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Tampons und Binden im Bürgerhaus

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Von: Petra Ihm-Fahle

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Die Stadt Nidda wird Menstruationsartikel in öffentlichen Gebäuden voraussichtlich im nächsten Jahr zur Verfügung stellen. © Petra Ihm-Fahle

Damenhygieneartikel sind eine monatliche Geldausgabe, die mancher betroffenen Person schwerfällt. Nidda will nun die städtischen Gebäude mit kostenlosen Tampons und Binden ausstatten.

Der Niddaer Magistrat soll künftig in allen städtischen Gebäuden, die öffentlich zugänglich sind, kostenlose Menstruationsartikel auslegen. Mit großer Mehrheit beschloss dies das Parlament bei seiner Sitzung am Dienstagabend im Bürgerhaus von Geiß-Nidda.

Das Thema, welches zwei städtische Ausschüsse befürwortet hatten, blieb nicht ohne Widerspruch. Der kam aus den Reihen der Bürger-Liste (BL) beziehungsweise von Dr. Wilfried Schneider. Er beantragte, erst einmal ein Pilotprojekt in fünf öffentlichen Immobilien zu starten, die Ergebnisse nach einem Jahr vorzustellen und dann neu zu entscheiden. Das hatte das Rathaus vorgeschlagen. In seiner Fraktion hatte er allerdings nur Vorsitzende Susanne Repp auf seiner Seite.

SPD-Antrag bringt Stein ins Rollen

Jan-Philipp Anke trug den Antrag der SPD vor, der den Stein im Herbst ins Rollen gebracht hatte (diese Zeitung berichtete). Wie der Sozialdemokrat anmerkte, kam es in der Sitzung des Sozialausschusses zu einer Präzisierung durch die SPD. Hintergrund war eine Kostenberechnung der Rathausverwaltung, die zwei verschiedene Modelle untersuchte: Zum einen, was es kostet, die Binden- und Tampon-Spender in die Toiletten oder wahlweise in die Vorräume zu hängen. Die Vorraum-Variante ist mit gut 15 000 Euro in den Anschaffungskosten deutlich günstiger als die Variante »Toilettenräume« mit knapp 27 000 Euro. »Das Konzept soll sich an der vorgeschlagenen Variante ›Vorräume‹ orientieren«, sagte Anke.

Weiterer Punkt: Die 44 Liegenschaften, in die Spender gehängt werden, sollen einzeln benannt werden. »Wir sind der Meinung, dass dieser Antrag ein wichtiger Schritt in die die richtige Richtung ist. So gewährleisten wir eine lebenswerte Stadt für alle Personen in Nidda«, betonte Anke.

BL-Mann Schneider sah es anders. Er trug eine Rede der Darmstadt-Dieburger Kreistagsabgeordneten Pia Eckert-Graulich (SPD) vor, die sich nach einem Gespräch mit weiblichen Jugendlichen und jungen Frauen gegen das Vorhaben ausgesprochen hatte. Besagte Zielgruppe habe stets ausreichend Hygieneartikel dabei - und wenn nicht, keine Scheu, bei anderen danach zu fragen. Die Kosten seien hoch, die Ausgaben zur Behebung von Vandalismusschäden kämen hinzu. Niemand stelle in Abrede, dass der Kauf von Damenhygieneartikel die Budgets der Frauen schmälere. »Es ist aber nicht Aufgabe der Stadt, durch die Abgabe der Artikel in unbegrenztem Umfang für Abhilfe zu sorgen«, zitierte Schneider Eckert-Graulich. Wirtschaftlich sei es nicht zu verantworten.

Wie Schneider rückblickend ausführte, hätten sich die Niddaer Sozialdemokraten in ihrem Antrag auch auf Darmstadt bezogen - Darmstadt-Dieburg habe das Anliegen aber abgelehnt. Die SPD Nidda spreche insofern »mit zwei Zungen«.

Er betonte: »Wir Niddaer Steuerzahler haben ein Recht darauf, dass unser Geld sorgfältig und sparsam ausgegeben wird.« Im Alten Rathaus Ober-Widdersheim etwa sollten zwei Spender installiert werden. »Für wen? In einer kaum genutzten Immobilie, die die Stadt verkaufen möchte.« Erkläre die SPD, dass Ängste vor Vandalismus unbegründet seien, stimme das nicht. Die Stadtverwaltung habe klar darauf hingewiesen und WCs im Park, in der Gerbergasse und im Bürgerhaus als Beispiel benannt. Schneider: »Ich stelle nicht das Gesamtkonzept in Frage. Wie von der Stadtverwaltung vorgeschlagen, sollte das in einem Pilotprojekt getestet werden.«

Ihm widersprachen Stefan Knoche (SPD) und Jan Philipp Repp (CDU). »Mich verwundert der Redebeitrag ein bisschen. Da wird der SPD Nidda vorgeworfen, was die SPD Darmstadt sagt«, stellte Knoche fest. Repp sagte: »Es geht auch um soziale Teilhabe und ein symbolisches Zeichen.«

Menstruierende Personen hätten Kosten, manche hätten weniger Geld in der Tasche. »Wir sind in einer Situation, in der gefühlt alles teurer wird und so ist die soziale Teilhabe ein Punkt, auf den wir setzen können«, betonte der Christdemokrat.

Über Schneiders Antrag stimmte das Hohe Haus erst nach einigem Hin und Her ab, da zunächst nicht klar war, ob er als einzelner Stadtverordneter etwas beantragen kann. Mit Verweis auf die Geschäftsordnung setzte er sich durch. Nicht jedoch seinen Antrag, den das Parlament mehrheitlich ablehnte.

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