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Semmelknödel-Drama beim Weltrekordversuch

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Von: Stefan Weil

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Es soll nicht sein: Der Semmelknödelkuchen. © Stefan Weil

Nach mehr als 13-stündiger Koch- und Garzeit wurde die Kloßmasse in Schotten aus dem eigens angefertigten überdimensionierten Kochtopf gehoben worden. Würde es gelingen?

Das Gewicht betrug 102,1 Kilogramm, wie der Rekordrichter beim Ablesen der Waage, begleitet von großem Beifall, feststellte. Das alleine hätte für den angepeilten Semmelknödel-Weltrekord in Schotten gereicht. Doch beim Auspacken aus dem Leinentuch passierte das, was der Küchenchef und Leiter des Rekordversuchs, Christoph Führer, schon ahnte: Die Kloßmasse zerbrach und damit auch die Traum, die neue Weltrekordmarke zu setzen. Die Enttäuschung war nicht zu übersehen, hielt aber nur kurz an. »Wir geben nicht auf. Wir werden im kommenden Jahr wieder einen Weltrekordversuch starten«, blickten wenig später Christoph Führer und Thomas Jager, der Chef des Berggasthofes, optimistisch nach vorne.

Bergwacht und Wehr standen bei

Dem Weltrekordversuch waren monatelange Vorbereitungen vorausgegangen. Die Idee, die offizielle Rekordmarke von 84,7 Kilogramm - in Bayern aufgestellt - zu verbessern, war bei einem Stammtisch geboren worden. Um den erhofften Rekordkloß aus dem Topf heben zu können, hatte die Schottener Bergwachtbereitschaft, deren Rettungsstation sich direkt neben dem Berggasthof befindet, Hilfe geleistet. Sie nahm zur Feuerwehr Nidda Kontakt auf, die eine große Drehleiter besitzt. »Wir waren selbstverständlich sofort dabei und haben unsere Unterstützung zugesagt«, sagte Wehrführer Jörg Riddel. »Wir pflegen sehr gute Kontakte zur Bergwacht, da wir bei Einsätzen öfters zusammenarbeiten.« Gemeinsam mit den Maschinisten Paul Teubert und Marc Riddel sowie weiteren Einsatzkräften hatten sich die Brandschützer mit ihrem großen Einsatzgefährt direkt vor das kleine Zelt positioniert, in dem der vom Schottener Metallbauunternehmen Deckenbach eigens für den Rekordversuch gebaute Kochtopf befand. In den Behälter aus Edelstahl mit einer Kantenlänge von 1,50 Metern hatten am Vortag Feuerwehrleute aus Schotten drei Kubikmeter frisches Leitungswasser gefüllt, das dann mit Gaskochern erwärmt wurde.

Mitten in der Nacht, gegen zwei Uhr, begann das Team von Küchenchef Christoph Führer mit der Zubereitung der Kloßmasse. 40 Kilogramm Semmelbrösel, 18 Liter Milch, fast drei Kilogramm Petersilie, 2,5 Kilogramm Gewürze und 366 Eier - aus hygienischen Gründen in Pulverform - wurden von fleißigen Händen kräftig durchgeknetet und schließlich zu dem Knödel geformt. Die Masse wurde in Plastikfolie und in ein weißes Leinentuch eingehüllt und gegen vier Uhr ins heiße Kochwasser abgelassen. Für eine gute Stunde wurden die Kocher auf höchste Stufe gestellt, danach die Temperatur zurückgenommen, sodass der Kloß über fast zwölf Stunden gut durchziehen und gar werden konnte. Denn er sollte ja verspeist werden. Das verlangen die Regularien für den Rekordversuch.

»Der Kloß ist ja ein Lebensmittel und kein Beton«, erklärte Christoph Führer später im hessischen Fernsehen. »Ich hätte den Teig noch steifer machen können, aber dann wäre er nicht mehr essbar gewesen.« Der Küchenchef des Berggasthofes hatte das Hadern über das Scheitern schnell überwunden. »Die Herausforderung steht. Wir geben nicht auf.«

Zu viel Wucht auf einen Punkt

Vor der Fernsehkamera nannte er auch den Grund, warum der große Knödel zerbrach. »Beim Absetzen auf den Tisch haben die 102 Kilogramm Masse auf einen Punkt gedrückt. Das war zu viel Gewicht. Daran ist der Kloß zerbrochen.« Im kommenden Jahr werde man das anders lösen, eventuell mit einem halbrunden Gefäß, in das der Kloß gesetzt wird. Das sei nach den offiziellen Regeln erlaubt.

Der Knödel war nicht nur zum Verzehr geeignet, sondern auch sehr schmackhaft, wie viele Besucher des Spektakels beim Verzehr üppiger Portionen feststellen konnten. Als Beilagen wurde zu dem Semmelkloß Spannferkel und Sauerkraut gereicht.

Ausgesprochenes Pech hatten die Veranstalter mit dem Wetter. Nach 18 Wochen Sonnenschein war der Samstag wohl der unwirtlichste Tag seit dem Frühjahr auf dem oberhessischen Hausberg. Der lang herbeigesehnte Regen war andererseits nach dem langen Dürrewochen unbedingt notwendig.

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