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Schwieriges Zusammenleben

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Der Fleiß des wieder heimisch gewordenen Nagers trifft nicht nur auf positive Resonanz: Dieser Damm ist das Werk des Biebers, der in der Altefeld bei Ilbeshausen seinen Lebensbereich hat. © Stefan Weil

Zu sehen bekommt man ihn im Allgemeinen nicht. Nagespuren an Gehölzen und gefällte Bäume entlang an Bächen und Teichen sind aber ein eindeutiges Indiz. Der Biber ist in der hiesigen Region wieder heimisch geworden. Das führt zu Konflikten.

In den vergangen Jahren sind einige Biber über die Kinzig, Nidda und Fulda in den Vogelsberg eingewandert. Sie haben sich inzwischen fortgepflanzt. Ein Biber ist mit drei Jahren geschlechtsreif. Im Frühjahr bringt ein Weibchen zwei bis drei Junge zur Welt. Diese bleiben gut. zwei Jahre bei der Mutter, bevor sie sich ein eigenes Revier suchen.

Was Natur- und Umweltschützer erfreut, bereitet bestimmten Berufsgruppen Probleme. Insbesondere Landwirte sind nicht unbedingt erfreut darüber, wenn die dämmerungs- und nachtaktiven Tiere, Dämme anlegen und Bäche zum Überlauf bringen, die Wiesen und Weiden überfluten.

Aktuell erleben dies die Landwirte in Ilbeshausen, die Weiden entlang des Baches Altefeld im Tal in Richtung Altenschlirf bewirtschaften. Klaus Löffler, der in Ilbeshausen eine großen landwirtschaftlichen Familienbetrieb leitet, befürchtet nachhaltige Schäden durch den Biber, der in der Altefeld seit 2020 seinen Lebensbereich hat. Wie der Landwirt.

Klaus Pfarrer, der beim Forstamt Schotten für den Naturschutz zuständig ist, Jürgen Steuber von der Unteren Wasserbehörde des Vogelsbergkreises sowie Berndt Ott, der als Waldbesitzer ebenfalls Anrainer des Altefeldbaches ist, bei einer Begehung feststellten, hat das emsige Nagetier auf einem rund 2,5 Kilometer langen Abschnitt sieben Dämme gebaut. Mit Ästen, die der Biber an den Uferbereichen »geerntet« hat, aber auch mit viel Erde und Gras. Im Bereich eines besonders großen Damms hat er offensichtlich seinen Bau, wie die Experten vermuten. »Dieser Damm hat absolut Priorität Nummer eins, weil er den Bau schützt«, betont Jürgen Steuber.

Nachhaltige Erscheinung

Im Bereich der Dämme sind mehrere angrenzende Uferbereiche der Wiesen mehr oder weniger durch das angestaute Wasser deutlich vernässt. Die Farbe, ein sattes Grün, ist schon von Weitem ein eindeutiges Erkennungszeichen. Aus ökologischer Sicht ist das eine durchaus nachhaltige Erscheinung. Das Wasser wird zurückgehalten und fließt nicht schnell ab. Ein natürlicher Ansatz vor dem Hintergrund der klimatischen Veränderungen mit extrem trockenen Sommern wie in diesem Jahr.

Für Klaus Löffler, der in seinem Betrieb rund 350 Kühe mit Futter versorgen muss, davon etwa 150 bis 160 Milchkühe, bereitet die Arbeit des Bibers dagegen Sorgen. »Die vernässten Bereiche sind kaum noch nutzbar. Die Kühe würden das Gras zertreten. Das ist dann nicht mehr als Futter zu gebrauchen. Auch mit schweren Gerät sind die Bereiche nicht mehr befahrbar, um keine tiefen Spuren zu hinterlassen.«

Der Landwirt denkt auch bereits an den Winter. »Wenn wieder ein starkes Hochwasser kommt, wird das Grünland zum großen Teil überflutet. Das ist dann ein zusätzliches Problem.« Er beklagt, dass es für verlorene Flächen beziehungsweise Ernteausfälle durch Biberschäden bis jetzt noch keinen finanziellen Ausgleich gebe. »Die Landwirte müssen die Verluste aus der eigenen Tasche bezahlen.«

Klaus Pfarrer hat dafür Verständnis. Das hessischen Ministerium für Umwelt, Klimaschutz, Landwirtschaft und Verbraucherschutz hat Hessen Forst beauftragt, die Naturschutzbehörden beim Bibermanagement zu unterstützen. »Wir sind bei Interessenkonflikten Ansprechpartner. Ziel ist dabei, die Bevölkerung zu Informieren und kleinere Konflikte zu lösen. Auch, um Schäden durch den Biber zu verhindern oder zumindest zu minimieren«, wie Pfarrer betont.

Keinesfalls dürfe man selbst eigenmächtig tätig werden. Das sei eine Straftat. »Der Biber ist streng geschützt«, betont der Naturschutzbeauftragte (siehe Kasten). Betroffene könnten sich bei ihm melden (Telefon 0 60 44/96 16 28). Dann werde gemeinsam mit den Naturschutzbehörden nach Lösungen gesucht und diese auch umgesetzt. Berndt Ott weist auf ein besonderes Phänomen hin. Auf einer Wiese zwischen seinem Wald und dem Altefeldbach ist deutlich die Grenze zu sehen, bis zu welchen Stellen das Stauwasser der Biberdämme das Erdreich mit Feuchtigkeit versorgt hat. Die Trennlinie zwischem sattem grünen Gras und vertrockneten Flächen verläuft in Kurven. In etwa so, wie die Altefeld vor der Begradigung durch die Flurbereinigung Anfang der 1950er Jahre geflossen ist. Eine Lösung des Konfliktes zwischen Naturschutz und berechtigten ökonomischen Interessen gab es bei dem aktuellen Ortstermin nicht. Die Beteiligten vereinbarten, die Entwicklung am Altefeldbach weiter zu beobachten und gegebenenfalls behördliche Maßnahmen zu ergreifen.

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Landwirt Klaus Löffler mit einen Ast, der von dem Biber »bearbeitet« wurde. © Stefan Weil
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An mehreren Stellen entlang des Ufers sind Wiesen infolge der Dämme vernässt. © Stefan Weil

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