1. Startseite
  2. Region
  3. Wetteraukreis

Über das Vogelsbergwasser und die Artenvielfalt

Erstellt:

Kommentare

hks_SDW-Naturwald-quer_0806
Im Reservat Niddahänge wird der Wald sich selbst überlassen. FOTO: WEIL © Stefan Weil

Der Klimawandel und seine Auswirkungen: Eine Besuchergruppe der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald bereist den Vogelsberg und informiert sich über mehrere Themen.

Schotten (sw). Eine Besuchergruppe der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald (SDW) bereiste unter Führung von Wolfgang Eckhardt, dem Vorsitzenden der Niddaer Sektion, den Vogelsberg. Neben dem Vogelsberggarten in Ulrichstein (der Kreis-Anzeiger berichtete) wurde zahlreiche weitere interessante Punkte angesteuert.

Begonnen hatte die Exkursion im Steinbruch von Michelnau. Wolfgang Eckhardt informierte zunächst über die vulkanische Entstehungsgeschichte des Vogelsberges vor rund 15 bis 20 Millionen Jahren. Der Fledermauswart der SDW Nidda, Adam Strecker (Ranstadt), stellte besondere Hilfsprogramme der Schutzgemeinschaft für die nachtaktiven Tiere vor.

Breiten Raum nahm dann ein Thema ein, das seit mehreren Jahren im Vogelsberg eine große Bedeutung hat: das Vogelsberg-Wasser und die Problematik des Grundwassers und dessen Gewinnung für das Rhein-Main-Gebiet. Hans-Otto Wack, wissenschaftlicher Berater der Schutzgemeinschaft Vogelsberg (SGV) veranschaulichte die durch die Klimaveränderungen entstandenen Probleme für die Grundwasserneubildung. Die gegenüber früheren Jahren geringer ausfallenden Schneefälle, das rasch abfließende Wasser bei Starkregenereignissen und lange Trockenphasen beeinträchtigten die Grundwasserneubildung erheblich. Verstärkt werde die Problematik durch das Abpumpen von großen Grundwassermengen zur Trinkwasserversorgung im Rhein-Main-Ballungsraum.

Selbstversorgung in Ballungsräumen

Wack forderte in diesem Zusammenhang mehr Selbstversorgung in den Ballungsräumen und drastisches Einsparen von Trinkwasser. Durch ein zweites Leistungssystem mit Brauchwasser für Toilettenspülungen könnte das wertvolle und immer knapper werdende Trinkwasser ersetzt werden.

Ein sehr beeindruckendes Beispiel für ein gelungenes Projekt der nachhaltigen Wasserrückhaltung stellten der ehemalige Herbsteiner Revierleiter Dietmar Oefner und Wolfgang Schleich vor. Der Gederner Tiefbauunternehmer hat sich auf das Anlegen von Feuchtbiotopen spezialisiert. Das aus etwa 30 Feuchtbiotopen bestehende Anlagennetz zwischen Herbstein und dem Grebenhainer Ortsteil Ilbeshausen hat sich in den vergangenen Jahren auch zu einem Paradies für zahlreiche Insektenarten, Amphibien und Vögel entwickelt. So dient das Projekt nicht nur der Konservierung des Oberflächenwassers, sondern auch der Artenvielfalt.

Um Klimawandel und die Auswirkungen auf den Wald ging es auch beim Thema Waldmanagement, das der Leiter des Forstamtes Nidda, Bernd Reißmann, in einem Waldstück bei Eichelsdorf skizzierte. Die trockenen Jahre 2018 bis 2020 und die daraus resultierende Borkenkäferplage habe zahlreiche Baumbestände zum Absterben gebracht. »Insbesondere die Fichte ist davon betroffen«, so Reißmann. Er bezeichnete den Umbau des Waldes als vordringlichste Aufgabe - mit Baumarten, die resistent seien gegen höhere Temperaturen und größerer Trockenheit. Mediterane Laubholzarten Eichen und Ahorn seien dafür besser geeignet als Fichten. Auch die Douglasie sollte als neue Art mehr Berücksichtigung finden, um nicht zuletzt die Nachfrage nach Bauholz befriedigen zu können.

Das Reservat Niddahänge

Nach dem Besuch, verbunden mit einer Führung im Naturschutz-Info-Zentrum auf dem Hoherodskopf, erläuterte der stellvertretende Leiter des Forstamtes Schotten, Uwe Prihoda, die Einrichtung des Naturwald-Reservates Niddahänge nordöstlich von Rudingshain in Richtung der Forellenteiche. Hier wird bereits großflächig seit 40 Jahren der Wald forstlich nicht mehr genutzt.

Das idyllisch gelegene Jugendwaldheim Petershainer Hof ist ein Gemeinschaftsprojekt des SDW Hessen und Hessen Forst. Wie Bernd Reißmann in Vertretung des Leiters der Einrichtung, Rainer Hellwig, berichtete, bilden verschiedene Lebensräume des Waldes sowie Streuobstwiesen, Heckenlandschaften, Weiden und Bäche Themenschwerpunkte für die Waldprojektwochen im »außerschulischen Lernort«. Auch spannende praxisbezogene Aktionen wie naturnahes Angeln, Waldrallys oder der Bau von Nisthilfen stehen auf dem »Stundenplan«.

INFO:

Von den Randbereichen aus nahm die Besuchergruppe der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald das streng geschützte circa drei Hektar große Hochmoor »Breungeshainer Heide« in Augenschein. Es ist das einzige seiner Art neben dem Roten Moor in Hessen. Karl-Heinz Zobich vom NABU-Kreisverband Vogelsberg erläuterte die 2017 im Rahmen des Naturschutzgroßprojektes Vogelsberg durchgeführte große Renaturierungsmaßnahme. »Ziel war die Wiedervernässung, um die in der Vergangenheit durch Menschenhand betriebene Entwässerung umzukehren und so das Hochmoor zu erhalten.« Bei den umfangreichen Arbeiten wurden mehr als 50 zwei Meter lange und vier bis fünf Meter breite Spundwände in den Moorboden eingebracht, um die Wassergräben zu schließen. Erste Erfolge hätten sich schon eingestellt, wie Karl-Heinz Zobich betonte. So sind neben mehreren Wasserlöchern auch zwei kleine Teiche an solchen Stellen entstanden, wo in früheren Zeiten Torf abgestochen worden war.

Auch interessant

Kommentare