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»Situationsangepasst unterstützen«

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Die Arbeit des Vereins »Nidda hilft!« hat sich seit Beginn des Kriegs in der Ukraine verändert. War zunächst die direkte Unterstützung der Geflüchteten mit dem Notwendigsten gefragt, so kümmert sich der Verein nun verstärkt darum, den Flüchtlingen Wohnraum außerhalb von Gemeinschaftsunterkünften zu besorgen. Und durch verschiedene Angebote vor Ort, etwa einen Ausflug in den Schottener Vogelpark, will man vor allem den Kindern Abwechslung und eine Ablenkung von der Lage in ihrem Heimatland bieten. © Elke Maroldt

Nidda (em). Es war eine rasche Reaktion auf große Not: Schon kurz nach Beginn des Ukrainekriegs, am 2. März, gründeten 21 Engagierte den Verein »Nidda hilft!« mit dem Ziel, sowohl dringend benötigte Hilfsgüter ins Kriegsgebiet zu schaffen als auch hierher Geflüchteten bei allem Nötigen zu helfen. Inzwischen gehören dem als gemeinnützig anerkannten Verein über 50 Mitglieder an.

Familien mit insgesamt 78 Geflüchteten - vom Kleinkind bis zu Senioren - finden Hilfe. Eine Bilanz der Arbeit bisher.

»Wir wollen situationsangepasst reagieren« betont Vorsitzender Dr. Daniel Kaczarepa. »Am Anfang stand die Akquise von Sachspenden, insbesondere von Kleidung, Hygieneartikeln und haltbaren Nahrungsmitteln im Vordergrund.« Viele Bürgerinnen und Bürger unterstützten das Vorhaben, kurzfristige Lagermöglichkeiten wurden nötig. Diese fanden sich vor allem bei der Firma Velect im Rainröder Industriegebiet, aber auch bei Borsdorfer Betrieben. Die Fahrt nach Polen in ein Zentrallager oder an die ukrainische Grenze, um die Spenden in die umkämpften Gebiete zu bringen, ist aufwendig. »Beim Hilfswerk AVC in Wallernhausen fanden wir einen kompetenten Logistikpartner. AVC hat seit Jahren Kontakte zu ukrainischen Gemeinden und damit Ansprechpartner direkt im Land. Einmal pro Woche fährt ein 40-Tonner-Lkw von Wallernhausen aus an die polnisch-ukrainische Grenze. Wir sind den Spendern ebenso dankbar wie den hilfsbereiten Firmen und dem AVC«, betont Kaczarepa.

Suche nach

Wohnraum

Die Bilanz dieser Arbeitsphase von »Nidda hilft!« ist beeindruckend. Für 21 000 Euro brachte man benötigte Medikamente in die Ukraine, wobei eine Apotheke dem Verein 20 Prozent Rabatt beim Einkauf gewährte. Dazu kamen viele Sachspenden und 2000 Euro für Benzin, damit Menschen aus Kampfgebieten fliehen konnten.

Es war eine besonders arbeitsintensive Zeit für »Nidda hilft!«, obwohl sich um den eigentlichen Verein noch ein Netzwerk aus Helferinnen und Helfern bildete, die je nach zeitlichen Möglichkeiten kontinuierlich oder für abgegrenzte Aufgaben im Einsatz sind. Leider gab es anfangs mit dem Kontaktformular im Internet technische Probleme, wer eine Mail schickte, wunderte sich, keine Antwort zu bekommen. So verpufften einige Hilfsangebote. Das Problem ist längst behoben und für die Vereinsarbeit ist Resonanz aus der Bevölkerung unverzichtbar. So fanden sich etwa 15 Ehrenamtliche, die Russisch oder Ukrainisch sprechen und dolmetschen können. Zwei von ihnen sind fast jeden Tag im Einsatz.

Denn auch die in Nidda ankommenden Geflüchteten brauchten Hilfe. Oft hatten sie nur das allernötigste Gepäck dabei. Um ihnen möglichst bald den Auszug aus der Gemeinschaftsunterkunft zu ermöglichen, gab der Verein 9000 Euro für das Bewohnbarmachen von Einzelwohnungen aus. Zudem richtet »Nidda hilft!« gerade eine größere Mieteinrichtung her, in der mehrere Familiengruppen Unterkunft finden können.

Schwerpunkt liegt

auf Starthilfen

Auf solche vielseitige Starthilfen hat sich inzwischen der Schwerpunkt der Vereinsaktivitäten verlagert. Viele Fragen stehen im Raum, bei denen »Nidda hilft!« kompetenter Ansprechpartner ist, etwa: »Ich nehme in den nächsten Tagen in meinem Haus Geflüchtete auf - was muss geregelt werden?« oder »Ich kann eine leere Wohnung anbieten, Möbel und Haushaltsgegenstände fehlen - was tun?« Der Verein hat eine Möbel- und Haushaltsbörse eingerichtet und auf der Internetseite www.niddahilft.de ist der aktuelle Bedarf immer nachzulesen. Für Möbel und Haushaltsgegenstände stehen allerdings keine Lagerkapazitäten zur Verfügung. Die Vereinsmitglieder bemühen sich, direkten Kontakt zwischen Spendern und Empfängern herzustellen und wenn nötig beim Transport zu helfen. In der Halle in Borsdorf, Zeppelinstraße 24, nimmt man noch gern folgende Spenden an, möglichst nach Warengruppen sortiert: saubere, unbeschädigte Kleidung für Babys, Klein- und Schulkinder, haltbare Nahrungsmittel im kompakter Verpackung (keine Gläser), Hygieneartikel aller Art sowie Tiernahrung. Besonders gesucht sind derzeit funktionsfähige Fahrräder, aber auch Musikinstrumente. Scheinbar »Nebensächliches« hilft Geflüchteten, Abstand zu Krieg und Flucht zu gewinnen. So verbrachten Mitglieder mit neu angekommenen Familien jüngst einen Tag im Vogelpark Schotten, an dem besonders die Kinder Spaß hatten.

Nach wie vor ist »Nidda hilft!« dankbar für Engagierte, die sich als Helfer einbringen oder Geld spenden. Die IBAN-Nummer lautet: DE85 5186 1616 0000 7210 00.

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