1. Startseite
  2. Region
  3. Wetteraukreis

Sicher in die Schule

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Jürgen W. Niehoff

Kommentare

dab_FahrradKIDS_2_jwn_170322
Das neue Training stellen unter anderem vor (v. l.): Philipp Leichner (3. v. l.), Heinz Euler (5. v. l.), Christa Reichert (6. v. l.) und Gerhard Brink (3. v. r.) von der Verkehrswacht sowie Kreisbeigeordneter Matthias Walther (l.), Vize-Schulleiterin Kirsten Bauschke und Rainer Knittel von der Unfallkasse Hessen (r.). © Jürgen W. Niehoff

Jedes Jahr verunglücken rund 350 Erstklässler in Hessen auf ihrem Schulweg. Manche so schwer, dass lebenslange Folgen zu befürchten sind. Das wollen Verkehrswacht Wetteraukreis und Unfallkasse Hessen mit einem neuen Programm verhindern: »FahrradKIDS - immer sicher unterwegs«. Die Nachfrage ist enorm.

Seit über 20 Jahren beklagen die Betreuer der Jugendverkehrsschulen, dass die Fähigkeiten und Fertigkeiten von Viertklässlern nachlassen. Tagungen und Fortbildungen für Fachberater und Grundschullehrer sollten dem entgegenwirken. Doch dieser Weg war wenig erfolgreich. »Es hat sich inzwischen herausgestellt, dass die Beschulung von Viertklässlern in Sachen Verhalten im Verkehr viel zu spät ist«, berichtet Heinz Euler, Schatzmeister bei der Verkehrswacht Wetterau. Verschärft wird das Problem durch die eigentlich positiv zu bewertende Entwicklung, dass das Rad in Zeiten der Coronapandemie zum beliebtesten Schulweg-Verkehrsmittel geworden ist.

Probleme bei Fahrradprüfung

Den Kindern falle es oft sehr schwer, die in der vierten Klasse anstehende Fahrradprüfung zu bestehen, berichtet Euler. Obwohl bereits neun oder zehn Jahre alt, seien sie oft noch unsicher im Umgang mit dem Fahrrad und hätten deswegen Probleme mit dem Erlernen von Verkehrsregeln sowie dem Bewältigen komplexer Verkehrssituationen. Aus diesem Grund hat Euler Experten um sich versammelt und ein neues Programm entwickelt. Das Trainingsformat richtet sich an Kinder der ersten Klasse und deren Eltern.

»Die entscheidende Anregung kam aus den Reihen der Kita-Betreuerinnen und Vorschullehrerinnen«, sagt Euler. »Sie verlangten eine rechtzeitige und altersgerechte Vorbereitung sowie Üben, Üben und nochmals Üben. Und das auch zusammen mit den Eltern«, erklärt Euler den Ursprung seines Programms. Als er es vor Kurzem zusammen mit der Unfallkasse Hessen als gesetzlicher Schüler-Unfallversicherung und dem Wetteraukreis präsentierte, war er selbst überrascht vom Erfolg. Über 80 Schulklassen haben sich mittlerweile für einen derartigen Fahrradkurs bei der Verkehrswacht angemeldet.

So auch die erste Klasse von Grundschullehrerin Mandy Friedrich an der Geschwister-Scholl-Schule in Niddatal. « Ich habe gesehen, wie unsicher die Kinder noch auf dem Fahrrad waren. Und da unsere Lehrpläne keine praxisnahen Übungen vorsehen, habe ich mich bei der Verkehrswacht nach einem entsprechenden Programm erkundigt«, berichtet Friedrich. Ihre Klasse wurde für den Start des Programms ausgewählt. Worüber sich auch die stellvertretende Schulleiterin Kirsten Bauschke freut: »Leider sind die meisten Lehrkräfte, die noch eine Verkehrsausbildung erfahren haben, inzwischen pensioniert. Und die Jungen haben das Wissen nicht. Umso mehr begrüße ich diese Aktion.«

Modellcharakter für Deutschland

Mit »FahrradKIDS - immer sicher unterwegs« steht ein Trainingsformat zur Verfügung, das Kindern, Eltern und Schulen gleichermaßen unterstützen soll. Mit sieben praktischen Übungen soll den Erstklässlern das richtige Fahrradfahren beigebracht werden. Dazu gehören: Losfahren mit vorherigem Umsehen und Spurhalten, mit einer Hand fahren zum Handzeichen Geben oder langsam fahren an Kreuzungen oder Straßeneinmündungen sowie angepasstes Bremsen zur richtigen Zeit.

Darüber hinaus erhalten die Eltern eine Menge Tipps für weitere Übungen und eine Checkliste, die gemeinsam mit der Unfallkasse Hessen entwickelt wurde. Wegen der großen Nachfrage will der Geschäftsführer der Verkehrswacht Hessen, Thomas Conrad, das Programm demnächst auch seinen Kollegen aus den anderen Landesverbänden vorstellen. »Ich bin ganz sicher, das Programm kann Modellcharakter für ganz Deutschland bekommen.« Denn die Kinder, die jetzt an dem Kurs teilnähmen, müssten als Jugendliche und Erwachsene in zehn oder 20 Jahren den künftigen Mobilitätsmix umsetzen. »Dazu wird auf jeden Fall verstärkt das Fahrrad gehören«, wie der Vorsitzende der Verkehrswacht Wetterau, Philipp Leichner, feststellt.

Dass dies offensichtlich noch nicht bei allen Eltern angekommen ist, zeigt die Tatsache, dass viele von ihnen ihre Kinder mit dem Auto zum Kurs fuhren - samt Fahrrad im Kofferraum.

dab_FahrradKIDS_3_jwn_170322
In einer Schlange fahren und dabei auf den Vordermann achten ist hier die Übung. Im Hintergrund: Heinz Euler von der Verkehrswacht. © Jürgen W. Niehoff
dab_FahrradKIDS_1_jwn_170322
Erste Einweisung für die Erstklässler in das neue Programm »FahrradKIDS - immer sicher unterwegs« an der Geschwister-Scholl-Schule in Assenheim. © Jürgen W. Niehoff

Auch interessant

Kommentare