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Verbleib der Altenstädter Funde entscheidend

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Von: Jürgen W. Niehoff

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Noch bis Juni sollen die Ausgrabungen in Altenstadt fortgeführt werden. Der SPD-Fraktionsvorsitzende Jan Voß unterhält sich hier mit Grabungsleiter Roland König über Fundstücke. © Jürgen W. Niehoff

Ein Museum für Altenstadt? Für die SPD ist dieser Gedanke nicht weit hergeholt angesichts der historischen Funde bei archäologischen Grabungen in jüngster Zeit. Eine große Rolle spielt die Frage, wo die Artefakte verbleiben werden.

Warum kein Museum? Wo und wie anders können wir unseren Mitbürgern klarmachen, dass schon die alten Römer sich in dieser Gegend wohlgefühlt haben?«, begründet der Altenstädter SPD-Fraktionsvorsitzende Jan Voß einen Vorstoß seiner Partei für ein Museum in Altenstadt. Hintergrund der Überlegungen sind die Entdeckungen, die bei archäologischen Grabungen am Ortsrand gemacht worden sind.

Ein Museum müsse kein festes Gebäude sein, »auch wenn dies natürlich schöner wäre«, so Voß, weil darin dann auch kulturelle Veranstaltungen jeder Art stattfinden könnten. Und die Gemeinde müsse das auch nicht bezahlen oder unterhalten. Für das nötige Geld könne beispielsweise auch ein neu gegründeter Museumsverein sorgen, findet Voß.

Auch Investor soll nicht abgeneigt sein

Sogar der Investor Revikon, der auf dem Grabungsgelände am Ortsausgang an der Frankfurter Straße ein Einkaufszentrum mit Ärztehaus und Wohneinheiten plant, sei der Idee nicht abgeneigt. Bei anderen Bauvorhaben seien von dieser Seite jedenfalls Räume für ein derartiges Vorhaben auch schon mal zur Verfügung gestellt worden. »Eignen würde sich dafür beispielsweise der Eingangsbereich des Ärztehauses. Da ist viel Publikumsverkehr und da kann man auch schon mal stehen bleiben und einen Blick auf die Vergangenheit werfen«, schlägt Voss vor.

Fundstücke vor allem aus der Römerzeit - etwa alte Keramik, Brunnen und sogar Weinfässer - hat es in jüngster Zeit in beachtlicher Form gegeben, weil vor rund 2000 Jahren ein römisches Kastell auf dem Gebiet des heutigen Altenstadt angelegt worden war und es deshalb auch die Familien der Legionäre in diese Gegend gezogen hatte.

In der Sitzung der Gemeindevertretung Anfang Dezember vergangenen Jahres wurde auf Antrag der SPD der Beschluss gefasst, dass der Gemeindevorstand beauftragt wird, zu eruieren, ob die Fundstücke, die sich mittlerweile zum größten Teil in Wiesbaden bei den Landesarchäologen befinden, wieder in die Gemeinde zurückgeholt werden können. Ferner sollte geschaut werden, ob für ihre Aufbewahrung ein entsprechender Ort gefunden werden kann. Die antragstellende Fraktion - gemeint ist die SPD - erklärte sich jedenfalls bereit, mit den örtlichen Kultur- und Geschichtsvereinen Kontakt wegen der möglichen Betreuung der Fundstücke aufzunehmen. Dieser Beschluss war mehrheitlich gefasst worden - auch mit den Stimmen der CDU-Fraktion.

Deren Fraktionsvorsitzender Sven Müller-Winter gibt sich derzeit abwartend. »Noch liegen mir keine aktuellen Informationen vor, ob die Fundstücke nun wieder zurück nach Altenstadt kommen und wer sie dann betreuen soll.« Dazu habe sich die antragstellende SPD noch nicht näher geäußert. Müller-Winter möchte vor einer abschließenden Meinungsbildung in seiner Fraktion erst noch diese Frage beantwortet haben, bevor weitere Erörterungen in den politischen Gremien stattfinden könnten. Allerdings scheint er im Hinblick auf die Pläne der SPD nicht grundsätzlich abgeneigt zu sein.

FDP-Fraktionsvorsitzende Natascha Baumann spricht sich ebenfalls für den Erhalt von Kultur und Geschichte der Gemeinde aus, gerade im Hinblick auf die nachfolgenden Generationen. Aber auch sie macht die Entscheidung ihrer Fraktion von weiteren Informationen zu Standort, Kosten und Unterhalt abhängig.

Grünen-Sprecher Karl Ventulett geht einen Schritt weiter und macht schon konkrete Vorschläge: »Die Entdeckung zweier römischer Brunnen könnte man gut mit dem Aspekt »drohender Wassermangel selbst in der Wetterau« verbinden. Mindestens einer dieser Brunnen sollte erhalten und - abdeckt durch eine Glasplatte - sichtbar bleiben. Tafeln in unmittelbarer Nähe, zum Beispiel eingelassen in die Fassade des geplanten Ärztehauses, »könnten über die Ausgrabungen berichten und über Sinn und Zweck der römischen Siedlung in unserem Ort informieren«.

Im Austausch mit Kreisarchäologen

Und auch Bürgermeister Norbert Syguda (SPD) beschäftigt das Thema seit Monaten. »Aufgrund einiger bedeutender Funde aus der Römerzeit hat sich nun auch das Amt für Denkmalpflege, Abteilung Hessen-Archäologie, eingeschaltet und möchte die Fundstücke in Wiesbaden behalten.« Darüber hinaus sei er im ständigen Austausch mit Kreisarchäologe Dr. Jörg Lindenthal, denn auch die Wetterau betreibt natürlich archäologische Denkmalpflege und hat Interesse an den Stücken. Deshalb müsse zuerst geklärt werden, ob sie tatsächlich nach Altenstadt wieder zurückkehren. »Erst dann könne man über alles Weitere diskutieren.«

Jan Voß zeigt sich nach einem Besuch der Fundstelle, auf der noch bis Juni gegraben werden soll, jedenfalls hoffnungsvoll: »Aber es müssen, so wie es aussieht, noch sehr viele dicke Bretter durchbohrt werden bevor unsere Schätze hier in der Gemeinde gezeigt werden können.« VON JÜRGEN W. NIEHOFF

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