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Überwindung von Gegensätzen

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Ausstellungseröffnung: Hans Stock mit seiner Tochter Eva Maria, Bürgermeisterin Susanne Schaab und Dr. Jutta Kneißel, Vorsitzende des Kultur- und Geschichtsvereins. © Stefan Weil

Schotten (sw). Im Vogelsberger Heimatmuseum ist eine neue Ausstellung von Werken des Schottener Künstlers Hans Stock zu sehen. Vor zahlreichen geladenen Gästen wurde die Werkschau »Die Überwindung von Gegensätzen« des 95-jährigen Malers und Schottener Ehrenbürgers eröffnet.

Bürgermeisterin Susanne Schaab bezeichnete die im Handdruckverfahren gefertigten Bilder als Schmuckstücke, die in einem mühsamen Herstellungsprozess entstanden seien. »Das Heimatmuseum bildet den passenden Rahmen für die Präsentation der Werke«, betonte Schaab. So sei auch eine enge Verbindung zum Kulturverein hergestellt, dem Betreiber des Museums.

Dessen Vorsitzende Dr. Jutta Kneißel freute sich bei ihrer Begrüßung, die Drucke von Hans Stock in den frisch sanierten Räumen zeigen zu können. »Die Werke gehen zudem als Schenkung in den Besitz des Museums über und sind käuflich zu erwerben«, informierte Kneißel.

Hans Stocks Tochter Eva Maria Woitun trug seine interpretatorischen Gedanken zur Ausstellung vor. Zwölf sogenannte Monoprints, in mehreren Druckvorgängen hergestellte, nicht wiederholbare Unikate sind zu sehen. Die Bilder seien eine Hommage an Johannes Itten, den großen Bauhauslehrer, der auch den künstlerischen Werdegang von Hans Stock stark geprägt hat.

Auf den ersten Blick bestehe aber kaum ein Zusammenhang zwischen der Farbenlehre Ittens und den gezeigten Unikatdrucken, die überwiegend in schwarz-weißen Kontrasten gestaltet sind. »Die Überwindung von Gegensätzen bringt uns hier auf die Spur«, so Eva Maria Woitun. Ittens Farbenlehre sei vor allem eine Lehre über Kontraste und deren Ausgleich gewesen, nicht nur der Farbe, sondern auch der Form. Itten, der in seiner philosophischen Grundhaltung stark vom Zen-Buddhismus beeinflusst war, ging es um die Vermeidung von Extremen. Nach seinem Verständnis sei der Ausgleich der Kontraste anzustreben.

Dynamisches Bilderleben

Hans Stock hat seine Printwerke als Prozess in mehreren Schichten und Strukturen geschaffen. Ein kreativer Prozess, der philosophisch auf den Gedanken Heraklits fußt, der Realität als Einheit von Gegensätzen auffasst und die nicht dauerhaft, feststehend verortet, sondern ständig im Fluss ist. Der Schottener Künstler hat sich bei seinen Monoprints prozesshaftes Arbeiten zu eigen gemacht. Die Drucke entstehen in mehreren Schichten aufgrund seiner gegensätzlichen Betrachtung. Mit verschiedenen Bildzeichen will er zwischen den Kontrasten vermitteln.

Mit der Fertigstellung des Bildes ist dieser Prozess noch nicht beendet. »Der Betrachter soll durch kreatives Erforschen vor dem Hintergrund der eigenen Erfahrungen zur eigenen Realität und Wahrheit finden, zur tieferen Erkenntnis der Kontraste und Bildzeichen«, will Stock motivieren.

Seine bildnerischen Zeichen, die er verwendet, legt er für den Betrachter durchscheinend durch teils mehrschichtige Transparenz an, um so dessen mehrdimensionales Bewusstsein anzusprechen. So mag der Betrachter manchmal gegenständliche Bezüge erahnen oder Strukturen und Texturen, die in Verbindung mit individuellen Erfahrungen zu neuen Sinnzusammenhängen führen können.

Stock spricht in diesem Zusammenhang von einem »dynamischen Bilderleben«, das das Kunstwerk über die statische Diskussion von Abbild und Idee des Künstlers hebt.

Die Bildzeichen, die Hans Stock verwendet, sind »offen« angelegt, um den Interpretationsspielraum des Betrachters zu erhalten. Die Natur abbildende oder künstliche Zeichen würden diesen Effekt einschränken. Ebenso die Verwendung abstrakter Darstellungen, die der Betrachter als fest codierte Zeichen für bestimmte Formen interpretieren könnte, wie zum Beispiel ein großes Oval mit vier Strichen unten und ein kleines Oval oben links für ein Tier.

»Das Kunstwerk kann und will nichts Bestimmtes bedeuten«, zitiert Hans Stock den deutschen Philosophen Hans Stegmaier. »Ein Kunstwerk soll nicht nach vorgegebenen Normen gedeutet werden, sondern sucht Aufmerksamkeit zu erregen, sodass es beim Betrachter eine kreative Kommunikation anstößt.«

Stock sieht sein »offenes Kunstwerk« in Anlehnung an Umberto Eco und die darin abgebildete »fruchtbare Unordnung«, wie es der Zen-Buddhismus lehrt, als Chance zur persönlichen Weiterentwicklung jenseits »der Komfortzone des Deutens bekannter Zeichen«. Das ermögliche aus lern- und hirnforscherischer Sicht Wachstum und Entwicklung, eine Möglichkeit zur Selbstfindung und Autonomie.

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