1250-Jahr-Feier

Lucy ist bereit für den großen Festzug

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Am dritten Wochenende im August geht’s rund: Niederdorfelden und Oberdorfelden feiern gemeinsam ihr 1250-jähriges Bestehen. Gefeiert wird vom 16. bis 20. August. Doch nicht nur Menschen bereiten sich seit Monaten auf das große Fest vor – sondern auch Tiere.

Lucy trainiert – in ihrer gewohnt freundlichen und ruhigen Art. Zwingen lässt sie sich allerdings zu nichts. Dass die Eselstute am großen Dorfelder Festzug am 19. August teilnehmen wird, hat ihr Besitzer Dieter Beck entschieden. Bis dahin haben die beiden noch einige Trainingsfahrten im Gelände zu stemmen. Dass die durchaus harmonisch verlaufen können, beweist Lucy während einer Kutschfahrt.

Die 16 Jahre alte Eselstute, die Beck im Vogelsberg gekauft hat, zieht während des Umzugs eine Kutsche durch Oberdorfelden. Und das will geübt sein: Das Tier muss für Menschenmassen und Lautstärke sensibilisiert werden, auf Befehle reagieren und gehorsam sein.

Mit der 14-jährigen Eselstute Maja und dem zwei Jahre alten Eselhengst Max führt Lucy auf dem Brunnenhof in Oberdorfelden ein geruhsames Leben. Unterbrochen wird es dann, wenn Beck auf die Idee kommt, mit Lucy eine Kutschfahrt durch die Schönecker Gemarkung zu unternehmen. Dann ist zunächst das Auskratzen der Hufe angesagt, gefolgt vom Anschirren, dem Festbinden des Zugtieres an die Kutsche. Wenn alles bereit ist, setzt sich Lucy mit gemäßigtem Schritt in Bewegung.

Mit gesenktem Kopf und hängenden Ohren erweckt sie fast den Eindruck, als habe sie keine Lust zu diesem kleinen Ausflug. „Das ist zu Beginn fast immer so“, sagt Beck und ermuntert die Eselstute durch Kommandos wie „Auf Lucy!“ oder „Los, komm!“

Beck behält Recht. Nach wenigen Minuten verfällt die Eselstute in einen leichten Trab. Vom Kutschbock aus zieht die Natur wie in einem Film vorbei: Sonnenlicht bringt ein Feld mit Grannenweizen zum Leuchten, einige Meter weiter rennt ein Hase durch ein Haferfeld. Ein Kohlweißling flattert über Grashalmen. Während Beck die Zügel fest in den Händen hält, erzählt er, wie er auf die Idee gekommen ist, sich Esel anzuschaffen.

Um seinem damals vier Jahre alten Enkel eine Freude zu bereiten, kaufte er das Eselfohlen Maja in Darmstadt und später Kutsche und Geschirr. „Maja hat Angst vor Fahrradfahrern. Einmal ging sie durch und jagte einen Kilometer im Galopp den Berg hinunter. Ich hatte Panik, dass die Kutsche umfällt. Zum Glück ist nichts passiert“, sagt Beck. Seit dieser Zeit nutzt er bei Ausfahrten die Kandare, ein Stangengebiss.

Auch Lucy stellt bei der Begegnung mit einem Hund plötzlich ihre langen Ohren auf, ihre Schritte werden unruhig. Denn, so erzählt Beck: Esel sind sehr empfindsam und leicht zu kränken, „aber auch sehr pflegeleicht in der Haltung“. Nachdem der Hund verschwunden ist, trabt Lucy an einem mit Wintergerste eingesäten Feld vorbei. Darüber türmen sich Wolkenformationen.

Auf dem Kutschbock gerät der 73-Jährige indes ins Plaudern. Beck, der im Karbener Stadtteil Rendel aufwuchs, kam 1964 nach Oberdorfelden. Gemeinsam mit seiner Frau Helga betreibt er dort den Brunnenhof – seine Heimat zieht er jedem Urlaub im Ausland vor. Auch Lucy freut sich auf ihr Zuhause und das Wiedersehen mit Max und Maja.

Während des Festzuges läuft sie einspännig in der Gruppe des Bauernverbandes mit. Zum Weihnachtsmarkt hat Lucy auch schon den Nikolaus chauffiert und nahm am Hohe-Straßen-Fest teil. Anders als Maja, scheut sie auch das Laufen über Kanaldeckel nicht. Deshalb wurde sie von Beck für die Teilnahme des Festzuges ausgewählt. Dieser setzt sich am 19. August um 13.30 Uhr in Bewegung.

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