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Suche nach verborgenen Schätzen

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Der Schottener Forstamtsleiter Axel Norgall mit einer Torfmoospflanze, die entscheidend zum Entstehen eines Hochmoores beitragen. © Stefan Weil

Das Hochmoor »Breungeshainer Heide« hat in Hessen fast ein Alleinstellungsmerkmal. Derzeit laufen Erhebungen, ob es im hohen Vogelsberg weitere verborgene Schätze gibt.

Mit dem integrierten Klimaschutzplan Hessen 2025 fördert das Hessische Umweltministerium das Projekt »Waldmoore in Hessen - Erfassung, Zustandsanalyse und Maßnahmenvorschläge«. Damit kann auch geklärt werden, ob es im hohen Vogelsberg Moore gibt, von denen man nichts weiß.

Das Projekt ist auf drei Jahre angelegt und hat im November 2020 begonnen. Für die Umsetzung verantwortlich ist die in Göttingen ansässige Nordwestdeutsche Forstliche Versuchsanstalt (Sachgebiet Arten- und Biotopschutz der Abteilung Waldnaturschutz).

»Ziel ist, mehr über das Vorkommen von Waldmooren in Hessen zu erfahren«, sagt Maria Aljes, wissenschaftliche Mitarbeiterin. »Bisher gibt es noch zu wenig Hinweise.« Aufgrund der geologischen und klimatischen Ausgangsbedingungen kommen Moore in den Wäldern in einigen Mittelgebirgen Hessens vor. So im Burgwald, Kaufunger Wald, im Reinhardswald, Spessart, Odenwald, Habichtswald, im Waldecker Upland oder auf dem Hohen Meißner. Ob das auch im Vogelsberg der Fall ist, sollen die Untersuchungen zeigen, die Maria Aljes und Luise Hennemann seit einigen Wochen im Oberwald vornehmen. »Wir erfassen den Zustand der Flächen und geben dem Forstamt Empfehlungen beziehungsweise unterbreiten Vorschläge für eventuelle Renaturierungsmaßnahmen«, sagt die wissenschaftliche Mitarbeiterin.

Verdachtsflächen ausfindig machen

Ein Problem ist dabei, sogenannte Moorverdachtsflächen überhaupt zu finden. Erste Ansprechpartner sind die Revierleiter des Forstamtes. In der hessischen Biotopkartierung sind nur die bekannten Moorflächen erfasst. Ihr Anteil - für Wald und Offenland zusammengefasst - ist mit 0,04 Prozent der Fläche Hessens sehr gering. Daher wird das Land Hessen auch nicht unbedingt mit Mooren assoziiert.

Das aktuelle Projekt soll dazu beitragen, die noch im Verborgenen schlummernden Waldmoore flächendeckend zu erfassen. Untersuchungen aus dem Burgwald und dem Reinhardswald haben gezeigt, dass viel Moore mit zum Teil hohen naturschutzfachlichem Wert unter einem starken Fichtenbestand verborgen sind oder auch an Quellaustritten sehr langsam wachsen. »Quellen haben wir im Vogelsberg reichlich«, sagt Maria Aljes.

So ist die Wahrscheinlichkeit auch durchaus gegeben, bisher noch nicht bekannte Moorbiotope zu entdecken. Dabei handelt es sich nicht um Hochmoore, die - wie die »Breungeshainer Heide« - vornehmlich von Regenwasser gespeist werden, sondern um Niedermoore, deren Wachstum mit einem ausreichendem Grundwasservorkommen gekoppelt ist. Hinweise auf das Vorhandensein von Moorflächen können auch Gräben geben. Sie wurden in der Vergangenheit häufig angelegt, um feuchte Flächen zu entwässern, um etwa Torf abzubauen, so wie in der »Breungeshainer Heide« vor vielen Jahren geschehen.

Suche und Kartierung seien sehr zeitaufwendig, sagt Maria Aljes. Häufig ließen sich Informationen über Moorverdachtsflächen auf historischen Karten finden. Auf eine kleine Fläche in der Nähe des Hochmoores auf der anderen Straßenseite ist die Wissenschaftlerin auf diese Weise aufmerksam geworden. Das Wiesenstück wird umrahmt von einem Fichtenbestand. Ein Graben, der das Gelände durchzieht, erscheint ausgetrocknet, wie auch die Fläche nur wenig vernässt ist. Dass es sich hier aber um ein Moorbiotop handelt, kann Maria Aljes mit Hilfe der speziell für Mooruntersuchungen entwickelten Moorklappsonde nachweisen. Damit können Bodenproben aus dem Moorsubstrat herausgeschnitten werden, die Aufschluss über die Entstehung und das Alter der Moorfläche geben können. »Bei dieser Fläche handelt es sich um vererdeten Torf«, sagt Maria Aljes bei der Prüfung der Bodenprobe. Der für Moore typische Torf, eine besondere Bodenart, entsteht, da Pflanzen zwar absterben, im feuchten Umfeld sich aber nicht gänzlich zersetzen.

Die Untersuchung mit der speziellen Sonde ist wichtig für die Zustandsbeschreibung der Fläche. Letztlich auch, um zu entscheiden, ob es sich lohnt, eine Renaturierung ins Auge zu fassen. »Das muss man dann dem finanziellen Aufwand gegenüberstellen«, sagt Forstamtsleiter Axel Norgall. Für Renaturierungsmaßnahmen gibt es gesonderte Förderprogramme. So wurde zum Beispiel die Wiedervernässung des Hochmoores im Jahr 2018 über das Naturschutzgroßprojekt Vogelsberg initiiert und umgesetzt.

Mit dem Projekt »Waldmoore in Hessen« soll auch eine Klimaschutzwirksamkeit mit Zahlen unterlegt werden. Es geht dabei um das Einsparpotential von schädlichem Treibgas im Falle einer erfolgreichen Wiedervernässung von Moorbiotopen.

Anhand von Leitbildern und Entwicklungszielen wird eine Priorisierung der einzelnen Moor-Flächen für eine mögliche Renaturierung vorgenommen. Dabei werden auch Hinweise zur technischen Umsetzung und eine grobe Kostenkalkulation gegeben. Schließlich soll ein Förderkonzept für mögliche Renaturierungen auch auf kommunale und private Waldbesitzer übertragen werden.

HINTERGRUND:

Moore haben vor dem Hintergrund des Klimawandels an Bedeutung gewonnen. Sie gelten als großer Kohlenstoffspeicher und können der Atmosphäre das schädliche Kohlendioxid entziehen. Obwohl Moore nur etwa drei Prozent der Erdoberfläche bedecken, können sie nach Schätzungen etwa doppelt so viel Kohlenstoff speichern wie alle Wälder zusammen. Allerdings werden Jahr für Jahr weltweit riesige Moorflächen trockengelegt, wie der Nabu Deutschland mitteilt. Grund ist die Nutzung der Flächen für die Land- und Forstwirtschaft oder zur Gewinnung von Torf - beispielsweise für Blumenerde.

VON STEFAN WEIL

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