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Unser Dorf hat Zukunft: Ganz Diebach »uff de Gass«

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leo_diebach2_200522_4c © Björn Leo

Diebach am Haag ist die einzige Ortschaft im Wetteraukreis, die am Landeswettbewerb »Unser Dorf hat Zukunft« teilnimmt. Der Besuch der Bewertungskommission ist der vorläufige Höhepunkt.

Großer Bahnhof auf dem Mehrgenerationenplatz: Kreisbeigeordneter Matthias Walther, Büdingens Erste Stadträtin Katja Euler, Margit Bopp vom Dorfverein und Ortsvorsteher Waldemar Steinbring haben ihre liebe Mühe, den Überblick zu behalten. Es ist der vorläufige Höhepunkt der Teilnahme am Landeswettbewerb »Unser Dorf hat Zukunft«. Die Bewertungskommission unter der Leitung von Stefan Cichosz ist da. Sie will wissen: Wie steht’s um das Miteinander im Ort? Was sind die Besonderheiten? Wird Vergangenes bewahrt, ohne den Blick in die Zukunft zu vernachlässigen? Ob Diebach am Haag das Zeug zum Preisträger hat, wird in einer Woche am 27. Mai bekannt gegeben. Die Siegerehrung findet jedenfalls am 9. Juli im Gewinnerdorf statt. Im besten Fall wird der Wettbewerbsbeitrag mit 5000 Euro prämiert.

Der erste Eindruck

Stefan Cichosz, Beate Heid, Stefanie Auer, Dr. Manfred Schmidt und Friedhelm Beckmann bekommen recht flott einen Eindruck davon, was Diebach auszeichnet. Das Dorf soll an der Ysenburgroute Entree zur Landesgartenschau in fünf Jahren werden - das Vorhaben passt hervorragend zu dem Areal am Ortsrand, wo es bereits Wohnmobilstellplätze, einen Rastplatz und einen Treffpunkt für die Dorfbevölkerung gibt. Den Ausblick auf die Ronneburg gibt’s gratis dazu. Zudem sind weitere Aktivitäten geplant.

Unterwegs erläutert Achim Gerth seinen landwirtschaftlichen Betrieb, den er mit Hingabe führt. Ein Eis aus eigener Herstellung sorgt beim schwülem Sommerwetter für eine Erfrischung. Im Ronneburger Weg steht ein sanierter Gewölberaum auf dem Anwesen Köhler im Fokus. Wolfgang Büttner, der Apfel-King, wird ihn demnächst als Veranstaltungsort für seine Lesungen nutzen. An diesem Donnerstag reicht er seinen Krimi-Gin.

Der Dorfrundgang, den Norbert Jakob moderiert, offenbart auch direkt eine Stärke. Diebach am Haag begreift sich längst als Teil einer Gemeinschaft, die über die Gemarkungsgrenzen hinausgeht. So präsentiert sich am Donnerstag auch die Nachbarschaft aus Lorbach, Vonhausen und Eckartshausen. Zudem sind Delegationen jener Vereine vor Ort, die sich um die Pflege des kulturhistorischen Erbes des Herrnhaags, der Hardeck und der Ronneburg kümmern.

Kita und Schule sind mittendrin

Sowohl die Mädchen und Jungen des Diebacher Kindergartens »Bärenhöhle« als auch die der Eichbaumschule aus Vonhausen heißen die Kommission willkommen. Es ist gewiss keine Selbstverständlichkeit, dass Schulleiterin Frauke Draguhn und ihr Kollegium eine Unterrichtseinheit auf die Herrnhaager Straße ins Nachbardorf verlegen. Die Kinder scheuen das Gespräch mit Kommissionsleiter Stefan Cichosz nicht, erzählen ihm von ihren Wünschen, überreichen kleine Geschenke und setzen sich für Frieden in der Ukraine ein. Ohne Frage ein starkes Zeichen der Schulgemeinschaft.

Kerstin Schäfer stellt das »Dorfgebabbel« vor, die kleine, aber feine Broschüre, in der über das Leben in Vonhausen, Diebach und Lorbach berichtet wird. »Regelmäßige Vereinsaktivitäten schaffen ein Gefühl der Dazugehörigkeit und stärken die Dorfgemeinschaft. Ohne das gehen das Herz und die Seele eines Dorfes verloren«, schreiben die drei Ortsvorsteher im Vorwort der ersten Ausgabe des Jahres. Wie sich das im Ronneburger Hügelland auch 2022 noch darstellt, davon erzählt dieser herrliche Tag im Mai.

Karl-Heinz Engel berichtet am geöffneten Backhaus von den Aktivitäten des Obst- und Gartenbauvereins. Engel, der seit 40 Jahren den Anheizer des Ofens gibt, bietet mit Kollegen Zwetschgen-Brand an, zudem reicht Margit Bopp mit Käse überbackene Knusperstangen - regionale Spezialitäten mit Diebacher Label.

Vom Zusammenhalt dreier Feuerwehren und einer Verjüngung der Einsatzabteilungen berichtet Felix Schulter. Dass auf seinem Poloshirt »Feuerwehr Büdingen - Löschzug Herrnhaag« zu lesen ist, sagt alles. »Diebach, Lorbach und Vonhausen verstehen sich als Einheit. Wir organisieren zusammen, üben gemeinsam und fahren miteinander zum Einsatz«, schildert das Diebacher Vorstandsmitglied der Kommission. Selbstredend erwarten die drei Wehren den geplanten Neubau des Feuerwehrhauses für die Dörfer, der in Diebach erfolgt. Eifersüchteleien und Missmut, wie sie zum Teil in anderen Orten zu registrieren sind, die ihr Gerätehaus im Zuge der Neustrukturierung der Feuerwehren verlieren, gibt es im Süden der Großgemeinde nicht.

Junges Leben im alten Haus

Das dichte Ortsbild offenbart kaum Leerstand. Die historische Bausubstanz präsentiert sich größtenteils in gutem Zustand. Junges Leben im alten Haus - dafür steht Familie Kerber, die beim Rundgang ihre Geschichte erzählt. Vor zweieinhalb Jahren sind Benjamin und Laura Kerber von Gründau nach Diebach gezogen. Das Fachwerkhaus aus dem Jahre 1718, das sie gekauft haben, ist mustergültig saniert worden. »Unsere Kinder sollen sicher und behütet aufwachsen können. In Diebach geht das«, schildert Benjamin Kerber einen Grund, sich im Dorf niederzulassen. Seiner Familie sind zudem die gute Infrastruktur, die Nähe zur Natur und der anstehende Glasfaserausbau wichtig. Drei Töchter hat das junge Paar. Josefine, mit einem Jahr die Jüngste, macht angesichts des Trubels auf der Straße große Augen.

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leo_diebach4_200522_4c © Björn Leo
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leo_diebach3_200522_4c © Björn Leo
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leo_diebach8_200522_4c © Björn Leo

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