1. Startseite
  2. Region
  3. Wetteraukreis

Stadt bekommt »Handwerkszeug«

Erstellt: Aktualisiert:

Von: Stephan Lutz

Kommentare

bg_Bild_01_020422_1_4c
Bürgermeister Herbert Unger (r.) überreicht Markus Albus (2. v. l.) und Sascha Riemer die Ernennungsurkunden. Erste Gratulantin ist Stadtverordnetenvorsteherin Ute Schneeberger. © Stephan Lutz

Florstadt (lut). Das Florstädter Parlament hat während seiner jüngsten Sitzung im Bürgerhaus Nieder-Florstadt einstimmig die von der Verwaltung vorgelegte Gefahrenabwehrverordnung zur Einschränkung des Trinkwasserverbrauchs verabschiedet. Dadurch hat die Stadt nun laut Bürgermeister Herbert Unger (SPD) bei Notständen in der Wasserversorgung, etwa wenn die Trinkwasserampel der Ovag von Gelb auf Rot springt, das »Handwerkszeug«, um den Trinkwasserkonsum zu reglementieren.

Unger wies darauf hin, dass sich seit etwa zehn Jahren die trockenen Sommer und die Starkregenereignisse summierten. In Sachen Hochwasserschutz habe man bereits vor 20 Jahren ausreichende Retentionsflächen entlang der Nidda geschaffen, doch nach den verheerenden Hochwassern im Wetterauer Ostkreis und im Ahrtal gebe es Handlungsbedarf. Man warte auf die Fließpfadkarten und habe drei Verträge zur Überprüfung der Kanaldimensionierung in den Bereichen Brauch- und Oberflächenwasser vergeben. »Wir wollen bei Starkregenereignissen gut geschützt sein«, sagte Unger. Man habe zudem Wasserkonzepte beauftragt, um die Wasserbewirtschaftung neu zu bewerten und daraus Schlüsse für die Zukunft zu ziehen.

Kritik an Grünen-Vorstoß

Die Ovag-Wasserampel stehe zwar zumeist auf Gelb, aber man wolle reagieren können, sollte sie auf Rot wechseln. Dann könne man den Trinkwasserkonsum sanktionieren und gewisse Verbote aussprechen. Die Vertreter aller drei Fraktionen erklärten, das Regelwerk sei »in unser aller Interesse«, und sorgten für einen einstimmigen Beschluss.

Abgelehnt wurde dagegen eine Resolution der Grünen, die sich mit einem Stopp der Energielieferungen aus Russland beschäftigte. Dietmar Schmidt erklärte, dass man mit den anderen Fraktionen einen gemeinsamen Text ausarbeiten wolle.

SPD und CDU kritisierten jedoch, dass die Resolution keine Aufträge für den Magistrat beinhalte, dass darin die Bevölkerung nicht zur Einschränkung ihres Energieverbrauchs aufgefordert werde und dass man private Unterbringungsmöglichkeiten für Geflüchtete zur Verfügung stellen solle. Außerdem monierten sie, dass man sich durch die Hintertür doch noch für den Erhalt der Windkraftanlage bei Stammheim (Stichwort: Re-Powering) einsetzen solle.

Bianca Stelz (SPD), Christel Schmidt (CDU) und vor allem Bürgermeister Unger kritisierten das Grünen-Ansinnen Punkt für Punkt. Der Rathauschef machte deutlich, dass man sich um Klimakonzepte kümmern werde, wenn die Stadt einen Klimamanager eingestellt habe. Den Aufruf, Unterkünfte für Geflüchtete aus der Ukraine zur Verfügung zu stellen, sah er als Beleidigung der Mitarbeiter in der Verwaltung an, die schon lange den gesetzlichen Auftrag verfolgten und Unterkünfte für Geflüchtete suchten.

Eine Resolution, die mit allen drei Fraktionen abgestimmt worden war, hatte Unger vor Wochenfrist bei der Friedenslicht-Veranstaltung vor dem Rat- und Bürgerhaus verlesen. Während Heidi Bauer-Klar (Grüne) die Diskussion daraufhin als »eines Parlaments nicht würdig« erachtete, kommentierte Torsten Lux für die SPD, »dass das Vorgehen der Grünen in diesem Zusammenhang einer Demokratie nicht würdig« sei.

Benjamin Naumann stellte die neue Homepage der Stadt vor. Er machte deutlich, dass ab sofort alle Leistungen der Verwaltung auch online und digital zur Verfügung gestellt werden.

Naumann präsentierte die Leistungen von A-Z, eine Übersicht über die Fachbereiche und die Politik-Seiten mit der Verbindung ins Ratsinformationssystem mit Niederschriften und Protokollen von Sitzungen, bevor er die Bereiche Leben und Wohnen inklusive Kinder und Jugend sowie Gesundheit vorstellte.

Neue Homepage vorgestellt

Aufmerksam machte Naumann auch auf die Umweltfibel, den Abfallkalender und die Abfall-App. Weitere Bereiche, die er präsentierte, waren Bauen und Wirtschaft, Freizeit und Kultur mit den Bürgerhäusern sowie Sport und Freizeit. Auch Vereine, Kirchen und Verbände können sich darstellen, ebenso Gewerbetreibende. Immer öfter könnten nun auch Filmbeiträge abgerufen werden, das sei ein weiterer Vorzug im Vergleich zur bisherigen Homepage der Stadt, betonte Naumann.

Im Ausschuss für Infrastruktur und Umwelt, der am 26. April ab 18 Uhr mit dem Ortsbeirat Staden tagen wird, wird der Aufstellungsbeschluss für den Bebauungsplan »In der Quittenwies« diskutiert werden, der einen Lückenschluss mit der Wohnbebauung zwischen dem Tankstellen-Areal und dem Aussiedlerhof in Richtung Autobahn und Nieder-Mockstadt vorsieht. Das ergab das interfraktionelle Gespräch vor der Stadtverordnetenversammlung.

Ohne Aussprache und einstimmig wurde der Abschluss einer öffentlich-rechtlichen Vereinbarung zur interkommunalen Zusammenarbeit im Vergabebereich beschlossen.

Zu Beginn der Sitzung wurden die beiden neuen Stadtbrandinspektoren offiziell ernannt. Bürgermeister Herbert Unger betonte, die Übergabe der Ernennungsurkunden vor Publikum sei eine Wertschätzung und Würdigung der beiden höchsten Positionen, die das kommunale Feuerwehrwesen vorsehe. Der alte und neue Stadtbrandinspektor Markus Albus hatte während der turnusgemäß anstehenden Wahl während der gemeinsamen Jahreshauptversammlung der Florstädter Feuerwehren am 4. März um eine geheime Wahl gebeten und dabei, so Unger, »eine sehr große Mehrheit erzielt«. Nicht weniger schlecht sei das Ergebnis für seinen neuen Stellvertreter Sascha Riemer ausgefallen, der sich deutlich gegen den bisherigen Stellvertreter Alexander Will durchsetzte. Will wurde erst kürzlich als Wehrführer in Stammheim im Amt bestätigt und bleibt dem Wehrführerausschuss somit erhalten.

Albus dankt für Vertrauen

Unger verlas die Ernennungsurkunden für Albus und Riemer, nachdem sich die Anwesenden von ihren Plätzen erhoben hatten. Beide erhielten zudem Weinpräsente. Erste Gratulantin war Stadtverordnetenvorsteherin Ute Schneeberger (SPD), die eine gute Zusammenarbeit wünschte. Markus Albus dankte in erster Linie seiner Frau für das Verständnis dafür, dass er dieses Amt noch eine Periode lang ausüben wolle.

Zudem dankte er dem Magistrat und dem Parlament für die unkomplizierte Zusammenarbeit in den vergangenen fünf Jahren sowie für das Vertrauen für die kommenden fünf Jahre. Mit Sascha Riemer habe er nun einen jungen Stellvertreter, der einmal sein Nachfolger werden könne.

Auch interessant

Kommentare