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Über diese beiden Spuren dürfte ein Großteil der 13 000 Fahrten pro Tag die Smart-City ansteuern. Wer den Bad Vilbeler Berufsverkehr kennt, kann sich das kaum vorstellen.

Verkehrsanbindung ein großes Problem

Bauausschuss verabschiedet weitere Baupläne zur Smart-City

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Das größte Bauprojekt in der Stadt, Spring Park Valley, ist noch nicht mehr als ein Plan. Dieser beschäftig die Ausschüsse jedoch zuverlässig. So auch in der jüngsten Sitzung des Planungs-, Bau- und Umweltaussschusses. Während einige Pläne große Lust auf das Mega-Projekt machen, wird die Verkehrsfrage zum gordischen Knoten

Bad Vilbel - Ernüchtert singt Jens Völker (CDU) in seinen Stuhl. Mehrere Minuten lang hat der Vorsitzende des Bauausschusses einen ausführlichen Vortrag von Claas Behrendt gehört. Detailreich stellte der Bauingenieur vom Stadtplanungsbüro IMB-Plan die Verkehrssituation rund um Bad Vilbel vor. Karte für Karte, gespickt mit etlichen Zahlen, flimmern an den Bauausschussmitgliedern vorbei. Doch die Aussage ist eindeutig: Berufsverkehr in Bad Vilbel bedeutet Stau, sehr viel Stau. Und Claas Behrendt hat die undankbare Aufgabe eine Verkehrsanbindung für die geplante Smart-City im Quellenpark zu erarbeiten.

Insgesamt 4000 bis 4200 Stellplätze sind dort geplant. Mit 13 000 Fahrten pro Tag rechnet der Planer. Wo die eines Tages entlangfahren sollen, ist schon seit vielen Jahren sichtbar. Von der B3 auf die Nordumgehung fahrend, ist es die erste der bisher ins Nichts führenden Kreuzungen, von der es rechts auf das neue Areal gehen soll. Jens Völker stöhnt. "Die Flasche ist voll", betont er. Und der Ausschuss gibt ihm recht. Längst ist die Stadt dem Verkehrskollaps nahe.

Um eine Lösung zu finden, hat das Planungsbüro Verkehrszählungen vornehmen lassen. Nicht nur in Bad Vilbel. Aus dem gesamten Bereich zwischen der A5, der A66 und der A45 griffen sie auf Zahlen zurück und analysierten die Verkehrsflüsse genau. Mit einer simplen Erkenntnis, die Jens Völker gerne wiederholt: "Die Flasche ist voll!"

Wie Behrendt ausführt, sollen die Bedingungen für Radfahrer in der Smart-City optimal gestaltet werden, auch Fortbewegungsmittel der Zukunft sollen im Konzept eine Rolle spielen, doch mit Blick auf den zu verabschiedenden Bebauungsplan spielen noch nicht erfundene Verkehrsmittel kaum eine Rolle. Es sei ein konservativer Ansatz für ein innovatives Konzept, erläutert Behrendt.

Und dieser konservative Ansatz kämpft mit seinen Belastungsgrenzen. Eine Hoffnung bleibt jedoch: Solle irgendwann einmal der Frankfurter Riederwaldtunnel eröffnet werden, erhofft sich die Stadt eine entscheidende Entlastung. Doch bis es soweit ist, muss der Bauausschuss viel Kreativität aufbringen, um sich vorzustellen, wie 13 000 weitere Autos in Bad Vilbel vernünftig rollen sollen.

Abbiegespur durchziehen

Einen konkreten Vorschlag hat Behrendt schließlich doch noch zu machen: So plädiert er dafür die Rechtsabbiegerspur von der B3 kommend als weitere Spur auf der Nordumgehung bis zur Anschlusskreuzung durchzuziehen. Da das jedoch keine Sache des bisher geplanten Grundstücks ist, ist es vorerst nur eine Idee.

Während die Verkehrssituation bei den Bauausschussmitgliedern für Kopfschmerzen sorgt, vermögen es die anderen vortragenden Experten in der jüngsten Sitzung, die Smart-City-Euphorie wieder aufkommen zu lassen. Stadtplanerin Stefanie Horn vom Architekten-Büro ROB kommt aus dem Schwärmen gar nicht mehr heraus. Mehrere unterirdische Zisternen sollen beispielsweise das Regenwasser auffangen und zur Bewässerung der großflächig geplanten Grünflächen dienen. Auch die Dächer sollen alle begrünt werden und genügend Bäume am Straßenrand Platz finden.

Eine scheinbare Fassade

Auch die vielbesprochenen Kommunikationswände stellt sie erneut vor. Diese sollen im Inneren des Areals der arbeitenden Bevölkerung wichtige Informationen präsentieren. Neugierig wollen die Ausschussmitglieder Genaueres erfahren, etwa wie sie sich diese Wände vorstellen müssen: Wie eine LED-Wand oder den Times-Square?

Erster Stadtrad Sebastian Wysocki (CDU) versucht sich an einer Veranschaulichung: "Die Kommunikationswände sind Teil der Fassade und erwecken den Anschein eine normale Fassade zu sein, wenn keine Infos übermittelt werden." Das ein oder andere Fragezeichen verbleibt über den Köpfen der Ausschussmitglieder.

Ein weiteres Gutachten stellt Johannes Wolf vom Büro für Geoinformatik, Umweltplanung, neue Medien (GPM) vor. Er befasste sich vor allem mit der Frage, ob eine hohe Bebauung im Quellenpark die Frischluft-Situation in Bad Vilbel beeinflussen könnte. Ein beauftragter Meteorologe sei jedoch zu der Erkenntnis gekommen, dass sich die Luftbewegungen in der Quellenstadt vor allem durch ein Zusammenspiel zwischen der kälteren und höher gelegenen Luft des Stadtwaldes und der wärmeren Luft in der Tallage der Kernstadt ergibt. "Es gibt also keinen Anlass im Quellenpark einen Nachteil zu sehen", betont er.

Kurzfassen kann sich auch Reinhard Ziegelmeyer vom der Beratungsgesellschaft für Schallimmissionsschutz GSA Ziegelmeyer. Da zur B3 hin ein großes Parkhaus geplant sei und zwischen Smart-City und den Bahngleisen dann ein weiteres Wohngebiet liege, sei Lärm kein großes Thema.

Den nötigen Änderungen, um das geplante Projekt voran zu bringen, stimmt der Ausschuss schließlich zu – gegen die Stimme der Freien Wähler und bei Enthaltung der SPD.

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