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Speed-Dating auf Wetterauer Äckern

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Von: red Redaktion

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Damit Einheimische und Gäste diesen Anblick im Wetteraukreis künftig wieder häufiger genießen können, haben Landwirtschaft, Naturschutz, Jäger und Behörden in Sachen Rebhuhn-Schutz intensiv zusammengearbeitet. Erste Erfolge sind dabei bereits sichtbar. © pv

Wenn Rebhühner auf Partnersuche gehen, bleibt ihnen nur wenig Zeit, denn sie müssen sich vor ihren Fressfeinden schützen. Im Wetteraukreis hilft man der bedrohten Tierart jetzt.

Wetteraukreis (pdw) Das Rebhuhn gehört zu den bedrohten Tierarten im Wetteraukreis. Aktuell befinden sich die Tiere im Paarungsstress. Der Naturschutzfonds Wetterau stellt ihr Balzverhalten näher vor.

Für den Paarungstanz bleibt den Rebhühnern nur rund eine halbe Stunde in der Morgen- und Abenddämmerung. In diesem Zeitraum schlafen die Greifvögel meist schon oder noch und das spärliche Licht reicht gerade aus, um die Silhouette eines Fuchses zu erkennen.

In der Winterzeit bis etwa Ende Februar leben die Reb-hühner in sogenannten »Ketten« im Familienverband. Diese Ketten bestehen entweder aus dem Elternpaar mit ihren erwachsenen Jungvögeln oder es haben sich Hühner zusammengetan, die im vergangenen Sommer keinen Bruterfolg hatten. Oftmals kann man Rebhuhn-Ketten im Winter auf offenen Ackerflächen auch aus größerer Entfernung erkennen.

Im Rausch der Frühlingsgefühle

Im Rausch der beginnenden Frühlingsgefühle lösen sich die Ketten dann Ende Februar auf und es beginnt die »Da-menwahl«. Die Hennen suchen sich außerhalb der Fami-lienmitglieder einen Hahn aus. Die Hähne sind meist in der Überzahl und machen mit lautem »Kiereck«-Rufen andere Rebhuhn-Ketten auf sich aufmerksam. Der Kampf der Hähne untereinander wird von den umherrennenden Hennen ganz genau beobachtet, denn der beste Kämpfer ist auch der attraktivste Partner! Bei Interesse nehmen die Damen dann einen intensiven Blickkontakt mit dem Auserwählten auf und die richtige Balz beginnt.

Im Übergang zum Monat März haben sich die meisten Paare bereits gefunden und es erfolgt eine Zeit emotionaler Paarbildung, die oft ein Leben lang bestehen bleibt. Aus ihrem Winterlebensraum wandern die Paare nun von den Ketten ab und suchen sich ein Brutrevier in der Nähe. Voraussetzung für die Wahl eines Brutreviers ist vor allem das Vorhandensein von höherer Vegetation in Verbindung mit einem guten Insektenvorkommen. So sind ausreichend Schutz und Nahrungsangebot sichergestellt. Im Winter besteht die Nahrung der Rebhühner überwie-gend aus Pflanzenteilen wie beispielsweise Raps und Wintergetreide, Gräsern, Wildkräutern und deren Samen sowie aus übriggebliebenen Körnern auf dem Acker. In der Phase der Eiablage im Mai benötigen die Hennen jedoch zunehmend tierische Nahrung, die fürsorglich von den Hähnen gesucht und ihrer Henne angeboten wird. Die jungen Küken ernähren sich in den ersten Lebenswochen ausschließlich von Insekten.

Diese wichtigen Faktoren, die das Überleben der Reb-hühner in unserer Kulturlandschaft sichern, sind oftmals in der intensiv genutzten Agrarlandschaft nur noch selten anzutreffen. Zudem sind auch die zahlreichen Jäger wie der Fuchs eine nicht zu unterschätzende Gefahr für junge aber ebenso für ältere Rebhühner!

Lebensraum verbessern

»Als sehr wertvoll sind die zahlreichen Maßnahmen zu bewerten, die in den vergangenen Jahren durch Kooperationen von Landwirtinnen und Landwirten, Naturschutz, Jägerschaft und Behörden im Rahmen des Rebhuhn-Schutzes stattfanden«, findet Landrat Jan Weckler, Vorsitzender des Landschaftspflegeverbands Naturschutzfonds Wetterau. »Durch die Anlage abwechslungsreicher, blütenreicher Strukturen auf Ackerflächen und der angrenzenden Feldfluren wird der beschränkte Lebensraum für das Rebhuhn und andere Arten der Agrarlandschaft, wie Feldhamster, Hasen, Feldlerche, Insekten und weiteren deutlich aufgewertet.«

Diese positive Entwicklung, die Dank der intensiven Be-mühungen aller beteiligten Akteure zu verzeichnen ist, lässt sich auch in der zunehmenden Population der Rebhuhn-Bestände, insbesondere im Gebiet der Wetterau, ablesen.

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