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Sozialarbeit ist Beruf und Berufung zugleich

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Sie arbeitet rundherum mit und koordiniert: Martina Clotz (r.) mit ihrer Kollegin Liliane Grohmann im Dorfladen in Wallernhausen. © Elfriede Maresch

Der Dorftreff Neue Mitte in Wallernhausen ist zu einem Nachbarschaftsforum herangewachsen, sagt Martina Clotz. Kürzlich erhielt sie für ihre langjährige Mitarbeit das Kronenkreuz der Diakonie.

Der Dorftreff Neue Mitte mit Dorfladen, Familien- und Gemeindezentrum ist zu einem Nachbarschaftsforum in der Nordost-Wetterau geworden.« So fasst Martina Clotz, Sozialarbeiterin und Koordinatorin, das Projekt zusammen, dem sie seit vielen Jahren einen Großteil ihrer beruflichen Arbeit widmet. Kürzlich wurde sie mit dem Kronenkreuz der Diakonie in Gold dafür ausgezeichnet (diese Zeitung berichtete).

Die Sozialarbeit schon früh zum Ziel

Schon während ihrer Schulzeit in Dortmund stand für Martina Clotz fest: »Sozialarbeit soll mein Beruf werden.« So wählte sie nach dem Fachabitur an der Fachhochschule ihrer Heimatstadt den Studiengang Sozialwesen und schloss mit dem Diplom ab. Ursprünglich hatte sie den Schwerpunkt Bewährungshilfe wählen wollen. Doch die tatsächlichen Arbeitsbedingungen - eine Fachkraft für 350 Strafentlassene - hielten sie davon ab: »Keine Chance für eine individuelle Begleitung«.

Stattdessen wandte sie sich der Sozialraumarbeit zu, damals noch Gemeinwesenarbeit genannt. Auch ihre erste Arbeitsstelle war bei der Diakonie Nordrhein-Westfalen mit dem Auftrag, in Lünen in der Nähe Dortmunds in Kooperation mit den Kirchengemeinden Sozialraumarbeit zu machen. Es ging insbesondere darum, Kontaktmöglichkeiten für Menschen mit psychischen Erkrankungen zu schaffen. Es war die Zeit nach der Psychiatrie-Enquete von 1975, als die Isolation und Hospitalisierung psychisch Kranker in Riesensälen geschlossener Psychiatrien ins Bewusstsein der Öffentlichkeit kam und ein Netz niedrigschwelliger Stabilisierung aufgebaut wurde. Clotz: »Ohne Ehrenamtliche wäre das gar nicht gegangen. Wir haben ein Netz von Kontakten und Begleitungsmöglichkeiten aufgebaut. Damit hat sich auch die alte Struktur von ›Betreuern, die am besten wissen, was für die Patienten gut ist‹ aufgelöst in Richtung eines Umgangs auf Augenhöhe, der sich bewährt hat.«

Im Rahmen einer sozialpsychiatrischen Fortbildung an der Diakonie-Akademie Stuttgart lernte die junge Frau ihren späteren Ehemann Wolfgang und weitere Kolleginnen und Kollegen des Diakonischen Werkes Wetterau kennen. Es war die Zeit, als Gerhard Wolf diese regionale Institution leitete und die Psychosozialen Kontakt- und Beratungsstellen, die Diakoniewerkstatt Wetterau, das Betreute Wohnen und die Tagesstätten aufgebaut wurden.

Nach der Heirat zog Martina Clotz nach Nidda. Aus der Großstadt Dortmund in die ländliche Wetterau und somit in eine gewachsene Dorfstruktur. »Ich habe mich hier aktiv um Kontakte bemüht und schnell Anschluss gefunden. Ein Pluspunkt war auch, dass mein Mann schon länger hier lebte und kollegiale Verbindungen hatte«, berichtet Martina Clotz.

Per Inserat lud sie zur Gründung eines Mutter-Kind-Spielkreises ein und kam schnell mit anderen jungen Familien in Kontakt. Obwohl die Mutter von vier Kindern in der Familie viel zu tun hatte, wollte sie doch ihren Beruf nicht ganz ruhen lassen und begann 1992 mit einer geringen Stundenzahl im Bereich des Betreuten Wohnens zu arbeiten. Clotz: »Mir hat geholfen, dass das Diakonische Werk Wetterau sich mit flexiblen Arbeitszeiten als familienfreundliches Unternehmen bewiesen hat.«

So war die Sozialarbeiterin in wachsendem Stundenumfang im Betreuten Wohnen und der Hilfe für psychisch Kranke tätig. »Mir hat das Nebeneinander von Berufs- und Familienarbeit absolut gut getan, das war mein Ausgleich«, sagt Martina Clotz. »Allerdings muss man auf diesem Arbeitsfeld auch erleben, dass psychische Erkrankungen eine Eigendynamik haben, dass es nicht bei allen Patienten gelingt, sie zu stabilisieren und zu integrieren.«

Von Anfang an im Dorftreff aktiv

Die Familie war mittlerweile nach Wallernhausen umgezogen. Durch die Mitarbeit im Trägerverein der Wallernhäuser Kindertagesstätte »Kleine Strolche«, im Elternbeirat der Schule sowie das Engagement von Wolfgang Clotz im Ortsbeirat wuchsen sie mehr und mehr in die Ortsgemeinschaft hinein. Als der Dorftreff aufgebaut wurde, übernahm Martina Clotz die Koordination. Inzwischen hat sie beim Diakonischen Werk eine Patchworkstelle mit zehn Wochenstunden beim betreuten Wohnen, zehn in der Koordination des Familienzentrum und anderes. »Ich fühle mich hier in der Ortsgemeinschaft als Teil eines lebendigen ländlichen Raumes zu Hause« sagt sie.

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