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Der langjährige Pfarrer der Sankt–Bonifatius-Kirche ist freigestellt worden. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen den 64-Jährigen.

Staatsanwaltschaft ermittelt

Verdacht auf sexuellen Missbrauch: Pfarrer freigestellt - Gemeinde schockiert

Schock in der katholischen Pfarrgruppe Karben. Das Bistum Mainz hat deren langjährigen Pfarrer freigestellt. Denn die Staatsanwaltschaft Frankfurt ermittelt gegen den Geistlichen wegen des Verdachts auf sexuellen Missbrauch von Schutzbefohlenen. Viele Gemeindemitglieder sind fassungslos.

Wer derzeit die Aushangkästen an der katholischen St.-Bonifatius-Kirche im Karbener Weg liest, stößt auf viele durchgestrichene Veranstaltungen. An der Eingangstür zur Kirche wird darauf hingewiesen, dass die Mittwochsgottesdienste bis auf Weiteres ausfallen. Das hat seinen Grund: Das Bistum Mainz hat den langjährigen katholischen Pfarrer von allen Aufgaben freigestellt.

In den Gottesdiensten am Pfingstwochenende wurde folgende offizielle Erklärung verlesen: "Das Bistum Mainz hat den Pfarrer der Pfarrgruppe Karben von allen priesterlichen Diensten freigestellt. Es stehen Vorwürfe im Raum, die derzeit durch die Staatsanwaltschaft Frankfurt überprüft werden. Gemäß Leitlinien der Deutschen Bischofskonferenz für den Umgang mit sexuellem Missbrauch bleibt der Pfarrer bis zur Klärung der Vorwürfe vorläufig beurlaubt. Im Sinne aller Beteiligten können – wie bei laufenden Verfahren üblich – keine weiteren Aussagen gemacht werden."

Karben: "In der Kirche herrschte fast Totenstille"

"In der Kirche herrschte fast Totenstille, man hätte eine Stecknadel fallen hören können", berichtet eine Gottesdienstteilnehmerin. Egal, wen man in diesen Tagen fragt: "Die Leute stehen unter Schock", beschreibt es ein Senior, der die Gemütslage innerhalb der 4700 Mitglieder starken Gesamtgemeinde kennt. Denn zweifelsohne sei der 64-jährige Pfarrer "sehr beliebt" gewesen.

Diejenigen, die nicht in den Gottesdiensten an Pfingsten waren, wurden bei einer Gemeindeversammlung am vergangenen Sonntag informiert. Weihbischof Udo Markus Bentz hat sich bedauernd darüber geäußert, dass der Pfarrer in den kommenden Wochen seinen priesterlichen Dienst in der Pfarrei nicht ausüben könne. Er bittet die Gemeindemitglieder, die Diskretion zu respektieren.

Verdacht des sexuellen Missbrauchs von Schutzbefohlenen

Oberstaatsanwältin Nadia Niesen bestätigt gegenüber dieser Zeitung, dass man ein Ermittlungsverfahren wegen des Verdachts des sexuellen Missbrauchs von Schutzbefohlenen eingeleitet habe. Weitere Angaben wollte sie angesichts des so frühen Stadiums der Ermittlungen nicht machen. Es könnten auch keine Angaben dazu gemacht werden, ob es nach Abschluss der Ermittlungen überhaupt zu einer Anklageerhebung kommen werde.

Generalvikar und Weihbischof Bentz teilte mit, dass der Pfarrer "sich für die Zeit seiner Beurlaubung zurückgezogen" habe und nicht im Pfarrhaus wohnen werde. In der Tat ist der Briefkasten des Pfarrers zugeklebt.

Wie Recherchen ergeben haben, soll der Pfarrer Anfang Juni nach Mainz einbestellt worden sein, wo ihm die Vorwürfe und seine Beurlaubung mitgeteilt worden sein sollen. Bis zum darauffolgenden Pfingstwochenende hat der Geistliche seine Wohnung auf dem Gelände der Bonifatius-Kirche verlassen. Mit der Vertretung der priesterlichen Aufgaben wurde der Heldenberger Pfarrer Thomas Korfmann beauftragt. Zudem wird zum Juli, wie jedes Jahr, ein afrikanischer Pfarrer nach Karben kommen, um die Ferienvertretung zu übernehmen. Die administrativen Aufgaben werden von Gemeindesekretärin Gertrud Hintz bewältigt. Bei ihr steht das Telefon kaum still. Sie berichtet von einer "großen Unruhe in der Gemeinde".

Von Holger Pegelow

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