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i-Tüpfelchen für die Familie

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Von: Hanna von Prosch

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Patinnen und Paten, Mütter und Kinder beim fröhlichen Austausch im Müfaz. Das RuFa-Projekt hilft allen. Auch neue Interessierte sind eingeladen. © Hanna von Prosch

2020 startete das RuFa-Projekt der Caritas Büdingen und des Müfaz Bad Nauheim: »Rund um Familie« lebt von ehrenamtlichen Paten, die belasteten Familien mit Kindern stundenweise helfen.

Aus dem ersten Stock des Müfaz hört man schon von Weiten Kinderstimmen und angeregte Erwachsenenunterhaltung. Getränke und Kuchen sind auf den hübsch gedeckten Tischen verteilt. Paten und Patinnen und zwei, die es werden wollen, Mütter mit ihren Kindern, die RuFa-Verantwortlichen und Mitinitiatorin Ute Latzel tauschen ihre Erfahrungen aus. Und die sind gut.

Das Projekt dient der Prävention, es hilft auf einfache und unbürokratische Weise den Familien, in den ersten Jahren mit einem Kind Entlastung und ein wenig Freiraum zu schaffen. »Wir hoffen, das die Förderung durch Land und Wetteraukreis auch im dritten Jahr weitergeht, aber eigentlich steht dem nichts im Wege«, macht die Koordinatorin für Frühe Hilfen im Wetteraukreis, Romy Nickel, Mut.

Spaß und Kinderlachen, Dankbarkeit und Entspannung sind Werte, die auf beiden Seiten Zufriedenheit schaffen. »Ich bleibe dabei«, sagen übereinstimmend die ersten Patinnen und ein Pate, die noch online ihre Schulung an sechs Samstagen absolvieren mussten und jetzt seit rund neun Monaten in ihren Familien eingesetzt sind. Zum Treffen sind auch zwei Neue gekommen. Einer von ihnen ist der bereits ehrenamtlich tätige ehemalige Gymnasiallehrer Dieter Heßler. Er wartet ungeduldig auf die Schulung und will endlich loslegen: »Mir ist es wichtig, sozial aktiv zu sein. Ich habe Spaß daran, mit Kindern umzugehen, und habe mich als vierfacher Großvater wohl auch schon bewährt«, erzählt er.

Beim Müfaz koordinieren Ulrike Strangmann und Chantal Francisco de Sousa Angebot und Nachfrage, bei der Caritas in Büdingen Helga Schäfer. Sie scheinen ein glückliches Händchen bei der Zuordnung zu haben, denn alle sind mit der Wahl zufrieden. »Wir Erwachsenen haben uns sofort verstanden, und auch unsere Tochter hat nach erster Zurückhaltung schnell Vertrauen gefasst«, berichtet Manuela Scholl (Altenstadt) über Patin Christine Leo aus Büdingen. »Mit gefällt es total gut, der Kontakt und dass ich Leben teilen kann«, sagt Leo. Die Qualifikation war für sie sehr hilfreich: »Wir sollen ja Unterstützung geben und nicht die Familien verbessern. Da ist es gut zu wissen, wie man sich verhalten soll.«

Ganz wichtig ist für die Mütter der Austausch mit anderen, die ihre Situation verstehen können. Monika Cisek hat selbst zwei Kinder, vier und sieben Jahre, im November kommt das dritte. Sie arbeitete bis vor Kurzem noch stundenweise und war Patin. »Ich weiß genau, wie das ist, wenn man sich überfordert fühlt oder wie unsicher man beim ersten Kind ist. Aber damals hatte ich keine Hilfe«, sagt sie.

Alleingelassen wird niemand. Dafür sorgen die gut vernetzten RuFa-Verantwortlichen, die zur Stelle sind, wenn es Probleme gibt. »Bei mir gab es keines. Aber als in meiner Familie plötzlich die geflüchtete Oma aus der Ukraine ankam, war ich erst einmal abgeschrieben. Inzwischen läuft alles wieder normal und ich bin sozusagen das Tüpfelchen auf den i«, erzählt Rosel Klös aus Nidda. Sie wechselt jetzt die Familie, weil die Kinder älter als drei Jahre sind.

Für mehr Angebote fehlen die Mittel

Für die RuFa-Mitarbeiterinnen bleiben trotz des großen Erfolgs Wünsche. Zum einen ist die Nachfrage der Eltern weit größer als das Angebot an Paten. Zum anderen geht es um die Finanzierung des Projekts. »Wir hätten gerne mehr Planungssicherheit, denn wir gehen mit allem in Vorleistung, müssen aber jedes Jahr neu auf die Bewilligung warten. Der Anteil des Landkreises ist zudem eine freiwillige Leistung, also immer kürzbar«, beschreibt Müfaz-Geschäftsführerin Ute Latzel die Situation. Nickel wünscht sich im Rahmen der Frühen Hilfen eine unbürokratische haushaltsnahe Unterstützung über RuFa hinaus. Sie weiß, dass es das in anderen Landkreisen schon gibt, aber sie hat keine Mittel dafür.

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