Ungewöhnliches Buch

Patricia Metzger hat aufgeschrieben, wie sie ihren Brustkrebs besiegt hat

  • schließen

Anfang Juli erschien das Buch „100 Frauen schreiben Briefe an das Leben“. Darin erzählen Frauen aus ganz Deutschland ihre Geschichten – über Kinderglück, Freundschaft, Trennungen und Schmerz. Auch Patricia Metzger aus Kilianstädten hat mitgewirkt. Vor drei Jahren ist sie an Brustkrebs erkrankt.

Patricia Metzger hat zwar eine Geschichte voller Leid zu erzählen. Aber während sie im Café Brückner in Nidderau über ihr Schicksal spricht, versprüht sie Optimismus – man merkt ihr die zurück gewonnene Lebensfreude an. Diese musste sich die 48-Jährige aus dem Ortsteil Kilianstädten mühsam erkämpfen. 2015 erhielt sie die Diagnose Brustkrebs. Ein Schock, eine Zäsur. Viele Krankenhausaufenthalte später ist sie wieder im Leben angekommen – und möchte ihre Erfahrungen weitergeben.

Seit 2001 ist Metzger selbständig. Sie arbeitet als Betriebswirtin. Ihr beruflicher Schwerpunkt ist das Marketing. Ihren Kunden bietet sie Dienstleistungen im Eventmanagement, in der Promotion und im Schreibbüro an. Neben dem Job engagiert sie sich ehrenamtlich.

2008 gründet sie den Verein „FreuNacht“ für sozial benachteiligte Kinder. Im Jahr 2015 schließt sie sich online über das soziale Netzwerk Facebook einer Gruppe an, die die Spendenkampagne „Bloodwise“ in Großbritannien unterstützt. Die Organisation kümmert sich um leukämiekranke Patienten und deren Angehörige.

Doch während sie sich für fremde Menschen einsetzt, wendet sich das Schicksal gegen sie. Beim Tasten stellt sie Anfang 2015 einen Knoten in ihrer rechten Brust fest. Sie nimmt Kontakt mit ihrer Gynäkologin auf. Es folgen Untersuchungen und die Aufnahme in das Brustzentrum des Markus-Krankenhauses in Frankfurt. Ende Februar sagen die Ärzte ihr, dass sie Brustkrebs hat. „Man fällt in ein tiefes Loch. Nichts ist mehr, wie es vorher gewesen ist“, erzählt Metzger heute. Im April 2015 wird sie operiert. Sie entscheidet sich gegen eine Chemo-, und für eine Strahlentherapie.

In diesen Tag hofft sie, dass der Tumor noch nicht gestreut hat. Metzger sorgt sich um ihren Ehemann, die damals erst 12 Jahre alte Tochter und den 13 Jahre alten Sohn. Bald spürt sie die Auswirkungen der Strahlentherapie, ist müde, antriebslos, abgeschlagen und psychisch labil. Sie lernt aber auch viele Menschen kennen, die noch heute ein wichtiger Teil ihres Lebens sind.

Im Februar 2016 wird schließlich Gewebe aus ihrem Bauch in die Brust transplantiert. Ihr Ehemann schläft schlecht, ist teils arbeitsunfähig. „Es gibt Phasen, da will man nicht mehr“, sagt Metzger. Doch sie ist stärker als der Krebs. Ihre Narben sieht sie heute als Zeichen des gewonnenen Kampfes. Die Schwiegereltern sind näher gerückt. Die Familie hat sie aufgerichtet.

Nun hat Metzger angefangen, einen Roman zu schreiben. Einer ihrer Texte ist bereits publiziert worden: Über Facebook hatte sie ein ungewöhnlichen Buchprojekt entdeckt und sich beworben. Die Initiatorin suchte Frauen, die in Briefen von den Rückschlägen in ihren Leben erzählen – und wie sie gestärkt daraus hervorgingen.

Durch den Aufruf in den sozialen Medien kamen Hobby-Schreiberinnen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz zusammen. Persönlich kennengelernt haben sich die Frauen nie, aber in der Gruppe lieben gelernt. Jede Frau hat ihre Geschichte und ihre Erfahrungen, die sie mit anderen teilt. Für Zitate in den Briefen aus bekannten Songs oder Gedichten, wurden bei den einzelnen Songwritern Genehmigungen eingeholt. Am 6. Juli wurde das Buch „100 Frauen schreiben Briefe an das Leben“ veröffentlicht (siehe Box).

Patricia Metzger hat ihren Brief an ihr Schicksal adressiert und diesem erklärt, dass sie nicht aufgibt und weitermacht. Auch ihre Tochter Anna, inzwischen 15 Jahre alt, schrieb für das Projekt über ihre Ängste nach der Krebsdiagnose ihrer Mutter, wie sie damit umging und was sie daraus gelernt hat.

„Heute lebe ich mein Leben intensiver, bewusster“, sagt ihre Mutter. Metzger hat begonnen Französisch zu erlernen. Ganz allein reist sie nun in die Grande Nation, um Freunde zu besuchen.

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema

Kommentare