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Thorsten Eberhard: »Wir müssen neu denken«

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Blick auf das künftige Wohngebiet West in Bad Salzhausen. Wie es gestaltet wird, steht noch nicht fest. FOTO: IHM-FAHLE © Petra Ihm-Fahle

Wie wird das Wohngebiet West in Bad Salzhausen aussehen? Diese Frage war Thema im Bau- und Planungsausschuss. Auch Entwurf Nummer sechs vermochte nicht alle zu überzeugen.

Die Entscheidung, wie im geplanten Wohngebiet West in Bad Salzhausen gebaut wird, ist nochmals vertagt worden. Im Bau- und Planungsausschuss am Donnerstagabend wurde lebhaft darüber diskutiert. Beteiligt waren nicht nur die Mitglieder des Ausschusses und ein Vertreter des Planungsbüros, sondern auch die Vertreter des Ortsbeirats erhielten Rederecht. Auch sie hatten sich in den vergangenen Wochen intensiv mit der Art der Bebauung auseinandergesetzt, weil sie mit dem derzeitigen Stand der Planung nicht einverstanden sind (diese Zeitung berichtete).

D ie Perspektiven und Zielsetzungen waren jedoch zu unterschiedlich, um die grundsätzliche Ausrichtung und vor allem die Geschosshöhen noch in dieser Sitzung festzulegen.

Eberhard wählt klare Worte

»Wir müssen neu denken.« Mit diesen Worten wandte sich Bürgermeister Thorsten Eberhard (CDU) zu Beginn der Sitzung an die Teilnehmer, unter ihnen auch einige Bewohner des Kurorts. Ein Wegzug von Einwohnern, gab Eberhard zu bedenken, verunsichere Unternehmen. Die Zeiten, in denen die Grundstücke generell 600 bis 700 Quadratmeter hätten, seien vorbei. »In der Region wird es eng, das müssen wir beachten. Das Gut Boden wird knapper, wir müssen anders mit Ressourcen umgehen.«

Eberhard wies nochmals auf die enorme Kostensteigerung fürs Bauen hin. Das alles spreche für kleinere Einheiten und eine optimale Nutzung. Eberhard: »Wir müssen einen Kompromiss finden.«

Die vorgesehene Fläche für das Wohngebiet West ist 2,5 Hektar groß, liegt im Westen, wird an der westlichen Kante von der Berstädter Straße und im Südosten von der Kurallee begrenzt. Im Nordosten grenzt es ans Bürgerhaus. Geplant ist ein Mix aus Einfamilien- beziehungsweise Reihenhäusern sowie Mehrfamilienhäusern. In den Vorentwürfen begrenzen die Mehrfamilienhäuser den östlichen und südlichen Verlauf des Baugebiets. Ein Wohnmobilstellplatz und ein Gebäude für Betreutes Wohnen sind vorgesehen. In den Plänen tauchen Freiflächen im Kern des Wohngebiets sowie ein Fußgängerweg vom Bürgerhaus durch das Wohngebiet auf.

Mittlerweile sechs Planungsentwürfe

Die sechs Entwürfe der BlfP Planungsgruppe sind von Anpassungen an neue Entwicklungen geprägt. Ab welcher Geschosshöhe der Häuser oder Bebauungsdichte nimmt das Ortsbild des Kurorts Schaden? Für welche Zielgruppe soll gebaut werden? Eine schön gelegene Wohnung mit direktem Zugang zum Kurpark hat seine Reize. Ab wann ist sie für Familien mit mittlerem Einkommen jedoch nicht mehr erschwinglich? Welche Pflöcke müssen eingerammt werden, um die Ressourcen zu schonen und dem Klimaschutzkonzept der Stadt Nidda Rechnung zu tragen? Die jüngste Variante der Planergruppe sieht sieben Mehrfamilienhäuser mit etwa 74 Wohneinheiten und elf Einfamilienhäuser vor. Das entspricht 35 Wohneinheiten pro Hektar.

Dem Ortsbeirat des Kurorts ist die Bebauung zu dicht und zu hoch. Ingo Heller, Mitglied des Gremiums, präsentierte einen Entwurf und Argumente für eine Auflockerung der Bebauung. Durch die Topografie, es gibt einen Höhenunterschied des Geländes von 18,5 Metern, die Höhe und Anordnung der Gebäude wirke die geplante Bebauung nach Ansicht des Ortsbeirats zu wuchtig, sie lasse kaum eine Sichtachse zu, sehe zu wenige Parkplätze vor und lasse nur begrenzt Sonne in das Gelände scheinen. Der Ortsbeirat präsentierte daher einen eigenen, gut strukturierten und detaillierten Entwurf. Christine Jäger (SPD) lobte diesen. Bad Salzhausen sei ein besonderer Stadtteil, bei dem man nicht das Höchstmaß der Verdichtung ansetzen sollte, betonte sie.

Mehr Wände, Dächer und Energie

Für Marcus Stadler von Bündnis 90/Die Grünen war der Entwurf dagegen nicht umsetzbar. Die Planung des Ortsbeirats bedeute mehr Wände, mehr Dächer, mehr Fläche und damit einen höheren Energieverbrauch. »Das ist Bauen in Bad Vilbel in 2000er Jahren.« Zudem sei die Planung sehr autolastig.

Aufgrund der Nähe zum Kurpark stellte Stadler infrage, ob man so viele Grünflächen im Baugebiet und auch den Wohnmobilstellplatz auf dieser wertvollen Fläche benötige. Die Kosten wären durch die Verteuerung für den Durchschnittsverdiener nicht zu stemmen. Ein Nahwärmenetz fehle gänzlich. Stadler plädierte dafür, die Variante 4 weiterzuverfolgen. »Wir brauchen einen Kompromiss«.

Genannte Kriterien sind die Umweltverträglichkeit, die Ressourcenschonung, das Ortsbild und die Erschwinglichkeit. Welcher Grad der Durchmischung mit Ein- und Mehrfamilienhäusern diesen Katalog erfüllt, wurde an diesem Abend nicht geklärt.

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