Umweltwerkstatt

Sie sind jetzt Naturschutz-Profis

Sie bauen Waldkugelbahnen, kosten leckere Früchte an Hecken und in Obstwiesen, zeigen seltene Vogelarten in den Naturschutzgebieten und führen im Dunkeln zu den Fledermäusen: Bereits seit 2010 bildet die Umweltwerkstatt des Wetterauer Naturschutzbundes (Nabu) Naturführer aus.

Insgesamt 180 Frauen und Männer haben an den bislang acht Kursreihen des Wetterauer Nabus teilgenommen. Für den Kurs 2017 erhielten jetzt 26 neue Nabu-Naturführer ihr Zertifikat bei einem Akademischen Abend in der Wetterauer Nabu-Zentrale im Alten Rathaus Assenheim. In seiner Ansprache schätzte Frank Uwe Pfuhl, Vorsitzender der Nabu-Umweltwerkstatt Wetterau, die Kursreihe als „rekordverdächtig“ ein: „Die Nachfrage ist riesig, kaum ist das neue Faltblatt gedruckt, ist der Kurs auch schon wieder ausgebucht.“

Das läge sicherlich auch daran, dass mit der Ausbildung eine Nische abgedeckt werde. Sowohl der Kosten- als auch der Zeitaufwand lägen in einem für die meist ehrenamtlich aktiven Naturführer leistbaren Rahmen. Dennoch werde das notwendige Handwerkszeug mit auf den Weg gegeben, was sich auch in den gut besuchten Veranstaltungen der Absolventen zeige.

Auch bei der Teilnehmerzahl des Jahrgangs 2017 wurde ein Rekord gebrochen: 32 Teilnehmer waren dabei und wurden in zwei Teilgruppen parallel unterrichtet. „Und es war ein besonders guter Jahrgang“, lobte Pfuhl, „denn von den 26 Teilnehmern der Abschlussprüfung haben 20 mit der Note ,sehr gut’ abgeschlossen. So viele wie noch nie.“

Nicht alle Teilnehmer nehmen an der Abschlussprüfung teil, da einige einfach nur Grundkenntnisse der Tier- und Pflanzenarten erwerben möchten. Auch wollen Aktive aus den Nabu-Gruppen mehr über konkreten Artenschutz wie den Bau verschiedener Nisthilfen, die Anlage von Amphibienteichen oder auch das Aussäen von Blühstreifen für Bienen und Schmetterlinge wissen.

Die Teilnehmer kamen überwiegend aus dem Wetteraukreis. Außerdem waren noch der Vogelsbergkreis, Main-Kinzig-Kreis, Landkreis Marburg-Biedenkopf, Kreis Offenbach, Hochtaunuskreis und Kreis Groß-Gerau vertreten, was das überregionale Interesse unterstreiche.

Schon von Anfang an erregte die 2010 in der Wetterau „erfundene“ Nabu-Naturführerausbildung Aufmerksamkeit deutlich über die Kreisgrenzen hinaus. Einzelne Teilnehmer reisten sogar bis zu 300 Kilometer zu den Ausbildungsmodulen an, da es in den benachbarten Bundesländern kein vergleichbares Angebot gibt.

Aus diesem Grund wird das Wissen auch in andere Landkreise Hessens „exportiert“. Erstmals bot die Nabu-Umweltwerkstatt Wetterau gemeinsam mit dem Nabu Bergstraße 2015 eine Ausbildungsreihe im Naturschutzzentrum Bergstraße an. 2017 wurde dann nach dem Konzept der Nabu-Naturführerausbildung eine „Nabu-Moorführerausbildung“ in der Rhön angeboten. Sogar in Hamburg und im baden-württembergischen Bad Mergentheim gab es im vergangenen Jahr eine Nabu-Naturführerausbildung und einen Kompaktkurs – ebenfalls von der Wetterauer Nabu-Umweltwerkstatt geleitet.

Die Ausbildung umfasst sieben Module, wie etwa „Lebensräume in der Wetterau“, „Tier- und Pflanzenarten und ihre Vorkommen“ oder „Aufbau und Gestaltung von Führungen“. Für die Abschlusspräsentation müssen die Teilnehmer ein Veranstaltungskonzept für eine Naturführung erarbeiten und vor einer Fachjury präsentieren. Gelingt dies mit Erfolg, gibt es ein Zertifikat und den Nabu-Naturführerausweis. Beides wurde feierlich zusammen mit einer wetterfesten Nabu-Tasche beim Akademischen Abend an die Absolventen überreicht.

Die Naturführer haben ein breitgefächertes Repertoire und begeistern sowohl Kindergartengruppen, Schulklassen und Familien als auch Vereine und Gruppen für die Natur. Die neuen Absolventen debütieren bereits im Veranstaltungsprogramm 2018 der Nabu-Umweltwerkstatt Wetterau mit einer Steinkauzberingungsaktion, einem Vortrag über den Vogelmord auf den Zugrouten und mit Kräuterwanderungen.

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