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Stolpersteine verlegt: Büdingen erinnert an ehemalige Mitbürger, die verfolgt wurden

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In der Bahnhofstraße verlegt Gunter Demnig Stolpersteine, die an vertriebene Büdinger Familien erinnern. © Oliver Potengowski

Mit 13 weiteren Stolpersteinen erinnert die Stadt Büdingen an ehemalige Mitbürger, die im Nationalsozialismus verfolgt, vertrieben oder verschleppt wurden.

Büdingen (ten). Mit 13 weiteren Stolpersteinen erinnert die Stadt Büdingen an ehemalige Mitbürger, die im Nationalsozialismus verfolgt, vertrieben oder verschleppt wurden. Erste Stadträtin Katja Euler erklärte am Mittwochnachmittag, dass die Gedenksteine zunehmend wichtiger werden, weil es immer weniger Zeitzeugen gibt.

In der Mitte der Bahnhofstraße verlegte Gunter Demnig vor drei Häusern jeweils vier Stolpersteine. Sie stehen für die Schicksale der drei Familien Speier, Stern und Eulau, die von den Nationalsozialisten als Juden ausgegrenzt und entrechtet wurden. Im Unterschied zu Millionen Menschen, die ermordet wurden, konnten die zwölf Büdinger, an die in der Bahnhofstraße erinnert wird, noch rechtzeitig aus Deutschland fliehen und so ihr Leben retten.

Der knappe Text auf den Stolpersteinen kann nur andeuten, was diese Flucht für Menschen, die bisher als angesehene Bürger und Geschäftsleute in der Stadt lebten, bedeutete. Oft suchten sie vor der zunehmenden Entrechtung und den Schikanen durch die Nationalsozialisten zunächst Schutz in Großstädten mit deren scheinbarer Anonymität. Als die drei Familien erkannten, dass ihr Leben auch dort nicht sicher sein würde, emigrierten sie nach Südafrika beziehungsweise Argentinien.

Ein 13. Stolperstein am Büdinger Schlossplatz erinnert daran, dass nicht nur Juden, sondern allen Menschen, die sich gegen die Diktatur der Nationalsozialisten stellten, Verschleppung in Konzentrationslager und Ermordung drohte. Davon betroffen waren insbesondere auch die Zeugen Jehovas, die mit einem violetten Dreieck in den Konzentrationslagern gekennzeichnet wurden.

Der Büdinger Ernst Schwalm wurde wegen seines Glaubens 1938 in das Konzentrationslager Buchenwald verschleppt. Bis zu seiner Befreiung am 5. Mai 1945 überlebte er noch weitere sechs Lager und mehrere Todesmärsche.

ausführlicher Bericht folgt

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