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Sie sorgen dafür, dass es blüht und gedeiht: Die guten Seelen aus dem Garten Kölsch

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Mit viel Leidenschaft kümmert sich die Pflegegruppe um den Garten Kölsch, der seit fast 20 Jahren ein Kleinod in der Büdinger Altstadt ist. © Sophie Theresa Leitz

Im Garten Kölsch stand jetzt die Apfelernte an. Ein willkommener Anlass, die Pflegegruppe in den Fokus zu rücken, die sich seit fast 20 Jahren um das Kleinod in der Büdinger Altstadt kümmert.

Als Edith Kölsch 1985 starb, kümmerte sich zunächst niemand mehr um ihren Garten. Das Gelände gehört der Stadt. Die Büdinger Landschaftsarchitektin Anette Schött berichtet von Autoreifen, die damals auf dem verwilderten Grundstück an der Stadtmauer lagen. 2003 schließlich bildete sich eine Pflegegruppe, die sich bis heute unter dem Dach des Bürgerforums Steineres Haus mit großem Einsatz hervortut. Die Stadt sah sich damals nicht in der Lage, die zirka 350 Quadratmeter große Grünanlage zu pflegen. Dass die Pflegegruppe die Aufgabe übernommen hat, entpuppte sich für Büdingen als Glücksfall.

Budget des Bürgerforums

Anette Schött schätzt die Kosten, die die Stadt durch die Hilfe der Gruppe spart, auf ungefähr 4000 Euro im Jahr. Das Bürgerforum hält im Jahr für ihre Arbeit ein Budget in Höhe von 6000 bis 7000 Euro vor, je nachdem, was angeschafft werden muss. Zuletzt zählten etwa die Erneuerung der Bankauflagen, die Überarbeitung der Wege, die Optimierung der Bewässerung, Gartengeräte und Neupflanzungen dazu.

Die grüne Oase inmitten der Altstadt sieht heute freilich nicht mehr ganz so aus, wie zu Zeiten von Edith Kölsch. Bei ihr waren die Anordnungen der Pflanzen eher zufällig. Jetzt ist der Garten in Lebensbereiche geordnet, zum Teil sogar farblich passend angelegt oder einer Jahreszeit zugeordnet. Anette Schött, die mit der Pflegegruppe von Anbeginn an arbeitet, gesteht allerdings, dass man dieses Konzept nicht mehr ganz streng verfolgt und genauer sein könnte. Das erfordere allerdings noch mehr Ressourcen und Zeit. Am Grundkonzept habe man jedoch nichts verändert. Die Bepflanzung des Gartens durchlebe im Laufe des Jahres eine dynamische Entwicklung. Das sei typisch für krautartige Pflanzen. »Manche entwickeln sich schnell, andere brauchen hingegen Jahre, bis was passiert«, erklärt die Expertin.

Letzte Arbeiten vor dem Winter

Über den Winter belässt die Gruppe den Garten so, wie er ist. Damit wird Insekten ein Winterquartier geboten. Vor der kalten Jahreszeit entfernt die Pflegegruppe das letzte Unkraut, schneidet ab, was umgefallen ist, und steckt Blumenzwiebeln. Im Garten befinden sich viele Stauden, die zu den mehrjährigen Pflanzen zählen. Diese treiben im Frühling aus und überwintern. Im zeitigen Frühjahr wird der Garten vom städtischen Bauhof ausgeschnitten.

Es gibt immer etwas zu sehen

Der Garten ist so angelegt, dass Besucher das ganze Jahr über etwas zu sehen haben, sagt Anette Schött. Außer bei längerem Dauerfrost, ergänzt sie augenzwinkernd. Aktuell blühen im Garten zum Beispiel noch Sonnenbraut, Sedumarten, wie die Fetthenne, und Verbenenarten, wie Eisenkraut. Gerade am Verblühen ist der Phlox. Sollte es einen warmen Winter geben, wird man im Garten Kölsch Christrosen und Schneeglöckchen bewundern können.

Die Mitglieder der Pflegegruppe wohnen überwiegend in der Kernstadt, einige kommen aus dem Umland. Manche leben in der Altstadt und haben keinen eigenen Garten. Es sind die Gemeinschaft und der Austausch, die bei den regelmäßigen Treffen eine große Rolle spielen. Dass dann auch Privates besprochen wird, passiert zwangsläufig, ist gewollt und fördert die Verbindungen untereinander. Die Pflegegruppe kümmert sich umeinander, schwärmt Anette Schött von ihrer Dynamik.

Heide Anschütz zum Beispiel hilft seit über zehn Jahren, obwohl sie einen eigenen Garten hat. Sie sagt, dass die gemeinsame Arbeit »fast noch schöner als zuhause« ist, da der Umgang und die Zusammenarbeit ungezwungen sind. Für Anschütz ist die Pflegegruppe »Entspannung pur«. Darüber hinaus betont die Büdingerin, wie viel sie in der Zeit mit Anette Schött hinzugelernt habe.

Brigitte Hagen hat keinen eigenen Garten. Sie erinnert sich noch sehr genau, wie sie vor 20 Jahren zur Pflegegruppe gekommen ist: Es sei wunderschönes Wetter an einem Montag gewesen und sie habe mit einer Freundin im Garten Kölsch an der Stadtmauer gesessen. Dabei habe sie die anderen bei der Arbeit gesehen und beschlossen, dass sie da nicht nur zuschauen könne, sondern mitmachen wolle. Bis heute macht Brigitte Hagen die Tätigkeit dort viel Spaß und sie genießt die frische Luft. Bald wird sie 77. So lange sie kann, will sie weitermachen in der Gemeinschaft.

Manche müssen sich zuweilen auch mit den unschönen Seiten der Gesellschaft auseinandersetzen. Hundekot und Kippen zeugen davon, dass längst nicht alle Leute den Garten und die ehrenamtliche Arbeit zu schätzen wissen. Anette Schött würdigt das Engagement jener Mitglieder der Pflegegruppe, die immer wieder kommen, um aufzuräumen und sauberzumachen. Sie hat die Hoffnung aber noch nicht aufgegeben, dass es im Laufe der Zeit immer mehr Menschen werden, die die Schönheit der Natur erkennen und bewahren wollen.

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Ida Hanow probiert von den geernteten Äpfeln. © Sophie Theresa Leitz

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