brachten sie einen enormen Innovationsschub nach Europa«, erklärt die Leiterin der Keltenwelt, Dr. Vera Rupp.

Zwei Jahre

Planungszeit

Es ist ein aufwendiger und schweißtreibender Prozess, wie auf den Erläuterungen am neuen Pavillon »Vom Erz zum Schwert« im Museumsgarten der Keltenwelt nachzulesen ist. Sieben Schritte der Eisenproduktion sind dort aufgeführt, vom Pochen bis zur Montage von Einzelteilen. Mit ihnen und den lebensgroßen Illustrationen von Sarah Welponer hinter einer großen Schaufensterfront, wollen die Verantwortlichen das Interesse wecken, sich mit einem Zusammenhang zu beschäftigen, »der nicht einfach zu vermitteln ist«. Eben der »Vom Erz zum Schwert«.

So stecken denn auch zwei Jahre Planungs- und Bauzeit hinter der neuen Attraktion im Garten des Landesmuseums. Ursprünglich seien mehr Mittmachstationen in der aktuellen Ausstellung zum Keltenjahr »Kelten Land Hessen« in den Räumen des Museums vorgesehen gewesen. »Doch für das Thema Eisen als Aktivprogramm war der Platz zu beschränkt«, so Vera Rupp.

Was sich nun draußen den Besucherinnen und Besuchern bietet, überzeugte die Hessische Ministerin für Wissenschaft und Kunst, Angela Dorn, einmal mehr davon, »dass es in Hessen keinen weiteren Ort gibt, wo sich das historische Erbe des Landes Hessen mit der Faszination Archäologie so verbindet wie in der Keltenwelt am Glauberg«. Mit der Fähigkeit, Eisen schmieden zu können, begründeten die Kelten einen Innovationsschub für ganz Europa und »sorgten für Wohlstand im Europa nördlich der Alpen«, betont Rupp. Ein Blick zurück, der für Angela Dorn auch einer in die Zukunft ist: »Wir sehen, wie viele gesellschaftliche Prozesse in der Vergangenheit schon gelöst worden sind.« Jung und Alt könne ein Besuch der Keltenwelt und des neuen Pavillons reicher an Wissen machen und ihnen vermitteln, »dass Geschichtsschreibung ein laufender Prozess ist«.

Kulturerbe-Antrag

fest im Blick

In einem derzeit ganz aktuellen Prozess befindet sich die Keltenwelt über die Eröffnung des Pavillons »Vom Erz zum Schwert« hinaus: Die Einrichtung soll UNESCO-Welterbe werden. »Wir haben die Kraft dazu und überzeugende Argumente«, macht Dorn den Anwesenden Hoffnung. Auch sei sie in Gesprächen mit dem Hessischen Finanzminister. Indes: Es fehle noch ein Baustein, ein entsprechend ausgelegtes Forschungszentrum.

»Es war ein langer Weg vom Ausbau der Keltenwelt und zu dem, was sie heute hier sehen können«, sagte Landesarchäologe Professor Dr. Udo Recker. »Ich denke, wir sind aber auf einem guten Weg, wenn es um das Thema UNESCO-Welterbe geht.«

Ein Projekt, das weit größer ist als die Einweihung eines Pavillons, aber genauso wie diese Rückhalt von vielen Menschen und Institutionen braucht - vom Team der Keltenwelt, der Stadt, der Region, vom Land und aus der Wirtschaft und den hiesigen Unternehmen. Ihnen allen, die bislang das Museum und seine Aktivitäten unterstützten, gilt der Dank von Vera Rupp für die Realisierung der neuen Attraktion der Keltenwelt am Glauberg.

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Hautnah erlebbar wird die Arbeit des Schmiedens zur Zeit der Kelten im neuen Pavillon im Außenbereich der Keltenwelt. © Corinna Willführ

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