Eiskalte Regeln für Windräder

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Am Morgen hat es noch geschneit, dicke Flocken fielen dicht vom Himmel. Nun hat es aufgehört, doch die Luft ist noch immer klirrend kalt und der Boden gefroren.

Am Morgen hat es noch geschneit, dicke Flocken fielen dicht vom Himmel. Nun hat es aufgehört, doch die Luft ist noch immer klirrend kalt und der Boden gefroren. Nahe Kilianstädten an der Hohen Straße bleibt der Passant vor einem der Windräder stehen und sieht hinauf. Majestätisch hoch und ein wenig gespenstisch sind die riesenhaften Rotorblätter vor dem stahlblauen Winterhimmel zu erkennen. Und auf dem Boden warnt ein Schild vor Eiswurf.

Immer wieder gibt es Berichte, dass Rotorblätter bei Frost zur eisigen Gefahr werden können. Dann nämlich, wenn sich Eis an den Flügeln des Windrads bildet und durch die Rotorenkraft in die Landschaft geschleudert wird.

Auch im Taunus soll das passiert sein (siehe Text unten). Doch Gerd Morber von der Hessen Energie GmbH, die sieben der neun Windräder auf Schönecker Gemarkung betreibt, beruhigt: „Wenn die Anlagen vereisen, müssen wir sie nicht entfrosten, denn sie schalten sich selbstständig ab.“ Bei den Windrädern handelt es sich um Anlagen von Enercon, die mit einem Eiserkennungssystem ausgestattet sind, berichtet Morber, der als Bereichsleiter bei Hessen Energie für Windenergie und erneuerbare Energien zuständig ist. Das System reagiere speziell auf Eis, Minustemperaturen allein reichten nicht für eine Abschaltung. Vereisten die Rotorblätter, verschlechtere sich ihr Auftrieb; die Anlage werde ausgebremst und bleibe stehen.

„Die Anlage gerät quasi ins Trudeln und steigt dann aus“, erklärt Bettina Schneider es bildlich. Schneider ist Sprecherin der Naturenergie Main-Kinzig GmbH, die die beiden anderen Windräder in Schöneck betreibt. „Dafür muss es aber schon sehr lange sehr kalt sein“, fügt sie an. „Bis Stand Dezember hatten wir seit Inbetriebnahme 2012 noch überhaupt keine Abschaltung.“

Das Regierungspräsidium hat als Genehmigungsbehörde einen Blick darauf, dass die Vorgaben eingehalten werden. „Das System der in Schöneck eingesetzten Windräder basiert auf einem Leistungskurvenverfahren“, ergänzt Nicole Ohly-Müller vom Regierungspräsidium Darmstadt, das sich als Genehmigungsbehörde mit dem Thema beschäftigt. „Während des Betriebs werden unterschiedliche Größen wie Rotordrehzahl, Leistung und Windgeschwindigkeit analysiert.“

Vereise die Anlage, veränderten sich ihre aerodynamischen Eigenschaften und das Betriebskennfeld, das aus den Daten gespeist werde. Infolgedessen werde die Anlage in Stillstand versetzt. Das entspreche dem aktuellen Stand der Technik. Der Wiederanlauf nach einem Stillstand durch Eisansatz dürfe erst erfolgen, wenn festgestellt wurde, dass die Anlage frei von Eisansatz sei, betont Ohly-Müller. Morber hat aufgrund seiner Erfahrung volles Vertrauen in das System: „Wir haben die Anlagen in Schöneck 2011 errichtet und hatten seitdem keine Probleme mit Eiswurf“, sagt er.

Allerdings stünden die Warnhinweise auch nicht umsonst am Boden vor den Windrädern. Um auf Nummer sicher zu gehen, schreibt das Gesetz vor, beim Bau je nach Höhe der Windräder einen bestimmten Abstand zur Straße einzuhalten, meist um die 150 Meter. Sollte die Anlage einmal nicht automatisch stehen bleiben, wäre laut Betreiber immer noch genug Abstand, dass eventuell geschleuderte Eisstücke innerhalb dieser Sicherheitszone blieben.

„Bei den Anlagen handelt es sich um hohe Bauwerke, und selbst, wenn sie stehen, kann es passieren, dass sich ein Eiszapfen löst und herunterfällt“, so Morber. Deshalb müssten auch Fußgänger, die auf eventuell näher vorbeiführenden Feldwegen unterwegs seien, daran denken, im Winter einen Sicherheitsabstand zu den Windrädern einzuhalten – darauf weisen auch die Schilder hin.

„Wer das ignoriert und trotzdem nah heran geht, tut das auf eigene Verantwortung“, warnt Morber. Er empfiehlt, in der Nähe der Anlagen generell Vorsicht und Sorgfalt walten zu lassen, genau hinzuhören und sich unbedingt an den Sicherheitsabstand zu halten, um kein Risiko einzugehen.

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