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Solisten und Ensemble

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So macht Sommer richtig Freude: das Ensemble Musica Nidda beim Konzert. © Elfriede Maresch

Bad Salzhausen (em). Ein stimmungsvoller Ort für ein Konzert unter dem Motto »Sommertöne«: Das Ensemble Musica Nidda kam auf die Außenbühne an der Trinkkurhalle. Die Gruppe wurde von Leiterin Christina Merkel-Pavone als Mehrgenerationen-Liebhaber-Ensemble vorgestellt, das im Rahmen des Stadtorchesters Jahrzehnte bestand und sich 2014 neu gründete: »In einem so kleinen Ensemble ist jeder Solist.

« Zum Auftakt erklang die Ouvertüre und eine Zwischenaktmusik aus der Oper »Die Rache des Mohren« des englischen Barockkomponisten Henry Purcell. Auch mit zwei weiteren Sätzen der Purcell-Oper bekam das Publikum überraschend fein nuancierte Musik ohne opernhafte Dramatik zu hören. Eher beeindruckten die Abschnitte durch den Einfallsreichtum der Verzierungen um die Hauptmelodie.

Heiter-informative Moderation

Merkel-Pavone, eine heiter-informative Moderatorin, machte mit dem Zitat eines Purcell-Zeitgenossen neugierig: »›Ein unzüchtiges Stück mit guter Musik ist ein besonderer Magnet« - die Handlung dürfen Sie sich ausdenken.« Sehr persönlich stellte sie die verschiedenen Musica-Akteure vor. Melitta Duchardt (1. Geige) spielt seit 40 Jahren mit, war schon beim Vorgängerorchester unentbehrlich. Noch als Jugendliche und schon bereits mit gutem spieltechnischen Niveau kam Bozena Krauße dazu, auch eine verlässliche Mitspielerin. Ben Weber (Geige) begann noch im Grundschulalter als Schüler von Merkel-Pavone und verkörpert die junge Musica Nidda-Generation. Ruheständler Axel Kaiser hat schon als Gymnasiast das Geigenspiel erlernt und ist nach der Berufszeit wieder zum aktiven Musizieren gekommen. Da die beiden Flötenspielerinnen an diesem Sonntag verhindert waren, musste in den Orchesterstücken die Bratsche deren Part übernehmen. Das teilten sich Christina Merkel-Pavone und ihre Tochter Karola, Berufsmusikerin und Opernsängerin. Ebenfalls zur jungen Generation im Ensemble gehört Philipp Klaiber (Cello). Olaf Thurau (Kontrabass) ist Vorsitzender des Vereins Musica Nidda, gibt mit seiner dunklen Instrumentalstimme dem Ensemble die klangliche Basis und ist für sein Improvisationstalent geschätzt.

Philipps Mutter Tatjana Klaiber stellte unter Beweis, dass es noch weitere Musiktalente in der Familie gibt. Als für »Green Sleeves« eine Harfenistin gebraucht wurde, sprang sie mit ihrer keltischen Haken-Harfe ein und das Lied aus der Shakespeare-Zeit erklang in einer Bearbeitung von Ralph Warren Williams, zunächst in der anmutigen Originalmelodie, dann aufgelöst in ein schwirrendes Klangbild, unterstrichen vom Tremolo der Geigen.

Johann Fischers »Tafelmusik in der Lully’schen Manier« von 1702 führte in die höfische Musik zwischen Barock und Rokoko. Dann ein Schritt in eine ganz andere musikalische Welt, zum Gospel »Swing low, sweet chariot«, von Joan Baez gesungen beim legendären Woodstock-Treffen 1969. Gospel-gerechter Call and Response-Vortrag auch in Oberhessen: Merkel-Pavone sang die Einzelverse, das Publikum fiel mit dem Refrain ein.

Zurück zur Klassik mit Franz Schuberts Menuett Nr. 5: In den Sätzen imitierten Bratsche, Cello und Kontrabass die Melodiefiguren der Geigen, das Publikum genoss den schmeichelnd-tänzerischen Rhythmus.

Zwei Lieder, die den Ohren schmeicheln

Dann mit einer Nocturne von Tschaikowsky ein Schritt in die musikalische Romantik: Philipp Klaiber beeindruckte mit solistischen Cello-Passagen, dunkel, liedhaft, ein wenig schwermütig, unterstrichen durch die Pizzicati der Geigen. Schließlich zwei populäre Stücke, die den Ohren schmeichelten und als Volkslieder gelten, aber von Komponisten des 19. Jahrhunderts stammen: »O sole mio« vom Italiener Eduardo di Capua und »La Paloma«, zum ersten Mal 1863 in Mexico gesungen, von Sebastian de Yradier.

Schließlich als Zugabe erfolgte Abbas »I have a dream«, im Text nicht identisch mit Martin Luther Kings berühmter Rede, aber aus der gleichen Motivation entstanden, dem Wunsch nach Frieden auf der Welt. Nach diesem Beitrag blieb nur noch der begeisterte Beifall des Publikums.

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