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Die neue BI kämpft für den dauerhaften Erhalt des Freibads.

Petition gestartet

Neue Bürgerinitiative fordert den langfristigen Erhalt des Freibads

Die Sorge um die Zukunft des Freibads in Bad Vilbel ist groß. So groß, dass sich nun die Bürgerinitiative "FreiBadVilbel" gegründet hat. Sie fürchtet, die Stadt vernachlässige die in die Jahre gekommene Anlage. Die Verantwortlichen reagieren prompt.

Bad Vilbel – In Bad Vilbel gibt es eine neue Bürgerinitiative, die sich für die Sanierung und den Erhalt des Freibads in der Huizener Straße stark macht. Online haben sich knapp 1000 Menschen ihrer Petition angeschlossen. "FreiBadVilbel" heißt die Gruppe, die sich am Montag der Presse vorgestellt hat. Ralf Knirsch ist einer der Initiatoren. Er sagt: "Die vordringliche Motivation für unsere Gründung war, dass wir nicht wollen, dass dem Freibad das Gleiche widerfährt wie dem Hallenbad." 

Er meint damit eine aus seiner Sicht "schleichende Stilllegung". Das Bad Vilbeler Hallenbad wurde 2018 geschlossen und abgerissen. An seinem ehemaligen Standort in der Niddastraße wird die neue Stadthalle gebaut. Als Ersatz für das Hallenbad ist ein Teil des geplanten Kombibads vorgesehen. In dem Gebäudekomplex, den die Wund-Gruppe am Rande der Kernstadt errichten will, soll neben einer Therme auch ein Kommunalbad untergebracht sein, das Vereinen und Schulen offen steht. 

Der Baustart hat sich durch den tragischen Tod des Investors aber auf unbestimmte Zeit verschoben. Die Bürgerinitiative ist nun in Sorge, weil das Kombibad-Projekt maßgeblich die Zukunft des alten Freibads mitbestimmt. Entstehen soll auch ein neues Freibad, das separat vom Rest der Anlagen besuchbar sein soll. Der Magistrat plant so, auf lange Sicht das bestehende Freibad, das 1936 eröffnet wurde, zu ersetzten. Noch sind das aber Gedankenspiele, wie es aus dem Rathaus heißt. Bürgermeister Thomas Stöhr (CDU): "Auch nach dem Bau der Therme soll das Freibad erhalten bleiben. Ein Abriss steht für uns aktuell nicht zur Disposition."

Zeitplan komplett offen

Was nicht bedeutet, dass das Freibad auf alle Zeit vor einer Schließung sicher ist, wie Stadtsprecher Yannick Schwander auf Nachfrage erklärt. Aber erst, wenn ein neues Freibad betriebsbereit sei, komme auf den Tisch, wie es mit dem alten weitergehe. Ob und wann es weichen muss, müsse dann diskutiert werden. Ausgang offen.

Unklar bleibt, wie der Zeitplan aussieht. Durch die Verzögerungen im Planungsverfahren des Kombibads seien seriöse Aussagen zu den zeitlichen Abläufen nicht möglich, sagt Schwander. Bekannt ist, dass Therme und Kommunalbad zuerst gebaut werden und dass das neue Freibad in einem zweiten Schritt kommt. Die Initiative ist mit den Antworten des Magistrats nicht zufrieden. Mit solchen Aussagen wolle die Stadt "Sand in die Augen der Bad Vilbeler streuen", sagt Knirsch. "Es heißt nicht, dass es einen adäquaten Ersatz geben wird. Das Kombibad ist kein Ersatz für dieses Freibad." Gegen das Projekt Kombibad habe die Initiative nichts. "Aber genug Liegefläche und Außenanlagen, um das Freibad ersetzen zu können, gibt es dort nicht." Flächen seien vorhanden, erwidert der verantwortliche Stadtrat Klaus Minkel (CDU), mit Zahlen müsse er sich aber noch zurückhalten.

Dass weiterhin überhaupt nicht klar sei, wann mit dem Bau des Kombibades begonnen werde, verunsichert Knirsch und Co. Die Initiative befürchtet, dass das Freibad, bis es so weit ist, langsam verfalle und aufgrund dessen schließlich geschlossen werde, wenn das Kombibad da ist.

"Bis 2017 gab es ein Förderprogramm des Landes für die Erneuerung von Schwimmbädern. 2019 legt das Land Hessen erneut so ein Programm auf. Warum bewirbt sich die Stadt dort nicht?", moniert Knirsch. Schließlich gebe es einige Probleme im in die Jahre gekommen Freibad. Die Duschen hielten das warme Wasser nicht, im Umkleideraum für die Mädchen gebe es nur eine Steckdose und einen Spiegel. Sonderlich ansehnlich seien die sanitären Anlagen auch nicht. Deshalb halte man auch wenig von der Pressemitteilung, die die Stadt einige Stunden zuvor veröffentlicht hatte.

Modernisierung wird geprüft

In dem Schreiben wirbt Bürgermeister Stöhr, es sei viel getan worden. Winter und Frühjahr habe man genutzt, um eine "moderne Mess- und Regelanlage" für das Chlor, die aus dem alten Hallenbad stammt, im Freibad einzubauen. Die komplette Liegewiese sei von einer Fachfirma belüftet worden, um der starken Beanspruchung entgegenzuwirken. Zudem sei neues Gras gesät und Unebenheiten und Löcher seien beseitigt worden. Für die Terrasse hat die Stadt neue Liegen angeschafft, und die zwölf Bänke entlang des Schwimmerbeckens wurden komplett erneuert. Stöhr: "Zudem haben wir rund um das Planschbecken drei große Sonnenschirme aufgestellt, um dort für mehr Schatten zu sorgen." 

Das zähle alles nicht als Erneuerungen oder Investitionen, findet Knirsch: "Die Bänke haben ein paar neue Holzplanken bekommen und die Liegen sind auch keine große Verbesserung für das Bad." Größere Maßnahmen sind laut Minkel aber angedacht. Er hat sich in einem Antwortschreiben an die Initiative gewandt, um die Wogen zu glätten. Darin sagt er, dass er eine umfangreiche Modernisierung der Becken und der Nebenanlagen gründlich prüfen lasse. Das schließe auch Anlagen für Solarwärme ein. Wann mit dieser "Ertüchtigung", wie Minkel es nennt, zu rechnenen ist, bleibt offen. Oberste Priorität hat demnach das Kommunalbad – Baustart unbekannt. Bis dieses fertiggestellt ist, wird wohl nichts passieren. Die Stadt hat zurzeit bis zu 200 Ausschreibungen zu bewältigen. Schwander: "Irgendwann haben wir die Grenzen unserer Kapazität erreicht."

Von Niklas Mag und Alexander Gottschalk

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