Alltagsdramen

Comedian Rüdiger Hoffmann gastierte beim Schloss-Spektakel in Büdesheim

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Manchmal denkt man, das kann nur mir passieren. Doch dann kommt Rüdiger Hoffmann auf die Bühne. Und ihm, dem Musiker und Comedian, sind die Alltagsdramen eben auch passiert. Zumindest in seinem Kopf und in seinem elften Live-Programm in 30 Jahren. Am Samstag hat Hoffmann es beim Schloss-Spektakel in Büdesheim präsentiert. In lässig ostwestfälischer Langsamkeit und bewusst gesetzten Pointen-Pausen sprach der Paderborner über die nur allzu bekannten täglichen Unzulänglichkeiten.

Im Vorprogramm entführte die Gruppe Glas Blas Sing das Publikum mit dem neuen Programm „Flaschmob“ in die Welt der Flaschenmusik. Unikat-Instrumentenkreationen aus verschiedensten Pfandflaschen luden zu einer ungewöhnlichen musikalischen Reise ein. „Die Musik war sensationell und die Gruppenmitglieder aus Berlin sehr nett“, lobte Julia Huneke von der Stadt Nidderau, die mit ihrem Schönecker Kollegen Rainer Volz das Schloss-Spektakel organisierte.

Hoffmann ist bekannt, seine Fangemeinde groß. „Die Leute kennen ihn. Er war schon in der Vorgruppe der Rolling Stones“, sagt Volz. Mit fast zweijähriger Vorlaufzeit und über „gute Beziehungen“ konnte er Hoffmann für das Schloss-Spektakel gewinnen. Nach 17 Jahren Zusammenarbeit der Stadt Nidderau und der Gemeinde Schöneck im Bereich Kultur weiß Volz, wie er die Fäden ziehen muss, damit alles wie am Schnürchen klappt. Der Lohn ist ein dankbares und gut gelauntes Publikum. Gute Laune hat auch Bürgermeisterin Conny Rück (SPD). „Hallo erst mal, mit diesen Worten von Hoffmann, habe ich ihn vor vielen Jahren kennengelernt“, sagt Rück. Sie dankte den Mitarbeitern des Bauhofs und den Sponsoren.

Der Nidderauer Bürgermeister Gerhard Schultheiß (SPD) fühlte sich zu Gast bei Freunden, schätzt die wunderbare Symbiose zwischen Nidderau und Schöneck, die im Wechsel das Schloss-Spektakel und das Marktplatz-Spektakel ausrichten. Er spricht von Leuchttürmen der Kultur. Hoffmann verleiht er die Titel „Held unserer Jugend“ und „Godfather of Comedy“. Morten Sigrist aus Karben ist einer von 350 Zuschauern, die die Open-Air Vorstellung genießen. „Ich mag den trockenen, surrealen Humor von Hoffmann. Er macht wenig Worte und lässt die Pausen wirken“, sagt er. „Ja. Hallo, erst mal.“

Den Satz, den Rück noch in Erinnerung hat, sagt Hoffmann als Erstes. Der schlaksige Mann mit der Glatze sieht unspektakulär aus. Das, was er sagt, wirkt irgendwie filigran und wahr. „Lachen ist gesund“, stellt er nüchtern fest und verspricht seinem Publikum, dass der Schnupfen und die Allergie spätestens um 22.45 Uhr kuriert sind. Es sei nicht mal wichtig, worüber man lache. Das habe viele Karrieren seiner Kollegen erst möglich gemacht.

Hoffmann setzt auf Lach-Yoga und Häschen-Witze „als Humor meiner Jugend in den 80er Jahren. Wir hatten ja nichts, so kurz nach dem Krieg“, sagt er und lässt das wirken. Da ist von Reisekostenrückerstattung die Rede, weil die Raumpfleger im Türkei-Urlaub ein Tier doppelt aus Handtüchern geknotet haben oder vom Verbot des Eimersaufens auf Mallorca.

Hoffmann gibt Töne und Text am Klavier vor. Das

Publikum singt mit

. Verhalten, doch amüsiert. Kurz skizziert Hoffmann, wie es gewesen wäre, wenn er früher gelebt hätte. Damals, als es noch keine Handys gab und die Leute mit echten Wörtern ganze Sätze ausgesprochen haben. Als noch ein eigener Wortschatz nötig war, der mehr umfasste, als „gefällt mir“ und „gefällt mir nicht“. Und wie selbstverständlich schweift Hoffmann thematisch ab, spricht vom Atommüll, der sich nach drei Milliarden Jahren neutralisiert oder der Einrenke- und Gesundheits-App.

Beim Thema Massentierhaltung legt er eine kurze Pause ein und verrät, dass er schon im Call-Center gearbeitet hat. Singles tun ihm leid, wie beim Dinner oder Tennis. Entlarvend wirkt sein unschuldiges „Ich weiß nicht, ob Sie’s wussten“, mit dem er viele seiner Alltagsbetrachtungen einleitet. Echt krass werden seine Beobachtungen, wenn er am Klavier sitzt und in die Tasten haut, singt und pfeift. „Kinder wissen selber, was gut für sie ist, sagte mein Bekannter der Optimist. Und die Moral von der Geschichte: ,Kindern kann man trauen, muss man aber nicht’“. Übelnehmen kann man ihm nichts, denn „er hat es doch nur gut gemeint“.

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