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Stress fürs Herz-Kreislauf-System

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Von: Ursula Sommerlad

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Dr. Daniela Heß © pv

Heute wird das Thermometer auf weit über 30 Grad klettern. Wie reagiert der Körper auf solche Temperaturen? Wie kann man ihn unterstützen? Und wer sollte bei großer Hitze besonders vorsichtig sein? Dr. Daniela Heß, die Leiterin der Zentralen Notaufnahme an der Asklepios-Klinik in Lich, klärt auf.

Wie reagiert der Körper auf große Hitze?

Wie gut unser Körper mit Hitze umgehen kann, hängt unter anderem von Alter, körperlicher Fitness und allgemeiner gesundheitlichen Verfassung ab. Hitze wirkt sich auf unser Herz- und Kreislaufsystem aus, da unsere Körperkerntemperatur über die Hautdurchblutung reguliert wird. Wird uns zu heiß, werden die Blutgefäße erweitert; der Körper verlagert mehr Blut in die Haut. Durch diese Wärmeleitung und Wärmestrahlung wird schnell und wirkungsvoll Wärme an die Umgebung abgegeben. Ein Nebeneffekt ist jedoch, dass durch die Weitung der Blutgefäße der Blutdruck sinkt.

Das heißt?

Das Herz-Kreislauf-System ist dann besonders gefordert. Durch die stärkere Hautdurchblutung werden die inneren Organe mit weniger Blut versorgt und auch in die Muskeln gelangen weniger Sauerstoff und Nährstoffe. Das kann zu einer Abnahme der körperlichen Leistungsfähigkeit führen. Wir fühlen uns schneller erschöpft.

Welche Funktion hat das Schwitzen?

Je nach Höhe der Umgebungstemperatur fängt unser Körper an zu schwitzen, zusätzlich zur bereits erhöhten Hautdurchblutung. Schwitzen ist unser wirksamster Mechanismus, um nicht zu überhitzen. Die Verdunstung von Schweiß auf unserer Haut kühlt unseren Körper wirkungsvoll. Hierbei gehen jedoch auch wichtige Elektrolyte wie Natrium, Calcium und Magnesium verloren und durch Eindicken des Blutes kann die Gefahr, eine Thrombose oder Lungenembolie, zu erleiden, erhöht sein.

Ab welchen Temperaturen sollte man aufpassen?

Ab Temperaturen über 30 Grad ist besondere Vorsicht empfohlen. Durch hohe Luftfeuchtigkeit entsteht eine zusätzliche Belastung für den Körper. Der Körper kann nur wenig Wärme nach außen abgeben und ist weniger belastbar. Körperliche Anstrengungen oder sportliche Aktivitäten bei hohen Temperaturen in Kombination mit hoher Luftfeuchtigkeit können den Organismus stark strapazieren. Auch hier spielen das Alter, die Fitness und die allgemeine körperliche Verfassung eine Rolle bei der Temperaturregulation.

Wann droht ein Sonnenstich?

Ein Sonnenstich (auch Insolation und Heliosis genannt) entsteht durch lange andauernde direkte Sonneneinstrahlung auf den Kopf und den Nackenbereich. Der Sonnenstich äußert sich durch Schwindel, Kopfschmerzen, Übelkeit bis hin zum Erbrechen, Ohrgeräusche, Benommenheit, innere Unruhe, Abgeschlagenheit, erhöhten Pulsschlag und Nackenschmerzen bis hin zu Nackensteifigkeit (Meningismus). Die Körpertemperatur ist fast immer normal.

Welcher Personenkreis ist besonders gefährdet?

Ältere Menschen und kleine Kinder reagieren empfindlicher auf Flüssigkeitsverlust. Bei Senioren macht der Anteil von Flüssigkeit am Körpergewicht nur 60 Prozent aus. Bei großer Hitze gehen mit dem Körperwasser immer auch Natrium, Magnesium und Calcium mit verloren. Der natürliche Kühlungsprozess, das Schwitzen, setzt bei älteren Menschen später und geringer ein. Die Zahl der Schweißdrüsen und die Durchblutung der Haut nimmt mit dem Alter ab. Die Abgabe von Wärme über die Haut kann somit erschwert sein. Mit zunehmendem Alter nimmt meist auch das Durstgefühl ab. Ist der Körper erst einmal ausgetrocknet, braucht er mit steigendem Alter deutlich länger, um sich von einer Austrocknung (Dehydrierung) zu erholen. Altersbedingt können zudem die körperliche Fitness, die Hautdurchblutung und auch die Leistungsfähigkeit des Herz-Kreislauf-Systems abnehmen.

Wie reagieren kleine Kinder?

Kleine Kinder können ihren Wärmehaushalt noch nicht so regulieren, weswegen sie weitaus empfindlicher auf Sonnenstrahlung und Sonnenhitze reagieren. Sie schwitzen weniger, brauchen aber relativ mehr Wasser als ein erwachsener Mensch.

Zu welchen vorbeugenden Maßnahmen raten Sie?

Ich würde gerne ein paar Stichpunkte nennen:

Nach Möglichkeit eine kühle Umgebung wählen und nicht direkter Sonneneinstrahlung aussetzen

Rolläden runter

Kopfbedeckung im Freien tragen

Mediterrane Lebensweise, also »Siesta« halten

nachts lüften

Sport nur frühmorgens oder spätabends

Wie viel Flüssigkeit sollte man zu sich nehmen? Und welche Art von Getränken?

Pi mal Daumen sollten mindestens zwei Liter am Tag Wasser, leicht isotonische Flüssigkeiten, leichte Apfelschorle, Tees getrunken werden. Je nach körperlicher Belastung steigt der Flüssigkeitsbedarf. Die Getränke sollten nicht eiskalt sein, da sie den Körper durch einen höheren Energieaufwand deutlich mehr belasten als wohltemperierte und warme Getränke

Sind Nahrungsergänzungsmittel hilfreich?

Bei körperlicher Anstrengung und starkem Flüssigkeitsverlust kann die Zufuhr von Mineralstoffen und Elektrolyten - etwa Magnesium, Natrium, Chlorid, Calcium - in Form von isotonischen Getränken oder Brausetabletten sinnvoll sein. Das hängt jedoch sehr von der individuellen Anstrengung und dem Flüssigkeitsverlust ab. Grundsätzlich reicht eine gesunde Ernährung aus, um den Verlust auszugleichen.

Bei welchen Symptomen sollte man ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen?

Sobald es zur Kreislaufbeschwerden, Schwindel, Übelkeit und Erbrechen kommt. Wenn es zu einem Hitzschlag oder Kollaps gekommen ist oder der Verdacht besteht, ist sofort der Rettungsdienst unter der Telefonnummer 112 zu verständigen. Bringen Sie den Betroffenen an einen kühlen Ort, lockern Sie seine Kleidung, kühlen sie mit feuchten Tüchern ab und reichen Sie Getränke, aber nicht zu kühl und auch nicht zu viel auf einmal.

Wie geht die Klinik mit Hitzewellen um? Gibt es besondere Maßnahmen?

Für uns als Notaufnahme ist es wichtig den wartenden Patienten Wasser als Getränk im Wartezimmer bereitzuhalten. Bei Bedarf werden insbesondere älteren Menschen mit einer sogenannten Exsikkose, also einem starken Mangel an Körperwasser, Infusionen zum Ausgleich des Flüssigkeitshaushaltes verabreicht. FOTO: PM

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Bei großer Hitze - wie für die kommenden Tage vorausgesagt - droht der Kreislauf schlapp zu machen. SYMBOL © DPA Deutsche Presseagentur

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