Bauausschuss

Altes Schloss: Studie sorgt für Unruhe

Ungewöhnlich viele Besucher hat eine Sitzung des Bauausschusses der Gemeinde Schöneck am Mittwochabend angelockt. Der Grund: Es ging um das Alte Schloss Büdesheim. Und um das Vereinsheim des FC Büdesheim.

Markus Mühlebach, Vorsitzender des Ausschusses für Bauen, Umwelt, Verkehr, Energie und Klimaschutz (Buvek) der Gemeinde Schöneck, hatte am Mittwochabend keinen leichten Job. Rund 80 Zuhörer waren zur Sitzung des Gremiums im Bürgertreff Kilianstädten gekommen und beteiligten sich lebhaft, manchmal hitzig an der Diskussion. Mehrmals ermahnte Mühlebach, der an diesem Abend ein strenges Regiment führte, die Besucher zur Einhaltung der Redner-Reihenfolge und verbat sich Zwischenrufe, was gelegentlich zu unwilligem Gemurmel führte.

Dass das Interesse an der Sitzung so groß war, hing mit der Tagesordnung zusammen: Der Ausschuss befasste sich nämlich mit dem Alten Schloss Büdesheim. Genauer: mit der städtebaulichen Studie über eine mögliche Bebauung des Areals, die das Landesdenkmalamt in Auftrag gegeben hatte – vor dem Hintergrund, dass Schloss und Gelände eventuell an das Unternehmen W. Dietz und Söhne verkauft werden. Das Papier war bereits im vergangenen Dezember in kleinem Kreis präsentiert worden, nicht jedoch in der Öffentlichkeit. Das hatte in der jüngsten Sitzung der Gemeindevertretung harsche Kritik hervorgerufen (wir berichteten).

Am Mittwoch nun stellten die Architekten Stephan Storch und Max Reith die Studie vor. Drei Bebauungs-Varianten habe man untersucht, sagte Storch. Nur eine davon fand vor den Augen der Behörde Gnade. Hier könnten am Rand des Areals,auf der Bastionsmauer zwei bis vier Wohnhäuser entstehen, mit einem großen Innenhof dazwischen, der öffentlich zugänglich sein soll. Dabei stützt man sich auf historische Ansichten aus dem 19. Jahrhundert. Darauf sind mehrere Ökonomiebauten in vergleichbarer Anordnung zu erkennen, die zum Schloss gehörten. „Wir versuchen nicht, die Gebäude zu rekonstruieren, sondern die Raumsituation“, erklärte Max Reith.

Der Haken dabei: das Vereinsheim des FC 1966 Büdesheim, das sich an die Bastionsmauer schmiegt. Es müsste weichen, wenn alle vier Wohnbauten verwirklicht würden. Gerüchte darüber sorgen seit Wochen für Unruhe im Ort, vor allem im FC 66. Entsprechend viele besorgte Vereinsmitglieder mischten sich unter die Zuschauer der Sitzung – gut erkennbar an ihren knallroten Vereins-T-Shirts.

Bürgermeisterin Conny Rück (SPD) versuchte die Vereinsangehörigen zu beruhigen: „Mir ist es ein großes Anliegen, dass der FC 66 an seinem Standort bleiben kann.“ In der Studie würden nur Möglichkeiten ausgelotet, „das ist alles noch nicht spruchreif“. In zwei Bauabschnitten könnten drei Gebäude mit insgesamt 30 Wohnungen realisiert werden – ohne dass das Vereinsheim dadurch in Mitleidenschaft gezogen würde. Das wäre erst bei der Verwirklichung des vierten Gebäudes der Fall. Rück: „Aber das ist nur optional, perspektivisch, keine Beschlusslage im Parlament.“

Die Sorgen konnte sie damit nicht zerstreuen. Vor allem die Parkplatzsituation kam in etlichen Wortmeldungen zur Sprache. Schließlich soll im Alten Schloss eventuell eine Gastronomie entstehen. Die Architekten verwiesen auf die Tiefgaragen, die unter den Wohnhäusern entstehen sollen.

Rück brachte Parkmöglichkeiten auf dem Festplatz und auf der Fläche gegenüber der Apotheke zur Sprache. Falls wirklich eine Gastronomie eingerichtet werde, dann müssten die entsprechenden Stellplätze nachgewiesen werden, betonte Stadtentwicklungsleiter Günter Rauch: „Es müssen sämtliche Vorschriften eingehalten werden.“ Derartige Details würden aber in einem Bebauungsplanverfahren geklärt, bestätigte Anwalt Olaf Otting von der Frankfurter Kanzlei Allen und Overy, der die Gemeinde juristisch berät.

Die Gemeindevertreter Anke Pfeil (FDP), Matthias Geisler (FWG) und Gernot Zehner (WAS) sprachen das Bietverfahren an, das die Gemeinde vor zwei Jahren in Zusammenhang mit dem geplanten Schloss-Verkauf durchgeführt hatte. In diesem Verfahren war man von einem anderen Flächenzuschnitt ausgegangen als demjenigen, der jetzt zur Diskussion steht. Pfeil: „Die Fläche wurde damals klar definiert. Darüber kann man sich nicht einfach hinwegsetzen.“

Otting sieht darin kein Problem: „Das war damals kein förmliches Vergabeverfahren.“ Vielmehr sei es darum gegangen, dass die Gemeinde einen „marktkonformen Preis“ erhalte. Weitere Kaufinteressenten seien durchaus willkommen. Um sicherzugehen, solle die Kommune noch ein Wertgutachten über das Gelände einholen.

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