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Unruhe in Belegschaft, Fassungslosigkeit bei Verdi

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Von: Marc Schäfer

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Gießen (mac). Der Betriebsrat des Uniklinikums Gießen-Marburg (UKGM) und die Gewerkschaft Verdi haben mit Bestürzung auf die Pläne des UKGM-Krisenstabs reagiert, Corona positive Mitarbeiter, die sich selbst arbeitsfähig fühlen, auf freiwilliger Basis in der Klinik arbeiten zu lassen. »Der Versuch des Arbeitgebers, Corona positive Kollegen einzusetzen, macht mich fassungslos«, sagt Verdi-Sekretär Fabian Dzewas-Rehm gegenüber dem Hessischen Rundfunk (HR).

Es könne nicht sein, dass Beschäftigte angehalten werden, krank zu arbeiten. Der Versuch zeige zudem, wie angespannt die Situation am UKGM sei. »Niemand kann einen weiteren Personalabbau verantworten.«

Aus diesem Grund hatte Verdi bereits lange vor Bekanntwerden der Maßnahme zum Warnstreik der nicht-ärztlichen Beschäftigten für Dienstag, und Mittwoch aufgerufen.

Auch in der Belegschaft des UKGM stößt die Maßnahme des Krisenstabs auf Kritik. Der Betriebsratsvorsitzende Marcel Iwanyk sprach gegenüber dieser Zeitung von einer »massiven Unruhe in der Belegschaft« und erklärte, manche Mitarbeiter würden bereits überlegen, nicht zur Arbeit zu kommen, wenn sie wüssten, dass sie mit positiven Kollegen eingeteilt seien. »Man wurde zwei Jahre darauf gedrillt, alle Hygienemaßnahmen zu beachten, weil Corona gefährlich ist - und jetzt dieser Schritt. Dafür gibt es kein Verständnis. Die Sorgen sind groß«, sagte Iwanyk.

In einem Newsletter an die Beschäftigten hatte das UKGM am Mittwoch mitgeteilt, man befinde sich in einer kritischen Versorgungslage. Prof. Werner Seeger, der Ärztliche Geschäftsführer, sprach später von einem »noch nie dagewesenen Personalausfall« in allen Bereichen der Klinik. Um die Patientenversorgung aufrechtzuerhalten, sollten daher positiv getestete Mitarbeiter mit FFP2-Maske in der Patientenversorgung arbeiten - wenn möglich aber außerhalb vulnerabler Bereiche.

UKGM rudert zurück

Am gestrigen Freitag ruderte das UKGM zurück und konkretisierte das Vorgehen gegenüber den Beschäftigten in einem weiteren Rundschreiben. »Wir haben als interne Umsetzung Folgendes festgelegt: Tätigkeiten mit direktem Patientenkontakt können erst aufgenommen werden, wenn der täglich durchzuführende Antigenschnelltest (als Selbsttest) negativ ist. Tätigkeiten auch auf Stationen und in anderen Bereichen ohne direkten Patientenkontakt können dagegen, wie im Erlass definiert, bei Symptomfreiheit und auf freiwilliger Basis durchgeführt werden.«

Der »Erlass zur Aufrechterhaltung der Patientenversorgung in den hessischen Krankenhäusern bei quarantäne- bzw. isolationsbedingtem Personalausfall« der Landesregierung erlaubt den Einsatz von Corona positiven Mitarbeitern unter speziellen Bedingungen, zum Beispiel dem konsequenten Tragen einer FFP2-Maske.

Seeger äußerte sich am Freitag zum aktuellen Personalausfall: »Im Vergleich zum bisherigen Höchstwert im Dezember 2020 liegen wir gegenwärtig bei dreifach höheren Werten.« In der Sterilisationsabteilung fehlten laut Seeger am Mittwoch zum Beispiel aufgrund von Erkrankungen, Urlauben und Dienstsperren durch vorangegangene Nachtdienste 60 Prozent der Mitarbeiter. »Dies führte zu einer dramatischen Funktionseinbuße des Sterilisationsbereiches mit der Konsequenz, das gesamte OP-Programm zu stoppen und weitestgehend nur auf die Durchführung der absoluten Notversorgungseingriffe auszurichten«, sagte Seeger. Elektive Eingriffe seien aber nicht beliebig zu verschieben, ihr Aussetzen habe vielfach ebenfalls kritische Nachteile für die Patienten. »Somit ist für jeden nachvollziehbar, dass ein solcher Funktionsverlust unausweichlich mit Patientengefährdung verbunden ist und unter Einsatz aller Reserven behoben werden muss.« Risikoabwägung bedeute somit, dass eindeutig weniger Patientengefährdung zu erwarten sei, wenn in diesem Bereich unter Wahrung aller Schutzmaßnahmen symptomfreie Mitarbeiter mit Infektion eingesetzt würden, als dass auf diese Maßnahme verzichtet würde mit hieraus resultierender Unterversorgung kritischer Patienten.

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