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»Truppenbildung« in der früheren Isolierstation

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Von: red Redaktion

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Kennen sich seit 25 Jahren: Für das Balkonfoto stehen gemeinsam mit (von links) Sayime Erden, Petra Schönwolf, Heidi Koch-Stengel und Eva Lange die Schulskelette Modell. © pv

Wetteraukreis (red). 1997 wurde in Bad Nauheim die heutige Theodora-Konitzky-Akademie (TKA) als eine der ersten Verbundkrankenschulen Deutschlands gegründet. In einer Zeit, in der Pflegekräfte rar waren und man neue Wege suchte, um die Ausbildungskapazitäten auszuweiten.

Zum Rückblick auf 25 Jahre tragen vier »Auszubildende der ersten Stunde« bei, die den Einrichtungen des inzwischen gegründeten Gesundheitszentrums Wetterau (GZW) bis heute die Treue halten. Insgesamt haben seit der Gründung weit über 1000 Auszubildende die Schule absolviert.

Ende der 80er Jahre unterhielt im westlichen Wetteraukreis lediglich das damals noch kreiseigene Bürgerhospital Friedberg eine Krankenpflegeschule mit 54 Plätzen, häufig mussten Pflegekräfte von weither angeworben werden. Am Hochwaldkrankenhaus in Bad Nauheim entwickelte der seinerzeitige Verwaltungsdirektor und spätere GZW-Geschäftsführer Wolfgang Potinius die Idee zur Gründung einer einrichtungsübergreifenden Verbundkrankenpflegeschule - und es gelang ihm, die Kliniken des Wetteraukreises in Friedberg und Schotten für diese Idee zu gewinnen.

Raum hatte man auf dem Gelände des Hochwaldkrankenhauses gefunden: Dort, in der ehemaligen, 1930 eingeweihten Isolierstation des Krankenhauses, wurde im Erdgeschoss Platz geschaffen für eine Kindertagesstätte, der erste Stock blieb der neuen Krankenpflegeschule vorbehalten.

Unmittelbar nach der Einweihung am 20. März 1997 begann am 1. April der erste Ausbildungskurs. Mit dabei: Sayime Erden, Heidi Koch-Stengel, Eva Lange und Petra Schönwolf. Anlässlich des bevorstehenden Jubiläums hatten sie sich dort verabredet. Es war ein Treffen mit vielen Nostalgiemomenten.

Im Fokus der Erinnerung stand zunächst Klaus Meißner, der 1997 die Leitung der Krankenpflegeschule übernahm und zwei Jahrzehnte behielt. Dass der beliebte Lehrer 2020, drei Jahre nach seinem Wechsel an eine andere Schule, tödlich verunglückte, bekümmert sie bis heute. Die vier Frauen gehörten zu seiner ersten Klasse und wissen noch genau, welchen Wert Meißner als Lehrer darauf legte, alle zu einem Team zu formen. »Wir waren eine homogene Truppe und trotzdem unterschiedlich«, konstatieren sie. Mit 25 Schülerinnen und Schülern startete die Ausbildung 1997, 20 von ihnen bestanden drei Jahre später ihr Staatsexamen. An fünf junge Männer können sich die vier gelernten Krankenschwestern noch gut erinnern.

Für Sayime Erden, Krankenschwester in der Chirurgie am Hochwaldkrankenhaus, war Meißner eine »besonders große Stütze und Motivation«. Sie stieß erst etwas später zur Klasse hinzu, musste viel nachholen. Ihre Schulzeit hatte sie bei Ausbildungsbeginn schon für einige Zeit hinter sich gelassen, das Lernen verlernt. »Herr Meißner machte mir Mut und motivierte mich, alles aufzuholen. Er war unser Lehrvater. Wir haben so viel von ihm mitgenommen«, erklärte sie rückblickend.

Dabei war Klaus Meißner ein durchaus fordernder Lehrer. Regelmäßige Wissensabfragen am Montag führten dazu, dass alle an den Wochenenden büffelten. »Weil wir ihn auch einfach nicht enttäuschen wollten«, räumt Petra Schönwolf ein, die nach der Ausbildung in der Bad Nauheimer Chirurgie, in der Inneren Medizin in Friedberg und ab 2007 in der Bad Nauheimer Notaufnahme tätig war. Seit Kurzem ist sie für das Belegungsmanagement am Hochwald zuständig.

Bei all der Paukerei kam jedoch der Spaß nicht zu kurz. Eva Lange (heute tätig im Schlaflabor in Friedberg) hat das Lesen der »Bravo« im Anatomieunterricht nicht vergessen, das auch schon mal zu roten Ohren führte, die gemeinsamen Frühstücke an Geburtstagen oder die Studienfahrt nach Berlin. Wie sehr solche Aktivitäten die Klasse zusammengeschweißt haben, bestätigte Heidi Koch-Stengel, mittlerweile freigestellte Praxisanleiterin in Bad Nauheim, Friedberg und Schotten.

Beim Rundgang durch die Räumlichkeiten der heutigen TKA fühlten sich die vier Ehemaligen um 25 Jahre zurückversetzt. Obwohl sie teilweise in Bad Nauheim arbeiten, waren sie lange nicht mehr hier - schon gar nicht gemeinsam.

Warum sie selbst dem GZW seit 25 Jahren treu geblieben sind? Auch bei der Antwort auf diese Frage sind die Vier sich einig: Die Atmosphäre sei familiär, man könne auch mal den Standort wechseln, man habe Weiterbildungs- und Entwicklungsmöglichkeiten, die Karriere werde gefördert. Und vor allem: »Es fühlt sich immer heimisch an.«

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