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Sie fanden ihr Glück im »schönen Niddertal«

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Seit 50 Jahren sind Marion und Manfred Meuser nun verheiratet und teilen die Leidenschaft für Literatur, Kultur und fürs Reisen. © Manuela Baumann

Ortenberg (mba). Wenn man in der Zeitung über sie liest, geht es normalerweise um ehrenamtliches Engagement. Manfred Meuser ist Ortenberger Ehrenbürger, war 32 Jahre Kulturkreis-Vorsitzender, Vorstandsmitglied des Jazzclubs, leitete 50 Jahre die Stadtbücherei, war Ortsvorsteher, Erster Stadtrat und in vielen politischen Gremien aktiv. Darüber hinaus engagierte er sich in der katholischen Kirchengemeinde.

Seine Frau Marion (eigentlich Maria Elisabeth) war während Meusers Amtszeit eng in die Vorstandsarbeit im Kulturkreis eingebunden, fungierte mehr als 40 Jahre als Herz und Seele von dessen Reisesparte, arbeitete Reiseverläufe aus, buchte Hotels, Besichtigungen und Führungen und betreute unterwegs Teilnehmer. Doch heute ist nicht das mannigfaltige Wirken des Paars für das Gemeinwesen Thema, sondern ein sehr persönlicher Anlass: Meusers feiern goldene Hochzeit!

Kennengelernt haben sie sich in Hattenheim im Rheingau, wo die 1949 in Erbach geborene Marion Meuser aufwuchs und eine Ausbildung als Verwaltungsangestellte absolvierte. Als sie gelegentlich Brathähnchen für die Kollegen holte, nahm sie ihren »Zukünftigen« erstmals zur Kenntnis. Manfred Meuser arbeitete damals neben dem Studium in der Gastronomie und stand im Ruf, im »Gasthaus Noll« die besten Hähnchen der Stadt zuzubereiten. Geboren 1941 in Köln, wurde seine Familie 1942 »ausgebombt«. Nächste Station war der Westerwald, wo er seine Kindheit verbrachte. 1953 folgte der Umzug nach Düsseldorf, später in den Rheingau. Hier war er in der Jungen Union aktiv, der auch seine spätere Frau angehörte. Man bewegte sich in einem gemeinsamen Umfeld, begegnete sich auf Veranstaltungen und hielt Kontakt, als Marion 1966 nach Köln zog.

Unbekanntes

Ortenberg

Ab 1963 studierte Manfred Meuser in Frankfurt Erziehungswissenschaften, qualifizierte sich für das Lehramt für Grund-, Haupt- und Realschulen. Nach dem Studium jobbte er in Düsseldorf in einer Bank und wartete gespannt auf die Nachricht, wo er seine erste Lehrerstelle antreten soll. Die Nachricht erfolgte telefonisch: »Meuser, sie gehen nach Ortenberg, ins schöne Niddertal!« Ortenberg? Das kannte keiner seiner Kollegen. Eine in der Mittagspause erworbene (offenbar recht kleinmaßstäbige) Landkarte gab Auskunft. »Manfred, das ist ja an der Zonengrenze!«, herrschte Entsetzen.

Meuser fügte sich in sein Schicksal, reiste nach Ortenberg - und stellte erleichtert fest, dass die Zonengrenze ein gutes Stück entfernt war. Auch Marion Meuser war bald mit Ortenberg versöhnt, nachdem die erste Anreise per Bahn gefühlt kein Ende nehmen wollte und ihren Enthusiasmus zunächst etwas dämpfte.

Im September 1971 zog auch sie nach Ortenberg - zunächst in eine eigene Wohnung. Erst nach der standesamtlichen Eheschließung am 2. August 1972 und der kirchlichen Trauung einen Tag später in Düsseldorf bezog man eine gemeinsame Wohnung in der Sudetenstraße. Das Haus im Herrngartenweg, in dem sie seit inzwischen 37 Jahren wohnen, war lange Zeit Marion Meusers Traumhaus. »Oft, wenn ich hier vorbeilief, dachte ich, dass ich hier gerne leben würde. Und eines Tages kam Manfred heim und sagte, er habe das Haus gekauft.« Zu dieser Zeit nahm Marion Meuser ihre Berufstätigkeit wieder auf, zunächst in einer Anwaltskanzlei, dann bei einem Reiseunternehmen.

Beide Kinder sind längst aus dem Haus. Tochter Evelyn zog es nach dem Jura-Studium berufsbedingt ins Rheinland. Auch Sohn Christian lebte eine Zeit lang dort, wollte dann aber zurück nach Hessen. Natürlich würden die Jubilare sich freuen, wenn die inzwischen 15-jährige Enkelin nicht so weit entfernt wäre, aber sie trösten sich damit, dass immerhin nur die Strecke in ein benachbartes Bundesland zu überwinden ist, während andere Menschen ihre Lieben im Ausland haben.

Glücksfall

Kulturkreis

Bei den Veranstaltungen des Kulturkreises sind Meusers nach wie vor gerne zu Gast. Die letzte von Marion Meuser organisierte Gruppenreise ist Ende des Monats eine Musical-Fahrt nach Fulda. »Der Kulturkreis war für uns beide ein Glücksfall. Es war eine tolle Zeit, wir lernten so viele Menschen kennen, schlossen so viele Freundschaften und Bekanntschaften, sahen und erlebten so viel. Ich möchte diese Zeit nicht missen«, sagt Marion Meuser und spricht damit ihrem Mann aus dem Herzen.

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