1. Startseite
  2. Region
  3. Wetteraukreis

Schulen sind auf Kinder aus der Ukraine gut vorbereitet

Erstellt:

Von: Stefan Weil

Kommentare

KALOK301-B_164033_4c
Die Schulen im Wetterau- sowie im Vogelsbergkreis bereiten sich auf die Integration von Kindern und Jugendlichen vor. SYMBOLFOTO: BELCHONOCK/PANTHERMEDIA © pv

Der Krieg in der Ukraine hat eine Flüchtlingswelle ausgelöst. Insbesondere viele schulpflichtige Kinder und Jugendliche werden auch in der Region erwartet. Ein Stimmungsbild aus Oberhessen.

Die Anmeldung bei den zuständigen Behörden verpflichtet zum Schulbesuch. »Darauf sind wir gut vorbereitet«, sagt Dr. Rosemarie zur Heiden, die Leiterin des Staatlichen Schulamtes für den Wetteraukreis und den Hochtaunus- und den Wetteraukreis. »Vor einigen Jahren hatten wir mit den Menschen aus Syrien schon einmal eine Flüchtlingskrise zu managen. Damals wurden Strukturen geschaffen und Erfahrungen gesammelt, auf die wir jetzt aufbauen können.«

Vorrangiges Ziel sei, dass die neuen Schüler Deutsch lernen. Denn nur so könnten sie dem Unterricht folgen und in den Klassenverband integriert werden, so die Schulamtsleiterin. Seien genug Deutschkenntnisse vorhanden, könnten die jungen Flüchtlinge auch direkt in die normalen Unterrichtstrukturen aufgenommen werden. Aber das sei sicherlich die Ausnahme.

Wohnortnahe Zuteilung

Daher werden die neuen Schüler zunächst in Intensivklassen betreut. »Die Zuteilung nehmen wir in Zusammenarbeit mit den Schulen vor«, so Rosemarie zur Heiden. Die Mindeststärke einer Klasse liege bei etwa zehn Schülern. »Wir schauen dann, in welchen Intensivklasse noch Platz für weitere Aufnahmen ist.« Die Zuteilung erfolge wohnortnah. Über eventuell anfallende Kosten für die Nutzung des öffentlichen Personennahverkehrs müssten sich Geflüchtete keine Gedanken machen. »Die Fahrtkosten werden von staatlichen Stellen übernommen.« Möglich sei auch, Kinder in normale Klassen aufzunehmen und sie mit zusätzlichen Lehrkräften intensiv zu fördern.

Die Zuteilung auf eine Schule in einer anderen Stadt oder Gemeinde kann aber zu Problemen führen, wie das Beispiel Schotten zeigt. »Wir haben derzeit keine Intensivklasse. Der nächste Standort im Vogelsbergkreis, der so eine Einrichtung anbietet, ist die Geschwister-Scholl-Schule in Alsfeld«, sagt Norbert Schwing, Leiter der Vogelsbergschule. Aber: Mit öffentlichen Verkehrsmitteln täglich nach Alsfeld und zurück zu kommen, sei eigentlich nicht zumutbar »Wir versuchen einen anderen Weg«, so Schwing. In der Gesamtschule sind drei neue Schüler aus der Ukraine angemeldet, Jungen im Alter von 13, 14 und 16 Jahren. Die Jugendliche sind in normale Klassen aufgenommen worden. Die Verständigung erfolgt - zum Teil - auf Englisch. »Wir haben auch eine Schülerin, die Ukrainisch spricht.« Schwing verweist zudem auf iPads, die die Schule vom Landkreis ausgeliehen hat. »Mit den Übersetzungsprogrammen kann man sich ganz gut verständigen.«

Ob in Schotten eine Intensivklasse eingerichtet wird, wie zu Zeiten der Flüchtlingswelle aus Syrien; wird sich bald entscheiden. »Das kann man jetzt noch nicht vorhersagen.« Die Richtschnur für die kommenden Wochen ist aber klar vorgegeben. »Nach der Aufnahme in die Schule steht das Lernen der deutschen Sprache im Vordergrund. Und: Die neuen Schüler sollen integriert werden, sie sollen eine Struktur in ihrem neuen Lebensumfeld bekommen«, so Schwing.

Erfahrung aus 1990er Jahren

Im Übrigen habe die Schottener Schule in dieser Hinsicht viel Erfahrung. »Als zu Beginn der 1990er Jahre viele russlanddeutsche Menschen übersiedelten, standen wir vor dieser Herausforderung wie auch später bei der Aufnahme von Flüchtlingen aus Kriegsgebieten. Manchmal mussten wir mit dem Erlernen des Alphabets anfangen, aber wir haben junge Menschen auch bis zur Abiturreife begleiten können«, betont Norbert Schwing.

Drei Kinder hat bisher auch die kooperative Gesamtschule Konradsdorf aufgenommen, erzählt Leiterin Birgit Bingel. »Für das Vorgehen bei der Eingliederung gibt es keinen Automatismus. Wir entscheiden das von Fall zu Fall, je nach Alter, Bildungsgang und Sprachkenntnissen. An der Gesamtschule erhalten Schülerinnen und Schüler ohne oder mit geringen Deutschkenntnissen zunächst eine zusätzliche Förderung in Klassen, in denen Deutsch als Zweitsprache intensiv unterrichtet wird. »Nach ein bis zwei Jahren ist dann der Übergang in eine reguläre Klasse möglich. Bei Bedarf bieten wir Zusatzdeutschkurse bis in die Oberstufe an«, so die Schulleiterin. »Auch den Platz müssen wir im Auge behalten. Denn die Arbeit erfolgt meist in Kleingruppen.«

Schulamtsleiterin Rosemarie zur Heiden regt in diesem Zusammenhang an, für den Intensivunterricht verstärkt die Nachmittage zu nutzen. »In der Regel sind unsere Räume ausgelastet. Aber nachmittags ist weniger Unterricht angesetzt, da entstehen Freiräume.« In der aktuellen Situation sei viel Flexibilität notwendig«, betont die Amtsleiterin. Vor allem müsse man kurzfristig auf die Entwicklung reagieren. »Im Moment wird bei den Intensivklassen alle drei Monate nachgesteuert, das werden wir gegebenenfalls monatlich machen müssen.«

In Gedern an der Gesamtschule ist die Situation derzeit noch ruhig, wie Leiter Thomas Dauth mitteilt. »Wir haben zwar schon eine Nachfrage, aber noch keine Anmeldung.« Intensivklassen seien an seiner Schule weniger ein Thema. »Wir hatten in der Vergangenheit lediglich einmal für eineinhalb Jahre diese besondere Einrichtung«, so Dauth. Man werde an der Schule daher erst einmal abwarten. »Aber ich gehe davon aus, dass die Nachfrage steigen wird.«

Notfalls wird Personal verteilt

Seine Schule sei nicht überreichlich mit Lehrkräften ausgestattet. »Gedern liegt verkehrstechnisch etwas abseits. Das bereitet größere Probleme, auch im Zusammenhang mit dem öffentlichen Nahverkehr. Das hält viele ab, sich beruflich an der Gederner Schule zu engagieren.« Thomas Dauth signalisiert, dass junge Flüchtlinge aus der Ukraine an seiner Schule sehr willkommen sind. »Wir sind darauf vorbereitet. Wenn es sein muss, ziehen wir Lehrkräfte aus anderen Bereichen ab, um die Schülerinnen und Schüler bei ihrem Einstieg in ihrem neuen Lebensumfeld nach besten Kräften zu unterstützen.«

In Zusammenhang mit den Kriegsereignissen in der Ukraine aber auch mit den zwei Corona-Jahren kritisiert der Elternbeirat des Wetteraukreises den »anhaltenden Raum- und Personalmangel«. Die Wetterauer Schulen kämpften ohnehin mit steigenden Schülerzahlen. »Unterrichtsausfälle sind an der Tagesordnung«, so die Elternvertretung. Neben dieser Aufgabe für das hessische Kultusministerium seien auch die Kreise als Schulträger gefordert. Um schnell mehr Schulraum zu schaffen bedürfe es einer vorausschauenden Schulentwicklungsplanung und Optimierungen bei der Planung und Umsetzung von Bauprojekten. sw

Auch interessant

Kommentare