1. Startseite
  2. Region
  3. Wetteraukreis

Schwalbenfreundliches Haus

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

leo_schutz_210722_4c
Nicole Engel, stellvertretende Leiterin der Gesamtschule, André Seuss, Biologielehrer und Initiator des Schwalbenprojekts, haben in Kooperation mit Christian Gugler und Robert Meub vom Verein der Naturfreunde Ober-Mockstadt für die wohl größte Mehlschwalben-Kolonie in der Wetterau gesorgt. Vom NABU-Vorsitzenden Dietmar Wäß erhalten sie Plakette und Urkunde für die Auszeichnung: »Schwalbenfreundliches Haus«. © Corinna Willführ

Ortenberg (cow). Die sechs ersten ihrer Art haben den Ort ausgesucht: den Dachvorsprung über den Fluchtbalkonen der Gesamtschule Konradsdorf im ersten Stock des Gebäudes. Dass dort indes etwa 55 Nisthilfen Mehlschwalben eine Möglichkeit bieten, ihren Nachwuchs groß zu ziehen, ist menschlicher Unterstützung zu verdanken. Konkret: der Initiative von Biologielehrer André Seuss und den Naturfreunden aus Ober-Mockstadt.

Größte Kolonie in der Wetterau

Mit Jungen und Mädchen der fünften und sechsten Klassen hat Seuss im Zuge der Schulgarten-AG den Bestand der Nester katalogisiert und dabei festgestellt, dass »mehr als 30 belegt sind.« Geht man davon aus, dass Mehlschwalben pro Brut - die Delichon urbicum brütet zwei-, manchmal auch dreimal im Jahr - drei bis fünf Junge groß ziehen, »dürften wir hier in Konradsdorf die größte Mehlschwalben-Kolonie im Wetteraukreis haben«, ist André Seuss überzeugt.

Gelungen ist dies mit tatkräftiger Unterstützung des Vereins der Naturfreunde Ober-Mockstadt. Robert Meub vom Vorstand: »In diesem Jahr haben wir zehn doppelte Nisthilfen für Mehlschwalben gebaut und finanziert.« Vorstandskollege Christian Gugler ergänzt, dass die potenziellen Brutstätten für die Vögel am 1. April angebracht wurden und wohl bis Ende September, wenn es die Mehlschwalbe wieder in den Süden zieht, genutzt werden.

Mit Nicole Engel, der stellvertretenden Leiterin der Gesamtschule, sind sich die Akteure einig, dass die große siedelnde Population der Vögel auch den guten »Außenbedingungen« zu verdanken ist: der Nähe zu dem Biolandhof in der Staatsdomäne Konradsdorf mit seinem Viehbetrieb, der Auenlandschaft und dem unweit gelegenen Naturschutzgebiet »Salzwiesen und Weinberg von Selters«. Denn Schwalben benötigen Insekten als Nahrung, die sie im Flug fangen. Und die sind dort anzutreffen, wo es noch eine relativ große Artenvielfalt an Pflanzen gibt. Keine Frage, die »Glücksboten« lassen auch Dreck zurück. Nicole Engel: »Da die Fluchtbalkone kein Aufenthaltsbereich für die Schülerinnen und Schüler sind, war das bislang aber kein Thema.«

»Wo die Schwalben sind, da ist das Glück«, heißt es im Volksmund, den Dietmar Wäß zitierte. Der Vorsitzende des NABU-Ortsvereins Ortenberg überreichte jetzt für die Initiative und die Realisation der Schule eine Plakette und eine entsprechende Urkunde des NABU Deutschland. Mit beiden wird die Einrichtung als »Schwalbenfreundliches Haus« ausgezeichnet. Ein Glück für diese, das sie nicht zuletzt auch der Kooperation mit dem Naturfreunden Ober-Mockstadt verdankt. Die Plakette als sichtbares Zeichen der Ehrung wird einen Platz am Eingang des Schulgebäudes finden, die Urkunde im Inneren. Die Kooperation soll fortgesetzt werden.

Schwalben unter Schutz

Übrigens: Schwalben sind nach Paragraf 44 des Bundesnaturschutzgesetzes geschützt. Wer ihre Nester zerstört, macht sich strafbar. Das wird in Konradsdorf natürlich nicht geschehen. Vielmehr gilt es nach dem Abflug der Vögel im Herbst ihre Sommerdomizile zu kontrollieren. Denn, so Dietmar Wäß: »Nester, in denen Skelett-Teile von Jungvögeln zurückgeblieben sind, die nicht aufgezogen werden konnten, werden nicht wieder belegt.«

Auch interessant

Kommentare