1. Startseite
  2. Region
  3. Wetteraukreis

»Seht Gottes Zelt auf Erden! Verborgen ist er da…«

Kommentare

KALOK25-B_101654_4c
Hippolyte Mantuba © pv

Es gibt sehr viele schöne Kirchen in Deutschland und weltweit. Viele Generationen haben alles aufgeboten, um würdige Gotteshäuser zu bauen, manchmal unter vielen Entbehrungen. Ob diese Gotteshäuser unter Denkmalschutz stehen, oder nicht, alle sind uns sehr kostbar. Nicht der Kunstwert macht die Kostbarkeit unserer Gotteshäuser aus, sondern was sie für uns bedeuten.

Jede Kirche will zunächst ein Denkmal sein im ursprünglichen Sinn des Wortes: ein Mal zum Denken, zur Erinnerung.

So ist es auch bei uns in der katholischen Kirchengemeinde Sankt Anna Ranstadt im Pastoralraum Wetterau-Ost. Mit einem feierlichen Gottesdienst mit Bischof Dr. Peter Kohlgraf und einem anschließenden Steh-Empfang wollen wir am Sonntag, 19. November, um 14 Uhr die Festwoche zum 50-jährigen Bestehen unserer Kirche abschließen.

Dieses Gotteshaus in Form eines Zelts will auch ein Denk-mal sein. Wer hier hineinkommt, wird von einer unmissverständlichen Botschaft empfangen: »Seht Gottes Zelt auf Erden! Verborgen ist er da« (GL 478, 4). Nichts Geringeres als diese Botschaft der Anwesenheit des unendlichen Gottes in der Endlichkeit unserer Geschichte und Zeit soll jeder Besucher und jede Besucherin dieser Kirche in sein/ihr Herz aufnehmen. Schon im Alten Testament hören wir das faszinierende Wort: »Macht mir ein Heiligtum! Dann werde ich in ihrer Mitte wohnen« (Ex 25, 8). Das Johannesevangelium fast die grundlegende Botschaft des neuen Testaments zusammen: »Das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt« (Joh 1, 14). Dieses Bauwerk erinnert uns an die Gegenwart Gottes in der Geschichte der Menschen.

Hier ist ein Haus, das uns Menschen auf Gott hin ausrichten will. Wir brauchen solche Orientierung, damit wir nicht verkümmern, nicht auf unser kleines Ich schrumpfen, damit wir vielmehr hineinwachsen in den Reichtum, den Gott uns gewährt, in das Umfassende unseres Lebens. Selbst jenen Menschen, die den Weg zum Gotteshaus nicht mehr finden, bleiben unsere Kirchen dennoch ein Hinweis, dass wir nicht nur Kinder der Erde sind, sondern auch Kinder des Himmels.

Der russische Schriftsteller Solschenizyn schrieb einmal: »Das Läuten (vom Kirchturm) mahnte die Menschen, die kleinen Dinge ein wenig zu vergessen. Das Geläut war ein Hinweis, unsere Stunden und Gedanken der Ewigkeit zu widmen. Die Kirche bewahrte so die Menschen, abzusinken auf vier Beine, also zu Tieren zu werden.«

So lange unsere Kirchen als steingewordene Glaubensbekenntnisse die Botschaft Gottes künden, so lange werden die Menschen, trotz aller Säkularisierung, nie ganz vergessen können, dass da ein Gott ist, der sich um sie kümmert.

In der Mitte unserer Kirche Sankt Anna Ranstadt steht der Altar, der ja Christus versinnbildlicht. Der Altar ruft zur Zusammenkunft, er will Gottes Volk sammeln.

Die Sammlung um den Altar, um Christus in Gottesdienst und Gebet ist die erste und vornehmste Aufgabe einer christlichen Gemeinde. Von dieser Mitte her erfährt sie dann zugleich ihre Sendung in die Welt hinein.

Begreifen wir unsere Gotteshäuser wieder neu als Denkmäler an Gott, der unter uns gezeltet hat, als Monumente, die auf den Sinn und das Ziel unseres Lebens hinweisen und als Mitte unseres christlichen Lebens.

Hippolyte Nsunda Mantuba

Pfarrer der katholischen Kirchengemeinden Ranstadt-Stockheim/Ortenberg

ARCHIVFOTO: INGE SCHNEIDER

Auch interessant

Kommentare