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Stehende Ovationen für einen gelungenen Abend

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Die Cellistin Leila Liogonkala, der Cellist Simon Ullmann, Muks-Leiter Benedikt Bach an der Violine und Lada Nevmyatullina am Flügel spielen ausgewählte Kammermusik der frühen Romantik und erobern damit die Herzen ihres begeisterten Publikums. © Ingeborg Schneider

Dozierende der Musik- und Kunstschule Büdingen spielen Kammermusik im Pferdestall des Kulturzentrums Oberhof. Stehender Beifall des Publikums ist der Lohn.

Büdingen (mü). Mit stehendem Beifall hat das Publikum das opulente Konzert unter dem schlichten Motto »Kammermusik« honoriert, das vier Dozenten der Musik- und Kunstschule (Muks) im Pferdestall des Kulturzentrums Oberhof gaben. »Wir sind sehr froh, solche Angebote nach zwei Jahren Abstinenz wieder mit Ihnen feiern zu können«, betonte Leiter Benedikt Bach in seiner Ansprache. »Ideengeberin dieses Abends ist unsere Cellistin Leila Liogonkala, die ebenso wie Lada Nevmyatullina am Flügel seit 2021 zu unserem Kollegium gehört.«

Beschwingter Bogen

Die Musikerinnen stellten mit ihren Kollegen Benedikt Bach (Violine) und Simon Ullmann (Cello) nicht nur ihr Können unter Beweis, sondern auch die unter der Ägide von Bach trotz Pandemie beständig zunehmende Attraktivität der Muks bezüglich des musikalischen Niveaus, der pädagogischen Kompetenz und des Willens zur Innovation.

Mit den vier Sätzen der Trio-Sonate von Georg Friedrich Händel illustrierten die beiden Violoncellisten und die Pianistin das vielseitige Schaffen des Meisters, der in seiner Londoner Zeit wie ein heutiger Popstar gefeiert wurde. Vom festlichen Andante über das lebhafte Allegro und das erzählende, eher in sich gekehrte Largo bis zum akzentuierten und heiteren finalen Allegro spannte sich ein weiter, insgesamt beschwingter Bogen.

Emotional vielschichtig präsentierte sich das Duett für zwei Violoncelli von Carl Friedrich Abel, das mit den teilweise in hoher Geschwindigkeit zu spielenden Sätzen Allegro, Andante und Tempo di Menuetto eine Vielzahl von Emotionen weckte und die Celli zudem oft wie Violine oder Piano klingen ließ.

Naturtöne im Preludio, bittersüße Romantik in der Corrente und viel tänzerische Kraft in Sarabanda und Giga entfaltete die Sonata VII von Arcangelo Corelli, vorgetragen von Benedict Bach an der Violine und Simon Ullmann am Cello als Basso continuo.

Nach der Pause zelebrierten Ullmann und die beiden Musikerinnen Leila Liogonkala und Lada Nevmyatullina die zauberhafte Sicilienne von Gabriel Fauré. Unverkennbar war die ursprüngliche Bestimmung der schwebenden und zart akzentuierten Komposition als Teil der einst geplanten Ballettkomödie »Der Bürger als Edelmann« von Molière.

Den Höhepunkt des einprägsamen Abends bildete das Trio in Es-Dur für Klavier, Violine und Violoncello von Franz Schubert. Das im November 1827, ein Jahr vor Schuberts Tod, komponierte Opus trägt die Nummer 100, gilt als eines der letzten Werke des mit nur 31 Jahren früh verstorbenen Meisters und scheint dessen Schaffen quasi in einem glanzvollen Finale zusammenzufassen. Die vier Sätze Allegro, Andante con moto, Scherzo und Allegro moderato lassen Violine, Violoncello und Piano oftmals wie ein viel größeres Orchester klingen. Sie spiegeln Atem und Herzschlag, die für Schubert und die Romantik typische Vielzahl von Naturtönen, große dramatische Gefühle und Konflikte, aber auch Zärtlichkeit und die Leichtigkeit des Tanzes wider.

Reizvolle Übergänge

Eindrucksvoll zeigt sich die Kreativität des Komponisten, der als Schöpfer des romantischen Kunstliedes gilt und dessen erzählende Themen sich daher vielfach in der Film- und Popmusik wiederfinden: Bisweilen lassen sich Dialoge aus Frage und Antwort erkennen, Streit und Versöhnung, reizvolle Übergänge und nicht zuletzt ein spannungsvoller Wechsel zwischen Dur und Moll neben der anspruchsvollen, aber strahlenden Grundtonart Es-Dur. Insbesondere der letzte, sehr ausführliche Satz, der alles zuvor musikalisch Gesagte noch einmal zitiert, zusammenfasst und überhöht, riss das Publikum beim Schlussapplaus regelrecht von den Stühlen - zu den verdienten Standing Ovations, die das Quartett mit viel Freude entgegennahm.

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