Alte Handelsstraße

Mit Pferd und Drahtesel über die Hohe Straße

Dunkle Wolken hängen über der Hohen Straße am Himmel, doch davon lassen sich viele an diesem Sonntag nicht abhalten. Trotz kühlen Temperaturen haben sie sich zum geselligen Fest auf der historischen Handelsroute aufgemacht.

„Hohe-Straße-Fest, das muss einfach sein“, sagt Werner Schmid. Gemeinsam mit drei Freunden ist er mit seinem E-Bike auf der Hohen Straße unterwegs. „Das Tolle am Fest ist, dass es an jeder Ecke was zu essen gibt“, meint er. Heute morgen ging es daheim in Frankfurt los, wie weit die vier Männer fahren wollen, dass wissen sie noch nicht. „Das kommt ja auch ein wenig auf das Wetter an“, sagt Schmid.

Zwischenstation machen viele Radfahrer nahe dem Lausbaum. An drei Ständen gibt es dort Essen, Getränke und Informationen rund um die Hohe Straße. „Das wir hier einen Stand haben, das gehört für uns einfach fest zum Programm dazu“, sagt Jutta Scholl von den Oberdorfelder Landfrauen. Hinter der Theke steht sie mit drei Kolleginnen, alle eingepackt in dicke Jacken. Durch die Lage auf der Höhe wird es schnell mal frisch.

Doch das interessiert viele der Besucher nicht, denn etwas anderes hat sie hergelockt: die große Auswahl an Kuchen. „Viele kommen extra vorbei und nehmen sich sogar noch Kuchenstücke mit nach Hause“, weiß Scholl. Für die Landfrauen sei da eine tolle Möglichkeit, auf sich aufmerksam zu machen: „Die Leute kommen wegen dem Kuchen, erfahren aber auch, was wir sonst noch so machen. Damit tragen wir ja auch unseren Ortsteil über seine Grenzen hinaus und laden die Leute zu einem Besuch ein“, erklärt Scholl.

„Das Fest leidet in diesem Jahr unter dem Wetter“, bedauert Heinrich Koch. Als Geschäftsführer des Regionalparks Rhein-Main Hohe Straße ist er für das Fest verantwortlich. „Wir hatten schon Jahre mit großer Hitze, im Vergleich dazu geht es in diesem Jahr aber noch“, sagt Koch. „Toll ist es für mich, immer wieder zu sehen, wie weit das Fest gekommen ist. Das erste Hohe-Straße-Fest fand noch mitten in den Baustellen statt, mittlerweile wird es total gut angenommen. Die Hohe Straße ist zu einem verbindenden Element geworden.“

Das Fest ist für ihn auch eine Möglichkeit, mit den Menschen direkt ins Gespräch zu kommen. „Es ist eine beliebte Route, klar haben die Leute dann auch Ideen, was man noch besser machen könnte“, sagt Koch. „Da sind schon einige gute Impulse gekommen.“

Einen Kilometer weiter bei der Galgenschaukel baut indes eine andere Gruppe Bänke auf. „Als Gemeinde müssen wir da hingehen, wo die Leute sind, wieso nicht auf die Hohe Straße“, sagt Pfarrer Steffen Merle von der evangelischen Gemeinde Kilianstädten-Oberdorfelden. Bereits zum neunten Mal findet der Gottesdienst auf der Hohen Straße statt: Wie immer gut besucht. „Auch viele, die sonst eher nicht in die Kirche gehen, setzen sich dazu. So wird der Gottesdienst etwas ganz Besonderes.“

Doch auch die besondere Atmosphäre macht viel aus. „Hier oben auf dem Feld ist es natürlich anders als in der Kirche“, weiß Merle. „Wir suchen dann auch passende Themen aus. Dieses Jahr geht es zum Beispiel um die Ernte, aber auch soziale Aspekte werden thematisiert. “

Doch nicht nur an diesem Festtag sei die Hohe Straße etwas Besonderes, ist Carlo Helbig überzeugt. „Jedes Wochenende bin ich hier mit dem Rad unterwegs, und es wird nie langweilig“, sagt der Rentner. „Sie ist einfach total vielfältig, und es gibt immer Neues zu entdecken. In der Gruppe ist die Geselligkeit toll, aber wenn man alleine frühmorgens hier unterwegs ist, dann hat auch die Ruhe und Einsamkeit etwas für sich.“

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