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Theater für das Volk

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Die Vorstandsmitglieder (v.l.): Burghard Gold, Susanne Steinhauer, Gisela Rausch und der 1. Vorsitzende Bernd Baier. © Red

Die Volksbühne in Friedberg hat Tradition. Und sie hat schon so manche Turbulenzen überstanden. Dafür war und ist viel ehrenamtliches Engagement nötig - aus nah und fern. Denn die Volksbühne hat in der Region ein Alleinstellungsmerkmal.

Volksbildungsvereine und damit Volksbühnen gibt es seit 1890. Gegründet wurden sie, um unter anderem Arbeitern Theaterbesuche für wenig Geld zu ermöglichen. In Friedberg gibt es einen Volksbildungsverein seit 1958. Die hiesige Volksbühne hat ein Alleinstellungsmerkmal in der Region. Sie kauft Gastspiele ein, um sie der Bevölkerung zu präsentieren. »Damit sind wir Exoten«, sagt Marc Rohde, Kulturmanager der Einrichtung.

Er hat diese Position übernommen, nachdem Bernd Baier sich bereiterklärt hatte, den Posten des Vorsitzenden zu übernehmen. Baier hatte damit 2019 zusammen mit anderen ehrenamtlich Engagierten, die Volksbühne in letzter Minute vor dem Aus gerettet.

Baier und Rohde bringen fundierte Erfahrungen für ihre Ämter mit. Baier war mehr als 30 Jahren Leiter des Rechnungswesens in der Alten Oper Frankfurt und ist aktuell Inhaber des Ticket-Shops in Friedberg. Er hat über die Jahre selbst kleinere Veranstaltungen organisiert und engagiert sich im Theater Altes Hallenbad (aHa).

Rohde ist Bankkaufmann, hat viele Jahre in der Kreisstadt gelebt. Er liebt Theater und Kultur. Er engagierte sich von Anfang an beim aHa, und organisiert selber Künstlertourneen. Privat und beruflich zog er zwischenzeitlich in seine alte Heimat Flensburg. Er hatte gedacht, sämtliche administrative Tätigkeiten aus der Ferne selbst zu übernehmen und bei den Veranstaltungen in Friedberg vor Ort zu sein. Baier wollte damals aber nicht nur die Volksbühne retten, sondern auch den Geschäftsstellenbetrieb des Geschichtsvereins aufrechterhalten. So kam es, dass Baier an drei Tagen in der Woche im Büro in der Kaiserstraße anwesend war und die Bankgeschäfte und die Mitgliederverwaltung der Volksbühne nicht aus der Hand geben musste.

»Wir reiben uns in mancher Diskussion aneinander, aber durch Reibung entsteht Wärme und Energie, die uns weiter antreibt«, scherzt Rohde. Baier übernimmt in Friedberg im Ehrenamt die Hauptlast; Rohde unterstützt ihn tatkräftig aus der Ferne.

Viele Herausforderungen und Hürden müssen sie meistern: Das fängt bei der Planung an. Es gilt, sechs Bühnenstücke im Jahr in die Stadthalle zu holen. Meist größere Produktionen mit oft bekannten Schauspielern. Dazu werden für die Stückauswahl - wäre da nicht Corona - eigentlich Produktionen auswärts gesichtet.

Neu ist in diesem Jahr eine Kooperation mit der Stadt. Zusätzlich zu den bereits geplanten und gebuchten Gastspielen hat Sigrid Bartsch von der Stadt das Stück »Maria und die Callas« vorgeschlagen, was Dank guter Zusammenarbeit noch zusätzlich aufgeführt wurde.

Aufführungen waren in den vergangenen zwei Jahren nicht leicht. Corona hat vieles auf den Kopf gestellt. Eigentlich waren weitere regionale Kooperationen, wie mit der Stadtkapelle Friedberg oder dem Stadttheater Gießen geplant, die Pandemie hat das aber bisher verhindert. »Das ist uns weiter sehr wichtig und soll kommen«, verspricht Rohde. Umso mehr freuen sich die Verantwortlichen, dass mittlerweile wieder alle Theaterinteressierten zuschauen können. Wenn auch mit weniger Besucherkapazität in der Stadthalle.

Schwierig ist derzeit das Zeitmanagement. Rohde und Baier müssen bereits jetzt 2024 planen. Geplant wird seit der Übernahme Baiers für ein volles Kalenderjahr und nicht mehr in Spielzeiten. Das läuft entgegen der Planung fast aller Theateranbieter und führt zu zusätzlichen Herausforderungen. »Da wir den zweiten Teil unserer Friedberger Saison bereits veröffentlichen müssen, bevor die Tourneetheater überhaupt eine bindende Zusage geben können«, sagt Rohde. Mittlerweile hat er aber einige Anbieter ausfindig gemacht, mit denen man so planen könne.

Herausfordernd ist oft auch die Organisation »drumherum« von der die Zuschauer nichts mitbekommen. Bühnenhelfer per Zeitarbeitsfirmen suchen und bekommen oder verschobene Gastspiele neu »einplanen«, wie kürzlich »Drei Männer und ein Baby« mit dem Friedberger Schauspieler Mathias Herrmann.

Deshalb braucht es viele vereinte, ehrenamtliche Kräfte, die unermüdlich an einem Strang ziehen, damit viel Theater für möglichst viele Menschen in Friedberg stattfinden kann.

Zwei Stücke stehen im Frühling auf dem Spielplan: »Die Physiker«, von Dürrenmatt am Mittwoch, 16. März, um 20 Uhr und »Sophie Scholl - die letzten Tage« am Montag, 4. April, 20 Uhr.

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Die preisgekrönte Inszenierung von Dürrenmatts »Die Physiker« wird am 16. März zu sehen sein. © Red

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