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Schottener Kita-Beiträge werden steigen

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Die Elternbeiträge für die städtischen Kindertagesstätten, wie hier die Kita »Am Park«, werden zum neuen Kindergartenjahr angehoben. © Stefan Weil

Die Kosten steigen, der Anteil der Zuschüsse und Betreuungsbeiträge durch Eltern sinkt. Vor diesem Hintergrund sieht Schotten nur die Möglichkeit, die Betreuung künftig teurer zu machen.

D ie Schere klafft immer weiter auseinander. Auf der einen Seite stehen die finanziellen Aufwendungen für den Betrieb der städtischen Kindertagesstätten. Auf der anderen Seite die Erträge, die mit den Kosten nicht Schritt halten. Die Folge: der Finanzierungsanteil für die Stadt Schotten wird deutlich größer, weshalb nun eine Beitragserhöhung notwendig wird.

Der Ende 2020 festgestellte Deckungsgrad betrug noch fast 51 Prozent. »Nur« etwa 49 Prozent der Gesamtaufwendungen gingen zulasten des städtischen Etats. 51 Prozent betrug der Anteil »von außen«, der zur Finanzierung des Kitabetriebs beitrug. Fast 80 Prozent davon waren Zuweisungen durch Bund und Land. Die Kindergartenbeiträge der Eltern inklusive des Essensgelds bei Ganztagesbetreuung umfassten rund elf Prozent. Weitere gut sechs Prozent kamen aus Zuschüssen für Integrationsmaßnahmen.

Der Kostendeckungsbeitrag zeigt seit zwei Jahren nur in eine Richtung - nach unten. Im vorläufigen Jahresergebnis für 2021 beträgt er nur noch 47,7 Prozent. Das bedeutet, die Stadt muss den überwiegenden Anteil der Kosten für den Betrieb der Kitas selbst tragen. Richtig deutlich setzt sich diese Tendenz voraussichtlich in diesem und im nächsten Jahr fort. In den Ansätzen für den städtischen Haushalt sinkt der Deckungsanteil 2022 und 2023 jeweils auf nur noch rund 37 Prozent.

Städtischer Beitrag steigt stark an

Das heißt, der städtische Anteil an den Kosten steigt im laufenden Jahr um 930 000 Euro, von 1,932 Millionen Euro in 2021 auf kalkulierte 2,860 Millionen Euro bis Ende dieses Jahres. 2020 betrug der Anteil der Stadt noch 1,565 Millionen Euro. Innerhalb von zwei Jahren steigt der städtische Finanzierungsbeitrag damit um fast 83 Prozent, der Anteil der Erträge aber nur um 3,3 Prozent.

Bereits bei den Haushaltsberatungen für den Doppelhaushalt 2022/23 beschloss das Parlament eine Anhebung der Kita-Beiträge. Notwendig war noch eine Satzungsänderung, der die Mitglieder des Haupt-, Finanz- und Wirtschaftsausschusses (HFWA) jetzt mehrheitlich zustimmten. Rechtskräftig wird die Neufestsetzung der Kita-Beiträge erst durch das Votum des Stadtparlaments, das kommenden Donnerstag zusammentritt.

Nach der neuen Beitragsordnung steigt der Elternanteil an der Finanzierung der Kita-Kosten von 140 000 Euro im Jahr 2020 auf 190 000 Euro in 2022 und 225 000 Euro in 2023 mit einem finalen Aufschlag von etwa 70 Prozent. Die Zuweisungen von Bund und Land halten sich dagegen auf gleichem Niveau. 1,3 Millionen Euro betrug der Zuschuss 2020, für 2023 nimmt man 1,28 Millionen Euro an.

Bürgermeisterin Susanne Schaab nannte im Ausschuss mehrere Gründe für die ausufernden Kosten des Kitabetriebs. »Die Personalkosten sind explodiert«, so die Verwaltungschefin. Ein Blick in das Zahlenwerk der Stadtfinanzen unterstreicht diese Aussage. War die Steigerung von 2,46 Millionen Euro in 2020 auf 2,786 Millionen Euro im Folgejahr noch moderat, so ist der Sprung zu diesem Jahr gewaltig. Geplant sind Aufwendungen von 3,585 Millionen Euro, die auch für 2023 kalkuliert sind. Die Personalkosten sind dabei der dominante Faktor. Dazu kommen Beförderungskosten, Abschreibungen, die Interne Leistungsverrechnung und sonstige Aufwendungen.

Neue Angebote bei der Betreuung

Neben den Mehraufwendungen im Rahmen des Gute-Kita-Gesetzes schlagen vor allem Neueinstellungen von Erziehungskräften zu Buche. Das hängt auch zusammen mit der Erweiterung des Betreuungsangebots. Im März öffnete im Singsaal der Festhalle eine neue Krippengruppe, und spätestens nach den Sommerferien wird die neue Waldgruppe im Stadtwald nahe des »Schützenhauses« starten. Zusammen sind dafür sechs Erzieherinnen für die ganztägige Betreuung notwendig. Die Investitionskosten für die Einrichtung der neuen Gruppen - für die Krippengruppe betrugen sie 40 000 Euro, für die Waldgruppe voraussichtlich 130 000 Euro - kommen zusätzlich als einmalige Aufwendungen zu den Betriebskosten dazu. Bei der Waldgruppe ist eine Förderung des Landes bis zu 50 000 Euro möglich.

Aktuell sind Tarifverhandlungen im Gang. Werden hierbei zwei Prozent Lohnsteigerung beschlossen, bedeutet das rund 70 000 Euro mehr an Aufwendungen für die Stadt.

Die im Rahmen der Haushaltsberatungen bereits beschlossenen Anpassungen der Kostenbeiträge für einen Kitaplatz, der mit Beginn des Kindergartenjahrs 2022/23 erhoben wird, sieht eine Anhebung des Elternbeitrags für einen Krippenplatz bei ganztägiger Nutzung von bisher 240 Euro auf 290 Euro vor. Für einen Halbtagskrippenplatz sind künftig 170 Euro statt 132 Euro zu zahlen. Kinder ab drei Jahre sind bei halbtägiger Betreuung beitragsfrei, ganztags steigt der Kostenbeitrag von bisher 75 Euro auf 100 Euro.

Daneben gibt es künftig noch ein weiteres zeitliches Betreuungsfenster, das um 14 Uhr endet. Das ist neu für die Kitas »Am Park« und »Am Schloss« in der Kernstadt sowie für die Einrichtungen in Rainrod und Eschenrod. Im »Kindernest« in Burkhards endet die Betreuungszeit wie bisher um 13.30 Uhr. Auch Spontanbetreuungen an einzelnen Tagen gegen geringfügige zusätzliche Kostenbeiträge sind künftig möglich. »Das war der Wunsch vieler Eltern, wie der Gesamtelternbeirat mitgeteilt hat«, so Schaab. Im Übrigen gab es aus diesem Gremium »keinerlei Beschwerden« zu der Anhebung der Tarife.

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