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Marat Dickermann ist ein gefragter Solist und Kammermusiker, der schon auf vielen Bühnen Konzerte gegeben hat.

Der neue Konzertmeister stellt sich vor

Er spielt nun die erste Geige

Das Bad Vilbeler Kammerorchester (BVKO) hat seit Anfang dieser Saison einen neuen Konzertmeister. Der Geiger Marat Dickermann (71) ist ein bekannter Solist, Kammermusiker und erfahrener Pädagoge. Schwerpunkte seines Repertoires bilden Werke jüdischer Komponisten. FNP-Mitarbeiterin Christine Fauerbach hat ihn zur Person, seiner Arbeit und seinen Plänen in der Brunnenstadt befragt.

Was macht eigentlich ein Konzertmeister? Marat Dickermann: Der Konzertmeister ist ein Geiger. Er ist derjenige, der bei den ersten Violinen am ersten Pult außen spielt. Er führt in erster Linie seine Stimmgruppe, die der ersten Geigen. Darüber hinaus hält er engen Kontakt zu den anderen Stimmführern der Streicher in der zweiten Geige, an der Bratsche und am Cello.

Warum führt er? Ist dies nicht die Aufgabe des Dirigenten?

Dickermann: Sowohl in den Proben als auch beim Konzert kann nicht jeder Musiker nur seine Noten spielen. Gemeinsames Musizieren erfordert Kommunikation und die parallele Ausrichtung unseres Geistes. Nur so kann es gelingen, ein Stück zur Aufführungsreife zu bringen. Der Konzertmeister ist der erste Ansprechpartner des Dirigenten. Inwiefern?

Dickermann: Der Konzertmeister setzt die Klang- und Tempovorstellungen des Dirigenten so um, dass das musikalische Ziel mit den Mitteln des Orchesters optimal erreicht werden kann.

Wie kamen Sie zum BVKO?

Dickermann:Auf Anfrage des künstlerischen Leiters Klaus Albert Bauer. Wir musizieren schon seit einigen Jahren mit großer Freude zusammen.

Sie sind Profimusiker, spielten in hervorragenden Orchestern, waren Primarius des Adorno-Quartetts Frankfurt, waren Mitglied des Trio Chagall sowie 30 Jahre lang im Radio Sinfonie Orchester Frankfurt, das spätere HR-Symphonieorchester. Wie sind Ihre ersten Eindrücke in Bad Vilbel?

Dickermann: Ich habe das Bad Vilbeler Kammerorchester bisher noch nie gehört und bin seit dem ersten Zusammentreffen erfreut über die musikalische Qualität.

Gefällt Ihnen die Zusammenarbeit?

Dickermann: Die Stimmung im Bad Vilbeler Kammerorchester ist gut. Natürlich kann man das Bad Vilbeler Kammerorchester nicht mit den großen Ensembles wie dem HR-Symphonieorchester, bei dem ich viele Jahre in der ersten Geige gespielt habe, vergleichen. Ich freue mich darauf, den 20 professionell ausgebildeten Musikern etwas von meinen Erfahrungen weiterzugeben. Gemeinsam mit ihnen den Klang des BVKO zu optimieren.

Kommen Sie aus einer Kiewer Musikerfamilie?

Dickermann: Nein, aber in meiner Familie hat man Musik immer geliebt, oft gehört und gern gesungen.

Wie ist Ihr beruflicher Werdegang?

Dickermann: Ich erhielt mit fünf Jahren den ersten Geigenunterricht. Nach dem Abitur habe ich an der Musikhochschule in Kiew und am Konservatorium in Riga jeweils Geige studiert und dann mein Spiel in Meisterkursen bei herausragenden Professoren vervollkommnet.

Seit wann sind Sie in Deutschland?

Dickermann: Nach Jahren intensiver solistischer und kammermusikalischer Tätigkeit – ich war bereits mit 20 Jahren Geiger in einem professionellen Kiewer Kammerorchester – bin ich 1978 aus der Ukraine nach Deutschland emigriert. Von West-Berlin zog ich 1981 nach Frankfurt.

Am diesem Sonntag spielen Sie mit dem BVKO auf dem Heilsberg. Was steht in der Heilig-Geist-Kirche auf dem Programm?

Dickermann: Drei romantische Stücke, die alle auf ihre Art und Weise sehr anspruchsvoll sind. Es sind „Pelleas und Melisande“ von Gabriel Fauré mit der weltberühmten Flötenmelodie, das „Violinkonzert a-moll von Antonín Dvorák und das reizvolle „Streicher- Idyll“ von Leo? Janácek.

Gastsolistin ist die niederländische Geigerin Yvonne Smeulers? Haben Sie schon einmal mit ihr zusammengespielt?

Dickermann: Nein, ich werde sie zum ersten Mal erleben. Mit dem Bad Vilbeler Kammerorchester hat sie bereits im letzten Jahr Mendelssohns Violinkonzert aufgeführt.

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