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Stadtgeschichte erschlossen

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Gemeinsam mit Stephen Porter übergibt der ehrenamtliche Stadtarchivar Erhard Müth das Findbuch III für das Stadtarchiv an Steffen Brill (Fachbereichsleiter zentrale Verwaltung), Bürgermeister Guido Kempel und den Ersten Stadtrat Herbert Weber. © Oliver Potengowski

Gedern (ten). Akten aus Jahrhunderten der Stadtgeschichte und sechs Stadtteilen lagern seit 2013 in der ehemaligen Schule in Nieder-Seemen. Um diesen Aktenbestand, der zahlreiche Regalmeter in mehreren Räumen füllt, zu erschließen, hat der ehrenamtliche Archivar Erhard Müth nun auch für die Archivierung des jüngsten Teils gesorgt. Das Findbuch Gedern III übergab er jetzt an Bürgermeister Guido Kempel (parteilos) und den Ersten Stadtrat Herbert Weber (FWG).

Bei der Übergabe erinnerte Müth an den mühsamen Weg, aus den verschiedenen Aktenbeständen der Stadtteile ein geordnetes Archiv zu bilden, in dem sich die Dokumente zur Stadtgeschichte wiederfinden lassen. 1981 hatte Hans-Velten Heuson gemahnt, dass »die bis in das 14. Jahrhundert zurückreichende nahezu lückenlose Dokumentensammlung der früher selbständigen Gemeinde Wenings, obwohl von unschätzbarem historischem Wert, bislang völlig unzureichend untergebracht« sei. Auch die Archive der anderen Gederner Stadtteile seien nicht besser aufgehoben.

Wichtiger Schlüssel zu Aktenbeständen

Heusons Anregung folgend, wurden die Aktenbestände der Stadtteile in der Burg Moritzstein in Wenings eingelagert. Die der Kernstadt befanden sich damals noch im Marstall. Zum Beginn des Jahres 2013 wurden die Bestände aller Stadtteile einschließlich der Kernstadt schließlich in der früheren Schule in Nieder-Seemen zusammengeführt.

Bis dahin hatten mit Thomas Lummitsch, Erwin Diehl und Horst Bartikowski mehrere ehrenamtliche Archivare begonnen, Struktur in diese Aktenbestände zu bringen und sie für kommende Generationen zu erschließen.

Seit 2018 arbeitet Stephen Porter gemeinsam mit Müth, der seit 2017 ehrenamtlicher Archivar ist, an der Aufarbeitung der Archivbestände. Letzterer hatte sich schon vor 2010 mit der Ordnung der Archivakten der Kernstadt beschäftigt. Mit dem Findbuch Gedern III, das die Akten der Großgemeinde ab 1971 katalogisiert, haben sie jetzt einen wichtigen Schlüssel zu den jüngsten Aktenbeständen im Archiv vorgelegt.

Es ergänzt die bisherigen Teilarchive zu Ober-Seemen bis 1970, Wenings, Steinberg, Mittel- und Nieder-Seemen jeweils bis 1971 sowie Gedern I bis 1945 und Gedern II bis Februar 1971.

Müth erklärte die Systematik, wie ein Archiv aufgebaut wird. Denn nicht jedes Dokument, das im Zuge der Verwaltungsarbeit entsteht, wird tatsächlich für kommende Generationen aufgehoben. Zunächst würden die Akten für 20 bis 30 Jahre in der Registratur aufgehoben, damit die Verwaltung bei Bedarf einen schnellen Zugriff darauf hat. Nach Ablauf dieser Zeit werde die Archivwürdigkeit der Akten geprüft. Dabei würden etwa auch überflüssige Dokumente wie Gesetzesblätter oder Statistiken der Landesregierung aussortiert, die bereits zentral archiviert sind.

Müth betonte, dass das jetzt vorgelegte Findbuch Gedern III im Gegensatz zu den Vorgängern ein Stichwortverzeichnis habe, was die Arbeit erleichtere. »Es zeichnet sich eine Tiefentransparenz ab«, ergänzte Porter. Damit ließen sich Dokumente zu bestimmten Themen unabhängig von der Chronologie finden.

Für kommende Generationen

»Den Wert eines gut sortierten Archivs erkennt man nicht heute, sondern den erkennen kommende Generationen, wenn sie etwas suchen«, sagte Kempel und betonte, dass die Arbeit von Müth und Porter eine Investitionen für die Menschen sei, die sich künftig mit der Gederner Stadtgeschichte beschäftigen.

Müth hat allerdings wenig Hoffnung, dass deren Arbeit in naher Zukunft wesentlich leichter werden könnte. »Alles Archivgut zu scannen und zu digitalisieren, wird unendliche Stunden und Hunderttausende Euro kosten«, sagte er und räumte damit die begrenzten Möglichkeiten der Stadt ein. Schon Ende der 90er Jahre waren die Gelder für die Arbeit am Archiv wegen der Haushaltslage gestrichen worden. Müth strebt jedoch an, die Findbücher digital zugänglich zu machen.

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