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Senftinger: »Es lässt einen nicht mehr los«

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Von: Dagmar Bertram

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Die Anliegen der »Lehrerinnen und Lehrer für die Ukraine«: Menschen in Sicherheit und Hilfsgüter zur ukrainischen Grenze bringen. © pv

»Lehrerinnen und Lehrer für die Ukraine« sind von zweiter Fahrt zurück und schildern die Erlebnisse.

Echzell/Wetteraukreis (dab). Die »Lehrerinnen und Lehrer für die Ukraine« haben einen weiteren Hilfstransport an die rumänische Grenze organisiert. Auch diesmal hat die Gruppe auf dem Rückweg wieder 30 Menschen auf der Flucht mit nach Deutschland genommen, darunter 13 Kinder. Es wird nicht die letzte Fahrt gewesen sein: »Es beschäftigt mich sehr«, sagt Organisator Tim Senftinger, der am Echzeller Internat Lucius unterrichtet. »Ich habe den Impuls: Ich muss sofort wieder los.«Zusammen mit Torsten Sawalies, der ebenfalls Lehrer am Internat Lucius ist, und Alice Müller, Lehrerin an der Theo-Koch-Schule Grünberg, hat Senftinger die Gruppe »Lehrerinnen und Lehrer für die Ukraine« (LuL) gegründet. Die Resonanz war enorm: Ihre privat gestartete Spendenaktion brachte binnen kürzester Zeit Tausende Euro. Schüler, Eltern sowie Unternehmen unterstützten das Vorhaben mit Lebensmitteln und Hygieneprodukten, Fahrzeugen sowie Unterkünften für Geflüchtete. 19 Frauen und elf Kinder konnten sie bei der ersten Fahrt aus dem ukrainisch-rumänischen Grenzgebiet in Sicherheit bringen.

Gerüchte schüren Unsicherheit

Weil dank der großen Spendenbereitschaft noch genügend Geld übrig war, konnte »LuL« einen zweiten Hilfstransport organisieren. Mit vier Fahrzeugen brach die Gruppe am Abend des 31. März in Echzell auf, um ab Aschaffenburg mit weiteren Mitstreitern und deren drei Fahrzeugen weiterzureisen. Die Route führte wieder durch Österreich und Ungarn. Am Samstagmorgen erreichten sie die Grenze, wo sie sich erneut mit der ukrainischen Landwirtin Lily trafen. Sie kümmert sich mit anderen Freiwilligen um die Verteilung der Hilfsgüter in dem umkämpften Land, Außerdem hatte sie den Kontakt zu 20 Ukrainern hergestellt, die mit »LuL« zurückfuhren.

»Die Lage vor Ort ist unübersichtlich«, berichtet Senftinger. Eigentlich hätten 17 weitere Menschen an einem Hotel abgeholt werden sollen. Doch die waren nicht mehr da, weil sie eine andere Mitfahrgelegenheit genutzt hatten. Um dennoch alle Plätze in den Fahrzeugen zu nutzen, sprachen sie wie beim ersten Mal Menschen an der Grenze an und stellten sich und ihre Hilfsaktion vor. »Die Menschen sind unsicher und haben große Angst«, erzählt Senftinger. So kursierten zum Beispiel Gerüchte, dass die Ukrainer in Deutschland Sklavenarbeit leisten müssten. Deshalb seien die Menschen zu Anfang misstrauisch gewesen, hätten etwa gesagt, dass die Westen der »LuL«-Helfer die falsche Farbe hätten. »Zum Glück hatten wir Juri dabei«, sagt Senftinger. Der Ukrainer lebt seit vielen Jahren hier und konnte übersetzen vor Ort - mit dem Ergebnis, dass weitere zehn Menschen nun in Sicherheit sind. Für eine Frau fuhren die Helfer sogar noch einmal zurück: Kontaktmann Stanislav hatte angerufen, dass sie den Grenzübergang nun erreicht habe.

Dritter Transport soll bald starten

Seit Sonntagabend sind die »LuL« wieder zu Hause. Sie seien auf dem Rückweg gut durchgekommen. Die Begleiter aus Aschaffenburg seien früher losgefahren und hätten sich um eine abendliche Verpflegung hinter den Karpaten und ein spätes Frühstück in Österreich gekümmert. »Stressig war die Verteilung der Menschen«, erzählt Senftinger. Die konkreten Unterkunftsangebote wurden mit den Hilfesuchenden abgesprochen. »Wir wollen ja, dass es für alle passt.«

Nun planen die »LuL« eine dritte Tour und peilen Mitte Mai dafür an. »Es lässt einen nicht mehr los«, sagt Senftinger. Ein Mitfahrer der ersten Tour habe sich jetzt vier Wochen unbezahlten Urlaub genommen, um bei Landwirtin Lily vor Ort zu helfen.

Etwas Geld für die dritte Fahrt sei noch übrig, weitere Spenden zeichneten sich ab, doch nach wie vor seien Geldzuwendungen willkommen auf das Konto von Torsten Sawalies (IBAN DE49 5185 0079 1028 5166 70).

»Ich glaube, es ist eine Zeitenwende, wenn man die große politische Linie sieht«, sagt Tim Senftinger. »Ich möchte so viel unterstützen, wie ich kann. Denn dieser Konflikt betrifft uns meiner Meinung nach direkt.«

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Hilfsgüter in einer Halle in Siret. © pv

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